Medieninformation | 23. Februar 2021 | rb

Gemeinsame Pressemitteilung von TU Berlin und Wissenschaft im Dialog

Revolution im städtischen Luftraum?

TU Berlin und Wissenschaft im Dialog (WiD) veröffentlichen zwölf Handlungsempfehlungen zur möglichen Integration von Lieferdrohnen und Flugtaxis in den Verkehr deutscher Städte

Das gemeinsame Forschungsprojekt „Sky Limits“ der Technischen Universität Berlin und Wissenschaft im Dialogbeschäftigte sich in den vergangenen zwei Jahren mit Chancen, Herausforderungen und Risiken, die durch Lieferdrohnen und Flugtaxis in Städten entstehen könnten. Zum Abschluss des Projekts veröffentlichen TU Berlin und WiDzwölf Handlungsempfehlungen rund um eine mögliche Erschließung des urbanen Luftraums als „dritter Verkehrsebene“. Wissenschaftliche Grundlage der Empfehlungen bilden die gesammelten Erkenntnisse aus Literaturanalysen, umfassenden Bevölkerungsbefragungen und Beteiligungsformaten.

Sei es die Erarbeitung eines Luftverkehrsmanagements vorder Einführung von Drohnentechnologie durch eine proaktive Politik, die Sensibilisierung von Kommunen und die Stärkung ihrer Gestaltungskompetenzen für eine mögliche Einführung von Lieferdrohnen und Flugtaxis oder die Anerkennung, dass aktuell eine Auslieferung von Konsumgütern von der Bevölkerung nicht befürwortet wird. Die Handlungsempfehlungen des „Sky Limits“-Teams begründen den Auftakt für eine öffentliche Diskussion über eine mögliche Erschließung des unteren Luftraums als neuer Verkehrsebene. Sie richten sich an Politik, Wirtschaft sowie Stadt- und Verkehrsplanung.

„Aktuell wird die Debatte rund um eine Nutzung von Drohnen besonders von wirtschaftlichen Akteuren vorangetrieben. Gleichzeitig fehlt es an einer wissenschaftlichen Validierung der Mehrwerte, welche die Hersteller der Bevölkerung durch die Technologie versprechen. In die Debatte müssen daher viel stärker unterschiedliche Perspektiven und mitunter konkurrierende Zukunftsbilder einbezogen werden“, sagt Dr. Robin Kellermann, Projektkoordinator von „Sky Limits“ vom Fachgebiet Arbeitslehre/Technik und Partizipation der TU Berlin. In den Handlungsempfehlungen plädiert das Projektteam entsprechend dafür, eine mögliche Einführung von Lieferdrohnen und Flugtaxis zukünftig stärker mit der Bevölkerung zu diskutieren, da diese dadurch unmittelbar betroffen wäre.

„Vor allem die politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger sind hier in der Verantwortung. Für sie gilt es nun, Bevölkerung und Kommunen in die Diskussion über die Nutzung von Lieferdrohnen und Flugtaxis einzubinden, beispielsweise in Bürgerräten“, so Nico Dannenberger, Projektleiter von „Sky Limits“ bei Wissenschaft im Dialog. Mögliche soziale, ökonomische und ökologische Folgen der neuen Technik sollten – so eine weitere Handlungsempfehlung – fortlaufend untersucht werden. Auch müsse beispielsweise verbindlich geklärt werden, welche Regeln im urbanen Luftraum als neuer Verkehrsebene gelten sollten.  

Die Frage, inwiefern die Einführung von Transportdrohnen von der Bevölkerung befürwortet wird, war ebenfalls Teil der Untersuchungen im Rahmen des „Sky Limits“-Projekts. So zeigt eine im Jahr 2020 durchgeführte repräsentative Bevölkerungsumfrage, dass die Mehrheit der Deutschen den Einsatz von Lieferdrohnen (55 Prozent) und Flugtaxis (62 Prozent) grundsätzlich ablehnt. Lediglich bei medizinischen Notfällen kann sich die Mehrheit vorstellen, dass Drohnen Medikamente liefern (63 Prozent) oder Flugtaxis Kranke transportieren (65 Prozent).

Das Projektteam von „Sky Limits“ rät daher in seinen Empfehlungen, bei der Weiterentwicklung der Technologie auch die von der Gesellschaft gewünschten Grenzen der Nutzung mitzudenken, und empfiehlt, den Einsatz von Transportdrohnen ausschließlich auf medizinische Notfälle zu beschränken.

„Sky Limits“ ist ein gemeinsames Projekt von WiD und TU Berlin, das für eine Dauer von zwei Jahren im Rahmen der Innovations- und Technikanalyse (Förderkennzeichen 16ITA216A) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert wurde. In den Jahren 2019 und 2020 wurden im Projekt Chancen und Herausforderungen durch Transportdrohnen systematisch erfasst und untersucht. Das interdisziplinäre Forschungsteam bewegte sich dabei an der Schnittstelle von Technikfolgenabschätzung, Zukunftsforschung und sozialwissenschaftlicher Mobilitätsforschung.

Kontakt

Nico Dannenberger

Projektleitung „Sky Limits“

nico.dannenberger@w-i-d.de

+49 30 206 2295-24

Dr.

Robin Kellermann

Verbundkoordination „Sky Limits“

robin.kellermann@tu-berlin.de

+49 30 314-24373

Einrichtung Fachgebiet Arbeitslehre/Technik und Partizipation, Cluster Mobilitätsforschung

Dorothee Menhart

Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

dorothee.menhart@w-i-d.de

+49 30 206 2295-55

Einrichtung Wissenschaft im Dialog