Stilbruch

Vizepräsident Christian Schröder steht für eine offene, konstruktive Diskussionskultur. Es ist sein Weg, den Problemstau an der Universität pragmatisch zu lösen

Im Jahr der Jahrtausendwende beginnt Christian Schröder ein Studium an der TU Berlin, das er nach einem Semester wechselt, weil für ihn einige Fächer zu langweilig sind. 22 Jahre später ist er Vizepräsident für Studium und Lehre, Lehrkräftebildung und Weiterbildung an der TU Berlin. Dazwischen liegen ein Studium der Mathematik und Geschichte, ohne recht zu wissen, wohin ihn das beruflich führen soll, inklusive eines Semesters Elternzeit und intensiven Engagements in der Kommission für Lehre und Studium (LSK), die er ab 2007 auch im Akademischen Senat vertritt. Er arbeitet zuweilen mehr an der Entwicklung von Studiengängen, als zu studieren. Nach seinem Abschluss 2008 folgen Jahre als Wissenschaftlicher Mitarbeiter auf befristeten Stellen an der TU Berlin. 2008 übernimmt er auch den Vorsitz der LSK. 2012 schließlich wird er Projektleiter des Orientierungsstudiums MINTgrün und baut es mit T U-Kolleginnen und -Kollegen zum größten Programm seiner Art aus. Und nun ist er „VP2“.

Ob es ein verschlungener Weg war oder vielleicht doch ein zielgerichteter, liegt im Auge des Betrachters. „Ich hatte nicht geplant, Vizepräsident zu werden“, sagt Christian Schröder. Doch als er gefragt wird, macht er sich seine Stärken und Schwächen bewusst und kommt zu der Ansicht, Studium und Lehre intensiver weiter entwickeln zu wollen. „Eine meiner Stärken ist mein Pragmatismus. Eine andere, dass ich mich bis in den letzten Winkel eines Themas hineinwühle. Das ist allerdings mit der Schwäche verknüpft, ausschweifend zu werden. Diskussionen können schon mal länger dauern.“ Selbstironie ist ihm nicht fremd.

Sein stupendes Wissen zum Thema Studium und Lehre und seine tiefe Kenntnis der TU Berlin auf allen Ebenen machen ihn mit seinen gerade einmal 40 Jahren zum „alten Hasen“ in dem jungen Präsidium. Beides hat den Vorteil, dass er die Baustellen der Uni bestens kennt: SAP-Einführung, verspätete Einstellungen und Immatrikulationen, Zusammenarbeit zwischen den Fakultäten und der zentralen Universitätsverwaltung.

Christian Schröder ist überzeugt davon, dass eine Diskussionskultur, die mitunter lieber den Dissens pflegt, als den Konsens sucht, ein Grund dafür ist, dass an der Universität Aufgaben über Jahre ungelöst bleiben. Er will das ändern durch eine Diskussionskultur, die offen, konstruktiv, pragmatisch und konsequent ergebnisorientiert ist. Sein Charakter spielt ihm da in die Hände. Denn er ist eben kein „Ja, aber“-Mensch. Schon als Student war seine Devise: Wenn dir etwas nicht passt, engagiere dich!

Nun ist das Sommersemester zu stemmen. Für ihn steht es unter der Prämisse „Rückkehr zu Präsenz“, mit den Vorteilen von mobilem Forschen, Lehren und Arbeiten. „Ich sehe im Sommersemester eine Art Testballon, um herauszufinden, was sich an digitaler Lehre und digitalem Arbeiten bewährt hat und was nicht.“

Mit der Wahl zum Vizepräsidenten wechselt er von seinem großen Büro im E-Gebäude, das er sich mit einer „Ini“ deren Getränkelager und einer Couch teilt, in das kleinere Vizepräsidentenbüro im Hauptgebäude. Doch ein richtiger Umzug wird es nicht. Sein Büro im E-Gebäude wird ein Basislager bleiben. Er will den Kontakt zu den Studierenden halten. Denn was ihm Unbehagen bereitet, ist die Vorstellung, er könnte als „VP2“ nur noch einer von denen da oben sein.

Autorin: Sybille Nitsche