Medieninformation | 20. September 2022 | pp

Internationales Engagement für die Rückgabe von Kulturgut

Die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy von der TU Berlin erhält den Deutschen Kulturpolitikpreis für ihr langjähriges Engagement und ihre Forschungsleistungen zur Restitution von Raubkunst

Für ihre außergewöhnlichen Verdienste bei der Erforschung der Geschichte der europäischen Museen und bei der Rückgabe von kolonialer Raubkunst zeichnet der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, Prof. Dr. Bénédicte Savoy mit dem Deutschen Kulturpolitikpreis aus. Die Kunsthistorikerin und Leibniz-Preisträgerin Bénédicte Savoy ist Leiterin des Fachgebiets Kunstgeschichte der Moderne an der TU Berlin. Der Deutsche Kulturpolitikpreis, hervorgegangen aus dem seit 1992 verliehenen „Kulturgroschen“, würdigt besondere Leistungen von herausragender und langfristiger kulturpolitischer Tragweite. Verliehen wird er am 21. September 2022 in Berlin.

Die Auszeichnung würdigt das außerordentliche wissenschaftliche wie kulturpolitische Engagement von Bénédicte Savoy mit Blick auf den Kunstraub und die Restitution von Kulturgut. „Die Fragestellungen um Kunstraub und der Umgang mit geraubter Kunst durchziehen das akademische Leben von Prof. Dr. Bénédicte Savoy. Besondere Verdienste hat sie sich mit ihrem nachdrücklichen Einsatz für die Rückgabe von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten im In- und Ausland erworben. Ihr Engagement ist wegweisend“, teilte der Deutsche Kulturrat zu der Preisentscheidung mit. Große Namen zieren die Liste der Preisträger*innen der vergangenen Jahre: Der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau, der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, aber auch der Generalmusikdirektor Daniel Barenboim oder die einflussreiche Schriftstellerin Juli Zeh sind darunter.

Die Verleihung des Deutschen Kulturpolitikpreises an Bénédicte Savoy findet am 21. September 2022 im Wilhelm von Humboldt-Saal der Staatsbibliothek zu Berlin statt. Die Laudatio hält der Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Prof. Dr. Christoph Markschies. Über die Veranstaltung und die Teilnahme informiert der Deutsche Kulturrat unter: https://www.kulturrat.de/ 

Über Bénédicte Savoy

Prof. Dr. Bénédicte Savoy gehört zu den international renommiertesten Kunsthistoriker*innen. Die vielfach ausgezeichnete Professorin der TU Berlin, Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, erhielt unter anderem 2016 den höchstdotierten deutschen Forschungspreis, den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis. Damit konnte sie seitdem große Forschungsprojekte zur Provenienz von Kunstwerken anstoßen und durchführen sowie weitere Veröffentlichungen realisieren. Erst im Juni dieses Jahres war ihr der Große Deutsch-Französische Medienpreis 2022 verliehen worden, einer der wichtigsten Medienpreise in Europa. Das amerikanische Time Magazine zählte sie 2021 zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt. Als Expertin für „Translokationen“ von Kunstwerken untersuchte sie 2018 zusammen mit dem senegalesischen Wissenschaftler Prof. Dr. Felwine Sarr im Auftrag des französischen Staatpräsidenten Emmanuel Macron die Herkunft von Kunstschätzen aus den ehemaligen Kolonien sowie den europäischen Umgang mit diesen. Es entstand der sogenannte Restitutionsbericht „Rapport sur la restitution du patrimoine culturel africain. Vers une nouvelle éthique relationnelle“. Frankreich gab daraufhin als erster europäischer Staat 26 Objekte, darunter monumentale Statuen aus dem Königspalast von Abomey, an die Republik Benin zurück. Aufgrund dieser Forschungen und der von Bénédicte Savoy angestoßenen Debatten, unter anderem zur Konzeption des Humboldt-Forums in Berlin, traf auch Deutschland inzwischen Vereinbarungen zur Rückübereignung, insbesondere mit Nigeria.

Mehr über die Preisträgerin und ihre Forschung finden Sie hier (Auswahl):

Kontakt

Einrichtung Kunstgeschichte der Moderne mit dem Schwerpunkt Wissenskulturen/Institutionsgeschichte/Kunstgeschichte