Technische Universität Berlin
ENUnfortunately the webpage is not available in the language you have selected.

Medieninformation | 10. Juni 2021 | rb

Sicher unterwegs auf E-Scootern?!

Neue Studie untersucht Sicherheit von elektrischen Tretrollern für Nutzer*innen auf deutschen Straßen

Schnell, unkompliziert und möglichst klimaschonend bringen elektrische Tretroller ihre Nutzer*innen von A nach B. Ob diese neue Form der Mikromobilität aber sicher ist, zeigt nun eine aktuelle Studie der TU Berlin, welche die Ergonomie der Bremssysteme sowie das Wissen über geltende Verkehrsregeln und das Fahrverhalten von E-Scooter-Nutzer*innen in Berlin untersucht. Die Wissenschaftler vom Institut für Psychologie und Arbeitswissenschaft der TU Berlin kommen dabei zu äußerst kritischen Ergebnissen, was die sichere Verwendung von E-Scootern in Deutschland betrifft.

Gab es um die Zulassung von„Shared E-Scootern“ anfänglich viel Aufregung und Diskussion in Deutschland, sind die elektrischen Tretroller inzwischen ein gewohnter Anblick. Doch wie sicher sind die Roller für ihre Nutzer*innen und andere Teilnehmer*innen im Straßenverkehr? Antworten bietet eine aktuelle Studie von Dr. Felix Wilhelm Siebert vom Institut für Psychologie und Arbeitswissenschaft der TU Berlin und drei TU-Studierenden des Wirtschaftsingenieurwesens, Felix Englert, Michael Hoffknecht und Timothy Edwards. Felix Englert belegte mit seiner Bachelorarbeit zur Studie den 1. Platz des Förderpreises 2021 „Sicherheit im Straßenverkehr“ des Deutschen Verkehrssicherheitsrats.

Um das verkehrssicherheitsrelevante Wissen und Fahrverhalten von „shared E-Scooter“-Fahrer*innen untersuchen zu können, führten die Wissenschaftler im Herbst 2019 eine Beobachtungsstudie von E-Tretroller-Nutzer*innen an drei Orten in Berlin zusammen mit einer quantitativen Fragebogenerhebung durch. An der Warschauer Straße, am Potsdamer Platz und am Kurfürstendamm fand eine videobasierte Beobachtung statt, um das Verhalten der E-Scooter-Fahrer*innen auf der Straße zu erfassen. „Da die von der Europäischen Union erlassene Datenschutzgrundverordnung eine Reihe von Regeln und Einschränkungen für die Datenerhebung im öffentlichen Raum definiert, haben wir das Beobachtungskonzept in Zusammenarbeit mit dem Datenschutzbeauftragten der TU Berlin entwickelt“, erklärt Dr. Felix Wilhelm Siebert, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet für Arbeits-, Ingenieur- und Organisationspsychologie der TU Berlin: „Daten von den Rolleranbietern haben wir nicht verwendet.“ Zusammen mit Prof. Rötting vom Fachgebiet für Mensch-Maschine-Systeme der TU Berlin und Dr. Madlen Ringhand von der TU Dresden konzipierte und leitete er die Berliner Studie.

Ohne Helm, betrunken oder zu zweit unterwegs

Die Wissenschaftler beobachteten das Verhalten von knapp 3000 Tretroller-Fahrer*innen und befragten mehr als 150 Nutzende. Etwa sechs Prozent der beobachteten Fahrer*innen fuhren unerlaubterweise in falscher Richtung auf der Straße oder auf dem Radweg und rund drei Prozent standen, anders als zugelassen, zu zweit auf einem E-Roller. Die Beobachtungen ergaben zudem, dass nur 0,3 Prozent der Nutzenden einen Helm trug. Dies bestätigten 98 Prozent der Befragten, allerdings gaben 51 Prozent an, einen Helm zu verwenden, wenn dieser von der Verleihfirma zur Verfügung gestellt werden würde. 39 Prozent der Fahrer*innen gaben zu, E-Scooter schon unter Alkoholeinfluss genutzt zu haben, zudem war 35 Prozent von ihnen das geltende Alkohollimit für die Nutzung unbekannt. „Unsere Fragebogenerhebung hat einen kritischen Mangel an Wissen bei E-Scooter-Nutzer*innen ergeben“, erklärt Dr. Felix Wilhelm Siebert. Für die Wissenschaftler sind mehr öffentliche Aufklärungskampagnen in Verbindung mit einer besseren Informationsbereitstellung durch E-Scooter-Anbieter und öffentliche Organe über geltende Gesetze und Vorschriften notwendig, um das Wissen der Nutzer*innen über den sicheren Gebrauch von E-Scootern im Straßenverkehr zu erhöhen.

Verbesserungsbedarf bei den Bremssystemen

Jede*r zehnte Befragte erklärte, schon mal einen Unfall mit dem E-Tretroller gehabt zu haben und sich signifikant unsicherer als beim Radfahren zu fühlen. „Viele Nutzende verstehen die Bremssysteme nicht, zumal sie bei jedem Anbieter anders sind“, so Dr. Felix Wilhelm Siebert. Nur ein Drittel der Befragten konnte das Bremssystem des zuletzt genutzten Rollers korrekt identifizieren. Dabei wurde in Deutschland um die neue Form der Mikromobilität zu regeln, bereits eine Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV) erlassen, in der technische Anforderungen für E-Scooter sowie weitere regulatorische Grenzen festgelegt sind. „Manche Roller besitzen eine oder zwei Handbremsen, andere auch eine Fußbremse für das Hinterrad.“ Auf der Basis ihrer Auswertungen empfehlen die TU-Wissenschaftler eine Bremse am linken Lenker, wodurch die Bremskraft auf beide Räder verteilt wird. Zudem würde ein Blinker am Lenker zum Abbiegen zusätzlich für mehr Sicherheit sorgen.

Weiterführende Informationen

Kontakt

Dr.

Felix Wilhelm Siebert

felix.siebert@tu-berlin.de

Einrichtung Institut für Psychologie und Arbeitswissenschaft