Mit der TUmate durch das Jahr 2022: Mitmach-Aktion für TU-Angehörige

Auch 2022 soll aus der TU Berlin Neues herauswachsen und dafür müssen wir säen. Unsere TUmate macht dies auf besondere Art und Weise möglich. Die Tomatensamen führen eine „Open Source Saatgut Lizenz“. Das Saatgut ist als Gemeingut rechtlich vor Patenten und anderen Formen der Privatisierung abgesichert. Jede*r TU-Gärtner*in kann die TUmate also unter bestimmten Bedingungen züchterisch bearbeiten.

Die TUmate ist ab sofort im UniShop der TU Berlin online und zur Abholung in der Mathematischen Fachbibliothek  erhältlich - nur solange der Vorrat reicht.

Was aus der TUmate wird? Das möchten wir von Ihnen hören, sehen und lesen. Schicken Sie uns Ihre Ernteerfolge oder auch TUmaten-Rezepte unter socialmedia(at)tu-berlin.de! Wir veröffentlichen auf dieser Seite die Ergebnisse.

Übrigens: Jede*r darf die Samen kostenfrei nutzen, weitergeben und weiterentwickeln. Damit entspricht die TUmate dem Bestreben der TU Berlin, Open Science als Bestandteil guter wissenschaftlicher Praxis zu verstehen. Wir wünschen viel Freude und eine gute Ernte mit den smarten TUmaten!

Die Open-Source-TUmate im Film: Wissenswertes zur Tomate, Anbautipps, Community-Projekt

© Tobias Rosenberg

Bitte beachten Sie: Sobald Sie sich das Video ansehen, werden Informationen darüber an Youtube/Google übermittelt. Weitere Informationen dazu finden Sie unter Google Privacy.

Tutorials und filmische Erfahrungsberichte zur TUmate

Wie pflege ich die TUmate richtig?

© Tobias Rosenberg

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Wie gewinne ich Saatgut aus den Samen der TUmate?

© Tobias Rosenberg

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Vom Saatgut auf den Teller: Ernährungsbildung für Schule & Universität am Beispiel der TUmate

© Tobias Rosenberg

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Hilfreiche Informationen zur TUmate

Top(f) 5 Tipps für Anbau und Ernte

Die TUmaten-Sorte „Vivaroma“ mit Open-Source-Lizenz ist eine klassische rote Salattomate mit außergewöhnlich intensivem Aroma und guter Freilandtauglichkeit.

Aussaat: Ab Mitte Februar. Ziel ist, blühend nach dem letzten Frost zu pflanzen. Saattiefe 0,2 – 0,5 cm.

Standortansprüche: Geringe Ansprüche an Düngung und Bewässerung, sonnig und luftig im Freiland.

Abstand: 60 x 60 cm oder im 10 Liter Eimer

Kultur: Nach der Ausbildung des ersten Laubblatts pikieren und topfen. Die Pflanze sollte dabei bis kurz unter die Keimblätter mit Erde bedeckt sein, um ausreichend Wurzeln bilden zu können.

Keimung und Ernte: 18 – 24 °C, 10 – 14 Tage, ab Juli

Open Source Saatgut

Es gibt drei einfache Regeln, die es bei Open Source Saatgut zu beachten gilt:

Regel 1: Jede*r darf das Saatgut frei nutzen, es vermehren, weiterentwickeln, züchterisch bearbeiten und es im Rahmen bestehender Gesetze weitergeben.

Regel 2: Niemand darf das Saatgut und seine Weiterentwicklungen mit geistigen Eigentumsrechten wie Patenten belegen.

Regel 3: Jede*r Empfänger*in überträgt zukünftigen Nutzer*innen des Saatguts und seinen Weiterentwicklungen die gleichen Rechte und Pflichten.

Einzelheiten zur Open Source Seeds Lizenz finden Sie auf den Seiten von Open Source Seeds.

 

Interview mit Prof. Dr. Norbert Kühn

Wir essen sie mehrmals die Woche, verarbeiten sie zu Salat oder Pasta und bringen jedes Jahr auf's Neue Tomatenpflanzen zum Wachsen. Die rote Frucht fasziniert und ist vom Speiseplan nicht wegzudenken. Aber was steckt hinter unserem Lieblingsgemüse? Ist es überhaupt ein Gemüse?

Prof. Dr. Norbert Kühn ist Leiter des Fachgebiets Vegetationstechnik und Pflanzenverwendung am Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung der TU Berlin. Er forscht am TU-Standort in Dahlem unter anderem zu Grünflächenmanagement und Vegetationstechnik und kann dies in Freilandversuchen vor seinem Institut auch ganz praktisch tun. Er erzählt uns mehr über die Kulturgeschichte der Tomate sowie die Hintergründe des Open Source Saatguts und gibt die nötigen Tipps, die die TUmate zum Wachsen bringen.

Tomaten gelten als eine der weltweit bedeutendsten Salat- bzw. Gemüsepflanzen. Was fasziniert Sie an der roten Frucht, die eigentlich eine Beere ist, aber als Gemüse verwendet wird?

Tomaten sind heute ein allzu alltägliches Gemüse. Aber gerade an dieser Pflanze, die nur auf eine einzige Art zurückgeht, Solanum lycopersicum, lässt sich ermessen, wie immens die Kulturleistung vieler Generationen von Gärtner*innen war, um diese Vielzahl von unterschiedlichen Sorten hervorzubringen. Sie zeigt auch die positiven Seiten der Globalisierung – was wäre etwa Italien ohne Tomaten? Überall auf der Welt sind sie in zwischen in den Küchen zu Hause und helfen die Weltbevölkerung zu ernähren.

Liebesapfel, Paradiesapfel oder Goldapfel: Können Sie uns etwas über den kulturhistorischen Hintergrund erzählen, welche Rolle spielte die Tomate in den Gärten früherer Zeiten und wie sind solch spannende Namen entstanden?

Tomaten kamen als Zierpflanzen nach Europa – so wie Kartoffeln übrigens auch. Die roten Früchte galten als giftig. Da sie so attraktiv waren, wurden sie in Orangerien präsentiert und fanden sogar Einzug in die Gartengestaltung. Sie waren Teil der Rabatten barocker Parterres. Erst mit der Zeit wanderten sie in die Gemüsegärten, wo sie noch heute zu finden sind.

Zu Beginn der Neuzeit kannte man in Europa, speziell in Mitteleuropa, keine anderen ähnlich farbenfrohen Früchte. Orangen waren selten und noch dazu sehr schwer zu kultivieren. Tomaten dagegen konnte man als einjährige Pflanzen im Frühjahr aussähen, wuchsen vergleichsweise unproblematisch und brachten garantierten Ertrag. Dass man sie schon bald sehr hoch schätzte, lässt sich auch an den Namen ablesen, die man den Tomaten gab. In Italien heißen sie heute noch pomodoro – von pomo d’oro, goldener Apfel – und in Österreich Paradeiser – wohl, weil man in der roten, großen, saftigen und fleischigen Beere auch die verbotene Frucht des Paradieses entdeckt zu haben schien. Der deutsche Name Tomate ist letztlich auf die Bezeichnung der mexikanischen Ureinwohner für diese Frucht zurückzuführen.

Heutzutage können wir aus einer Vielzahl an Sorten wählen. Wie viele Tomatensorten gibt es überhaupt und wie nehmen Sie diese Sortenvielfalt wahr?

Es gibt wohl über 3.000 Sorten – und jährlich kommen neue hinzu. Bis in die 70er Jahre hinein war es in Deutschland eine reine Sommerfrucht, die man entweder im Garten hatte, im Gemüsegeschäft kaufen konnte oder als Konserve im Keller lagerte. Inzwischen gibt es sie das ganze Jahr. Selbst im Winter bekommt man inzwischen zahlreiche verschiedene Typen – von den kleinen Cocktailtomaten, über Rispentomaten bis zu den großen Fleischtomaten. Selbst im Supermarkt ist somit eine gewisse Auswahl der Sorten erhältlich.

Auch ökonomisch gilt die Tomate als womöglich wertvollste Feldfrucht. Wie schlägt sich dies auf die Diversität der Kulturpflanze Tomate nieder?

Der größte Anteil der Tomaten stammt aus Gewächshäusern, wo sie in Plastiksäcken, gefüllt mit Perliten oder Steinwolle und versorgt von Flüssigdünger kultiviert werden. Auf diese Weise wird vor allem in den Niederlanden und Spanien produziert, während es in Italien noch viel Feldanbau gibt. Kultiviert werden in der Massenproduktion sogenannte F1-Hybriden, also Hybriden der ersten Elterngeneration, weil dadurch die Eigenschaften besonders klar hervortreten. Zuchtziele sind neben hohem Ertrag und Pflanzengesundheit heute auch wieder Geschmack und Geruch.

Wie nachhaltig ist die Tomate durch diese Kultivierung überhaupt noch?

Nachhaltigkeit hängt von vielen Faktoren ab (ökonomisch, sozial, ökologisch). Wenn man allein auf die Ressourceneffizienz schaut, so sind die wichtigsten Faktoren der Wasserverbrauch, der Energieverbrauch und die Entstehung von Plastikmüll durch die entsprechenden Produktionsbedingungen. Auch die Transportkosten für dieses leicht verderbliche Gut kommen natürlich hinzu. Lokale Ware, gerade, wenn sie auch noch aus Bodenkultur stammt und biologisch angebaut wird, ist aus diesem Grund sicher zu bevorzugen. Konsequenterweise müsste man dann auch im Winter auf den Kauf von Tomaten verzichten.

Nun zu unserer Open Source TUmate: Was macht die Open Source Saatgut Lizenz aus Ihrer Sicht so interessant?

Der Züchtung neuer Sorten haben sich weltweit agierende Firmen verschrieben. Damit sich dieser immense Aufwand lohnt, werden sie nur in Lizenz vermarktet, d. h. Anbauer*innen müssen nicht nur für die Pflanzen selbst bezahlen, sondern auch eine Lizenzgebühr entrichten. Der hohe Aufwand der hochtechnisierten Produktion erlaubt nur wenige Sorten. Diese sind dann entsprechend in den Supermärkten zu finden. Es sind meist F1-Hybriden, die sich generativ nicht weiter vermehren lassen. Säht man sie aus, so streuen sie genetisch, man erhält also nicht mehr die gewünschten Eigenschaften. Die Anbauer müssen die Samen bzw. die Pflanzen jedes Jahr neu kaufen.

Samenechte Sorten dagegen entstehen durch ständige Selbsteinkreuzung. Sie sind in ihren Eigenschaften nicht so stabil und für die Züchter*innen und Anbauer*innen auch weniger attraktiv. Diese Sorten können jedoch generativ von jeder und jedem weiter vermehrt werden, indem man den Samen aus der Frucht entnimmt, trocknet und aussäht. Da Tomaten in der Regel Selbstbestäuber sind, d. h. der Pollen dieselbe Blüte befruchtet, bleibt das Erbgut erhalten. Durch die jahrhundertelange Kultivierungsgeschichte der Tomaten sind so unzählige Sorten entstanden, deren unterschiedliche Größe, Formen, Farben, Geschmack aber auch Duft faszinieren. Sie sind als Teil der biologischen Diversität zu werten.

Doch obwohl so viele Tomatensorten existieren, sollte auch die Züchtung weitergehen. Denn auch die Antagonisten, also Schadorganismen wie Viren, Bakterien oder Pilze, entwickeln sich weiter. In Mitteleuropa ist es vor allem die Kraut- und Braunfäule, Phytophtora infestans, die alle Nachtschattengewächse befällt. Neue Sorten besitzen eine geringere Anfälligkeit, zusätzliche Maßnahmen wie z. B. das Überdachen helfen, die Pflanzen auch bei längeren Regenperioden im Sommer gesund zu erhalten.

Wie kann aus Ihrer Sicht eine Open Source Saatgut Lizenz die Sortenvielfalt der Tomate begünstigen und vielleicht sogar einen nachhaltigeren Umgang mit der Kulturpflanze ermöglichen?

Das große Problem bei Tomaten und anderen Kulturfrüchten ist die hohe Abhängigkeit der Produzenten von den entsprechend weltweit agierenden Saatgutproduzenten. Diese liefern nicht nur Samen, sondern auch Dünger und Pflanzenschutzmittel. Dafür sind diese Sorten höchst effizient.

Es führt dazu, dass weltweit überall die gleichen Sorten angebaut werden und entsprechend auf den Markt kommen. Lokale Kultivierungstraditionen sterben aus, lokale Sorten gehen verloren. Die Konferenz zur Biodiversität in Rio de Janeiro 1992 beklagte nicht nur den Verlust der natürlichen Vielfalt, sondern zeigte auch den Verlust an Kultursorten auf. Das UN-Übereinkommen zur biologischen Vielfalt (CBD) verschreibt sich daher auch dem Erhalt der Diversität der Kulturpflanzen.

Open Source Pflanzen beschreiten den traditionellen Weg der Züchtung, sie sind samenfest. Sie nutzen daher die traditionelle Sortenvielfalt und verbessern deren Eigenschaften.

Sie bauen privat selbst Tomaten an. Worauf legen Sie im heimischen Garten wert? Wie viel Wissen ist nötig, um Gemüse anzubauen?

Tomaten sind ziemlich einfach zu kultivieren. Man kann sie vorkultivieren (ab Mitte März) oder nach den Eisheiligen Pflanzen kaufen und sie in den Garten, auf den Balkon oder die Terrasse setzen. Sie brauchen vor allem Sonne, Wasser und eine gute Nährstoffversorgung, man rechnet sie zu den Starkzehrern. Also eigentlich kann es jede und jeder, solange man sich verlässlich und regelmäßig um die Pflanzen kümmert.

Haben Sie Tipps für andere Hobby-TUmaten-Pflanzer*innen, damit die TUmate möglichst gelingt?

Vor direktem Niederschlag auf jeden Fall schützen – auch wenn es sich um eine resistente Sorte handelt. Und die Triebe regelmäßig ausgeizen, d. h. die Seitentriebe entfernen, so dass die Pflanzen schlank nach oben wachsen.

Wie wollen Sie die Idee der TUmate weitertragen und vielleicht auch weiterzüchten?

Mir gefällt die Idee einer TUmate, weil sie allen TU-Mitarbeiter*innen, Student*innen oder anderen Begeisterten eine gewissen Achtung vor der Produktion von Obst und Gemüse näherbringen kann. Denn obwohl sie leicht zu kultivieren ist, muss man sich ständig und verantwortungsbereit um sie kümmern, über Monate hinweg planen, damit aus den im März ausgesäten Samen im Juli tatsächlich auch Früchte erscheinen. Es sind eigentlich ganz banale, ganz elementare Dinge wie Sonne, Wasser und Nährstoffe, die sie voranbringen. Es braucht keine digitale Steuerung, kein Smartphone und keinen Laptop, aber es braucht Hingabe, Kümmern und Verantwortlichkeit. So kann sie jedem etwas Respekt vor der Natur mitgeben, die ja letztlich unsere Lebensgrundlagen bereitstellt.

Die Fragen stellte Anna Groh.

Mitmachen

3, 2, 1, go: Wir schicken Sie auf den TUmaten-Marathon! Zeigen Sie uns Ihre Ernteerfolge und schicken Sie uns Bilder und Erfahrungen an socialmedia(at)tu-berlin.de. Oder posten Sie unter den Hashtags #TUBerlin und #TUmateBerlin auf Instagram und Twitter. 

Damit das Wissen, das Sie aussäen, auch zu Tage tritt, werden auf dieser Webseite Bilder, Rezepte und Erfahrungsberichte veröffentlicht. Sollte der ein oder die andere tolle Pasta-Rezepte teilen wollen, freuen wir uns auch darüber!

Kleiner Vorgeschmack auf mehr:

Das TU-Fachgebiet Vegetationstechnik und Pflanzenverwendung wird voraussichtlich 500 TUmaten-Pflanzen im Frühjahr anzüchten. Für alle, die sich vor der Aussat von Samen scheuen, ist es also möglich, im April eine dieser Pflanzen zu erhalten.

Ausblick: Bei guter Ernte können beim kommenden Sommerfest der TU Berlin erste kulinarische Erfolge erzielt werden und das ein oder andere Pasta-Rezept mit der TUmate umgesetzt werden.

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