Medieninformation | 11. August 2022 | bk

Hilfe für 62 afghanische IT-Fachkräfte

TU Berlin stellte Not-Stipendien für afghanische Wissenschaftler*innen und Alumni zur Verfügung. Größtes eigenfinanziertes Projekt einer deutschen Universität zur Unterstützung afghanischer Akademiker*innen

Am 15. August 2022 jährt sich der Tag an dem die Taliban die afghanische Hauptstadt Kabul einnahmen. Die Folge war der Zusammenbruch der afghanischen Regierung von Präsident Ghani. Bilder dramatischer Szenen, die sich in diesen Tagen abspielten, gingen um die Welt. Zahlreiche Menschen versuchten das Land zu verlassen. Auch die TU Berlin erreichten viele Hilferufe afghanischer Absolvent*innen.

Um IT-Absolvent*innen aus Afghanistan die Einreise als Gastwissenschaftler*innen nach Deutschland zu ermöglichen, stellte das TU-Präsidium zügig Mittel als Sofortmaßnahme zur Verfügung, um Not-Stipendien für Wissenschaftler*innen zu finanzieren. Pro Stipendium vergibt die TU Berlin mehr als 1200 Euro pro Monat bei einer Laufzeit von sechs Monaten. „Bridge IT – Integrationsprogramm für afghanische IT Alumni at Risk an der TU Berlin“ lautet der Titel des Programms und ist damit das größte eigenfinanzierte Projekt einer deutschen Universität zur Unterstützung für afghanische Akademiker*innen.

Insgesamt konnten 62 Menschen in die Förderung aufgenommen werden. 43 von diesen sind bereits in Deutschland angekommen, sechs Alumni bereiten aktuell noch ihre Ausreise aus Afghanistan vor oder warten in einem Drittstaat auf ihre Weiterreise nach Deutschland. Mit Familienangehörigen werden mit der Unterstützung der TU Berlin rund 220 Personen aus Afghanistan nach Deutschland gebracht.

Unterstützungsangebote zur Integration

„Unsere Unterstützung hört nicht bei der Ankunft der Alumni in Deutschland auf. Die Menschen, die durch das Programm Bridge IT nach Deutschland kommen konnten, benötigen weiterhin unsere Hilfe. Wichtig ist es, dass sie hier einen Einstieg in den Arbeitsmarkt finden oder auch eine akademische Laufbahn einschlagen können. In diesem Prozess wollen wir begleiten. Auch das macht Universität aus. Netzwerke zu bilden, die nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch in besonderen Lebenssituationen helfen und bereitstehen. Dieser Gemeinschafts- und Alumnigedanke wird bei uns gelebt“, sagt TU-Präsidentin Prof. Dr. Geraldine Rauch.

Die Betreuung der Stipendiat*innen wird in dem Referat „Transnationale Bildung und Internationaler Wissenstransfer“ der TU-Abteilung für Internationales koordiniert. Neben allgemeinen Weiterbildungs- und Beratungsangeboten wie Sprachkursen oder Aufenthaltsfragen, werden zwei Programmschienen aufgebaut, in denen es um die Förderung der akademischen Laufbahn geht und um die Integration in den deutschen Arbeitsmarkt.  Zur Finanzierung des Begleitprogramms konnten beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) erfolgreich Mittel in Höhe von 146.400 Euro eingeworben werden, die aber aufgrund der aktuellen BMBF-Kürzungen Ende des Jahres auslaufen werden.

Aufbauend auf der Erfahrung aus dem laufenden Afghanistan-Programm plant die TU Berlin, weitere Integrationsmaßnahmen durch Nachqualifizierungs- und Weiterbildungsprogramme für Akademiker*innen in und aus Krisenregionen zu konzipieren.

Langjähriges Engagement in Afghanistan

Dass der Fokus des Hilfsprogramms auf IT-Absolvent*innen liegt, hat mit dem langjährigen Engagement der TU Berlin im Bereich des akademischen Aufbaus in Afghanistan zu tun. Über ihr Zentrum für internationale und interkulturelle Kommunikation (ZiiK) engagierte sich die TU Berlin in den vergangenen 20 Jahren u. a. beim Aufbau von Rechenzentren an afghanischen Universitäten.  Bis zum Jahr 2021 wurden dort mehr als 30.000 Hochschulangehörige ausgebildet. Zudem konnten Stipendien für afghanische Studierende und Dozent*innen vergeben werden. Allein im Bereich Informatik (Computer Science) haben 125 Masterstudierende ihr Studium an der TU Berlin abgeschlossen und sind in ihr Heimatland zurückgekehrt, wo sie bis zum 15. August 2021 unterrichteten oder an Behörden und Ministerien gearbeitet haben.

Kontakt

Stefanie Terp

Pressesprecherin der TU Berlin

pressestelle@tu-berlin.de

+49 30 314-23922