Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG)

Methodenkompetenz des ZTG

ForschungsebeneBeispiele für methodische Ansätze
1. Analyse des Forschungs- und PraxisfeldsAnalyse sozio-technischer Konstellationen und transdisziplinäre Wissensintegration
2. Gestaltung von Technik und Transformation- Technology Assessment
- Reallabore
- Lernwerkstätten
- Modellierung
- Szenarioentwicklung
3. Steuerung und Reflexion des Forschungs- prozessesFormative Evaluation

Das ZTG versteht sich wegen seiner langjährigen Erfahrung auch als Kompetenzzentrum für inter- und transdisziplinäre Forschung. Am ZTG verfügen wir über einen Pool von erprobten Methoden, die systematisch eingesetzt, reflektiert und verbessert werden. Diese Reflexion auf der Metaebene wird in internationale Diskurse zur methodologischen Weiterentwicklung inter- und transdisziplinärer Forschung eingebracht.

Unsere Methodenkompetenz dient der Durchführung von inter- und transdisziplinären Forschungsvorhaben. Dabei werden Methoden der qualitativen und quantitativen sozialwissenschaftlichen Forschung so aufbereitet, dass sie anschlussfähig an ingenieur-, planungs- und naturwissenschaftliche sowie rechtswissenschaftliche Fragestellungen sind und bei Bedarf transdisziplinäre Perspektiven aufgreifen und abbilden können.

Der Pool von Methoden des ZTG wird durch praktische Erprobung oder Neukombination bestehender und Entwicklung neuer Methoden laufend aktualisiert Die Schwerpunkte der Methodenkompetenz lassen sich auf drei Ebenen verorten.

  1. Die Analyse des Forschungsfeldes: Auf dieser Ebene geht es vor allem darum, Systemwissen zu den komplexen Wechselwirkungen bezogen auf eine konkrete Fragestellung zu generieren (Problembeschreibung). Die Herausforderung für interdisziplinäre Fragestellungen besteht dabei darin, Verfahren zu finden, wie sich verschiedene disziplinäre Perspektiven auf Augenhöhe produktiv begegnen können und das heterogene Wissen integriert werden kann. In transdisziplinären und partizipativen Forschungsprozessen wird darüber hinaus das Ziel verfolgt, auch Erfahrungs- und Expertenwissen von außerwissenschaftlichen Akteuren (Bürger*innen, Wirtschaft, Verwaltung, NGOs und andere Stakeholder) in die wissenschaftliche Erkenntnisproduktion zu integrieren.
    Auf dieser Ebene spielt die Analyse sozio-technischer Konstellationen und transdisziplinärer Wissensintegration eine wichtige Rolle. Hierfür haben wir am ZTG die Methode der Konstellationsanalyse entwickelt.
     
  2. Gestaltung von Technik und Transformation: Für die Gestaltung von Technik und Transformationsprozessen ist es notwendig, das Systemwissen um Ziel- und Handlungswissen zu ergänzen. Dabei bestimmt das Zielwissen (bspw. Nachhaltige Entwicklung, inklusive Technikgestaltung) die Richtung der Gestaltung. Da es um die Entwicklung konkreter Gestaltungsperspektiven geht, ist der Einbezug vielfältiger Akteur*innen durch transdisziplinäre Methoden unverzichtbar. So ist bspw. ingenieurwissenschaftliche Technikentwicklung um ethische, rechtliche und ökonomische Fragen zu ergänzen. Das Spektrum möglichen Handlungswissens umfasst die Entwicklung von Prototypen ebenso wie die Veränderung von individuellen oder organisationalen Praktiken sowie die Gestaltung von Governance- oder infrastrukturellen Maßnahmen.

    Auf dieser Ebene arbeiten wir am ZTG mit methodischen Ansätzen wie Technology Assessment, Lernwerkstätten und Reallaboren (Modellierung und Szenarien) Am ZTG haben wir eine Methode zur integrierten Technikbewertung und -entwicklung zur Berücksichtigung der gesellschaftlichen Einbettung von Technik entwickelt.
     
  3. Eine weitere Ebene stellt die Steuerung und Reflexion des Forschungsprozesses dar: Das ZTG setzt Managementmethoden ein, mit denen Prozesse der Wissensproduktion, -bewertung oder -verwertung verbessert werden sollen. Die in der langjährigen Tätigkeit erworbenen Schnittstellenkompetenzen der Mitarbeitenden sowie die Verwendung von Brückenkonzepten dienen dabei der inter- und transdisziplinären Verständigung. Ein zentrales Kompetenzfeld des ZTG ist hier die inter- und transdisziplinäre Reflexion und Erfassung der angestrebten und erzielten gesellschaftlichen Wirkungen transdisziplinärer Projekte.
    Auf dieser Ebene spielen Methoden der formativen Evaluation (Qualität des Forschungsprozesses und seine Wirkungen) eine Rolle. Zur begleitenden Evaluation haben wir am ZTG die Methode der Wirkungsreflexion und -erfassung entwickelt.

    Quer zu den drei Forschungsebenen liegt der Einsatz qualitativer und quantitativer sozialwissenschaftlicher Methoden wie quantitative Befragungen, qualitative Interviews, numerische und statistische Analysen oder die Durchführung von Fokusgruppen, die mit unterschiedlicher Zielsetzung eingesetzt werden können.

Analyse sozio-technischer Konstellationen und transdisziplinäre Wissensintegration

Jedes inter- oder transdisziplinäre Projekt ist mit dem Problem der Integration von heterogenen Wissensbeständen und dem Umgang mit konfliktären Sichtweisen konfrontiert. Um der Komplexität sozio-technischer oder sozial-ökologischer Problemlagen gerecht werden zu können, ist es dabei meist unentbehrlich, auch das Wissen und die Erfahrung verschiedener Praxispartner in den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess einzubeziehen. Die verwendeten Methoden dienen daher der integrativen Betrachtung von:

  • sog. "objektiven" Faktoren (alles was sich messen und quantifizieren lässt) und sog. "subjektiven Faktoren" (von Individuen oder Gruppen abhängige Auffassungen oder Einstellungen)
  • verschiedenen Ebenen der Analyse, etwa bei der Analyse von Governance-Regimen, von der lokalen über die regionale, nationalstaatliche bis hin zur EU- und globalen Ebene

Das ZTG bringt dabei die Kompetenz ein, für diese Integration über die „zwei Kulturen" hinweg gangbare und produktive methodische Wege zu entwickeln und praktisch zu erproben. Ein Beispiel für eine solche methodische Integration ist die am ZTG entwickelteKonstellationsanalyse, die das Potenzial grafischer Darstellungen für den Austausch über komplexe Zusammenhänge nutzt.

Darüber hinaus werden vielfältige gängige Methoden genutzt und nach Bedarf weiterentwickelt:

  • Bedarfsanalysen, die (gruppen-) spezifisches Nutzungsverhalten erheben, um Technikentwicklung partizipativ zu gestalten
  • Fokus-Gruppen, um unterschiedliche Perspektiven auf die Gestaltung von Technik und Transformationsprozessen zu erfassen
  • Modelle von Mehrebenen-Governance, um komplexe Aushandlungs- und Regulationsprozessen abzubilden und weiterzuentwickeln
  • Innovationsbiographien, um die Entwicklung von technischen Innovationen in Abhängigkeit von rechtlichen und sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen nachzuzeichnen

Technology Assessment

Technikfolgenabschätzung basiert mittlerweile auf einem breiteren Verständnis von Technikgestaltung, das gesellschaftliche Bedarfe und Problemlagen in allen Phasen der Technikgenese zu integrieren versucht. Methodische Bausteine für einen solchen Ansatz sind etwa:

  • das Einbeziehen von Usability-Tests und Akzeptanzforschung bereits in frühen Phasen der Technikentwicklung, und zwar nach Möglichkeit in mehreren iterativen Schleifen
  • die Abschätzung des zukünftigen Verhältnisses von technischem Potenzial und gesellschaftlichen Bedarfen, z.B. mit Hilfe des Einsatzes von Szenarien
  • der Einsatz und die Weiterentwicklung von multikriteriellen Bewertungsverfahren.

Unter Bezug auf die internationale Diskussion zum "Constructive Technology Assessment" hat das ZTG ein Format erarbeitet, das verschiedene Abschätzungs- und Gestaltungsmethoden integriert. Die ursprünglich in Projekten der Sicherheitsforschung des ZTG entwickelte Methode zur integrierten Technikbewertung und -entwicklung ermöglicht die systematische Einbeziehung unterschiedlicher sozio-technisch relevanter Aspekte und hat sich bspw. auch in der Forschung zu neuen Mobilitätsangeboten (autonomes Fahren) bewährt.

Für den Einbezug des Wissens und der Erfahrungen älterer potenzieller Nutzer*innen oder Betroffener ist am ZTG eine Senioren-Forschungsgruppe, die Senior Research Group (SRG), angesiedelt, die sich regelmäßig aktiv in verschiedene Forschungsprojekte einbringt und z.B. an Befragungen oder Usability-Tests teilnimmt.

Reallabore

Reallabore ordnen sich der transformativen Forschung zu, die soziale Prozesse des Wandels anstoßen und wissenschaftlich begleiten möchte. Dabei greifen sie häufig Fragen der nachhaltigen Entwicklung auf lokaler oder regionaler Ebene auf und orientieren sich an den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen. In Reallaboren wird nach der Analyse des jeweiligen Problems (Systemwissen) und der Einigung auf Zielstellungen das transdisziplinär erzeugte Handlungswissen bereits in einem abgegrenzten zeitlichen und räumlichen Rahmen in Form von Interventionen erprobt. Die Erfahrungen mit der experimentellen Erprobung werden wissenschaftlich begleitet und Wissen über förderliche und hinderliche Faktoren sowie die ggf. notwendige Weiterentwicklung des Lösungsansatzes gewonnen.

Das ZTG verwendet hier eine Kombination verschiedener Methoden, die an die jeweiligen Kontexte angepasst werden. Wichtig dabei sind Partizipationsmethoden, die das ZTG nicht nur in traditionellen Bereichen, wie der Quartiersentwicklung einsetzt sondern auch in die Mobilitätsforschung, bei der Gestaltung von Wohnsiedlungen
 oder in den Smart-City-Diskurs eingebracht hat. Beispiele für methodische Elemente in Reallaboren sind:

  • die Einbeziehung von Nutzungspraktiken in den Technikentwicklungsprozess (in Anlehnung an das „participatory design")
  • die Einbeziehung von Bürger*innen in die Gestaltung des Lebensumfeldes (z.B. „Grüne Mappe“)
  • die Gestaltung experimenteller Settings, in denen z.B. neue Mobilitätsangebote oder Veränderungen der Verpflegung in Kantinen erprobt werden (z.B. Aktionswochen)

Lernwerkstätten

Lernwerkstätten

Lernwerkstätten sind ein transdisziplinäres Workshop-Format. Sie dienen der Ko-Produktion von Wissen, also dem Erkenntnisgewinn durch einen Austausch zwischen Wissenschafts- und Praxisakteuren. Dementsprechend sind Lernwerkstätten durch einen mehrmaligen Austausch geprägt, wobei sukzessive gemeinsame Fragestellungen entwickelt, diese von mehreren Perspektiven beleuchtet und daraus praxistaugliche Bearbeitungsmodi für konkrete Anwendungsfälle erarbeitet werden. Innerhalb der Lernwerkstätten tragen die Teilnehmenden durch ihr zeitliches Engagement und ihre thematische Expertise zur Bildung einer Community of Practice bei, die über die Lernwerkstätten hinaus Vernetzung, Austausch und gegenseitige Unterstützung der Akteur*innen gewährleistet. Dies kann den Erfahrungsaustausch auf Verwaltungsebene fördern, bspw. über mögliche Maßnahmen zur Stärkung der  Klimaresilienz einer Kommune. Lernwerkstätten können aber auch auf Unternehmensebene, unternehmensübergreifend oder für Interessenverbände verschiedenster Art eingesetzt werden. Sie sind bei Problemstellungen sinnvoll, die ein koordiniertes und informiertes Vorgehen von Akteuren erfordern, die in unterschiedlichen Kontexten oder in unterschiedlichen Positionen ein Interesse an der Entwicklung von Lösungsansätzen für z.B. Nachhaltigkeitsprobleme haben.

Lernwerkstätten dienen gleichzeitig der Weiterentwicklung wissenschaftlicher Forschungsansätze (z. B. sozial-ökologische Forschung), indem neues Orientierungs- und Transformationswissen auf einer breiten Wissensbasis in Verbindung mit vielfältigen Praxisperspektiven (z.B. von Kommunen, Wirtschaftsakteuren und Privatpersonen) erzeugt wird. In den Lernwerkstätten kommen deswegen mehrheitlich Wissensintegrationsmethoden zum Einsatz. Das ZTG setzt hierfür z. B. den Ansatz der Theory of Change, die Konstellationsanalyse oder den Multi-Stakeholder-Dialog ein.

Die Ausgestaltung der Workshops in Kooperation mit einem Praxisakteur erleichtert den Zugang zu weiteren Praxisakteuren und zu Themen, die sie aktuell beschäftigen. Die Workshops werden evaluiert, was eine kontinuierliche Reflexion und Anpassung des Austauschprozesses ermöglicht. So stellt das ZTG ein zielgerichtetes Vorgehen und transformationsrelevante Ergebnisse sicher.

Modellierung

Modellierung

Modellierung kann genutzt werden, um das komplexe Zusammenwirken verschiedener ökonomischer, sozialer und ökologischer Faktoren in sozial-ökologischen Problemlagen zu untersuchen (Systemwissen). Modelle können daher zu einem gemeinsamen Verständnis  in inter- und transdisziplinären Forschungsverbünden beitragen. Sie können weiterhin hilfreich sein, um die Wirkungen von unterschiedlichen Maßnahmen abzuschätzen (Ziel- und Transformationswissen). Diese Modellierungen können Informationen liefern, die für Entscheidungsunterstützungssysteme in Form von Online-Tools oder Apps genutzt werden können.

Am ZTG wird Statistische Modellierung derzeit dafür eingesetzt, die komplexen Beziehungen zwischen städtischem Mobilitätsverhalten mit anderen sozio-ökonomischen, sozio-demographischen und psychologischen (Einstellungen, Wahrnehmungen und Gewohnheiten) Faktoren sowie Daten aus den Bereichen Landnutzung, Gesundheit und Lebensqualität zu untersuchen. Die Modelle werden mittels statistischer Analysen auf der Basis von Querschnitts- oder Längsschnittdaten entwickelt und fließen in praxisorientierte Werkzeuge zur Entscheidungsunterstützung ein.

Szenario-Entwicklung

Szenario-Entwicklung

Die Entwicklung von Szenarien kann dafür genutzt werden, um komplexe Zusammenhänge zwischen verschiedenen Faktoren besser zu verstehen und mögliche Zukünfte zu entwerfen. Szenarien können als boundary objects gut für die inter- und transdisziplinäre Verständigung über den Charakter von Problemlagen (Systemwissen) oder Diskussionen über erwünschte Zukünfte und mögliche Handlungsstrategien genutzt werden (Ziel- und Transformationswissen). Am ZTG liegt Know how zur qualitativen und quantitativen Szenario-Entwicklung vor.

Quantitative Szenario-Entwicklung spielt am ZTG derzeit v. a. in der Abschätzung der Wirkungen von Interventionen im Bereich des städtischen Mobilitätsverhaltens eine Rolle. Sie basiert auf statistischer Modellierung und der Entwicklung von Algorithmen, die das Zusammenwirken verschiedener Faktoren auf der Basis von Querschnittsdaten nachvollziehen.

Formative Evaluation

Formative Evaluation

Transdisziplinäre Projekte haben das Ziel, sowohl wissenschaftlich als auch gesellschaftlich relevantes Wissen zu generieren und somit zu bedeutsamen gesellschaftlichen Veränderungen beizutragen. Daher ist es verständlich, dass bspw. Fördermittelgeber und die Öffentlichkeit Aussagen dazu erwarten, inwiefern die Projekte ihre angestrebten Ergebnisse und Wirkungen tatsächlich erreichen.  Am ZTG verfügen wir über Methodenkompetenz zurwirkungsorientierten Begleitung und Evaluation transdisziplinärer und partizipativer Forschungsprojekte. Mit den von uns entwickelten projektbegleitenden Formaten der formativen Evaluation unterstützen wir inter- und transdisziplinäre Forschungsverbünde in der strukturierten Reflexion und Erfassung von Wirkungen. Der Output der Projekte und ihre Wirkungen werden anhand von Kriterien und Indikatoren fortlaufend erfasst und möglicher Nachsteuerungsbedarf zur Erreichung der Ergebnisse und Wirkungen frühzeitig erkannt. Die wirkungsorientierte Begleitung durch das ZTG kann in Form der externen Moderation von punktuellen Workshops stattfinden oder im Rahmen eines Arbeitspakets „Formative Evaluation“ in transdisziplinären Verbundprojekten.

Konstellationsanalyse

Die Konstellationsanalyse ist ein interdisziplinäres Brückenkonzeptvor allem für die Nachhaltigkeits-, Technik- und Innovationsforschung.