Externe Hilfe, Energiesparen und Sanierungsstau

Sommerinterview mit dem Kanzler der TU Berlin Lars Oeverdieck

Herr Oeverdieck, im ersten halben Jahr hat sich Einiges in der Zentralen Universitätsverwaltung getan. Wie ist der Stand in der Personalabteilung? Was gibt es hier Neues, wo kam man voran, wo hakt es noch?

Lars Oeverdieck: Es hat sich Einiges in den ersten sechs Monaten getan. Nachdem wir Anfang des Jahres mehrere Stellen für Mitsachbearbeiter*innen besetzen konnten, war jetzt die Ausschreibung für die Sachbearbeitungsebene sehr erfolgreich. Der Arbeitsbeginn der verschiedenen Personen wird sich noch bis in den Oktober ziehen und danach folgt die Einarbeitungszeit. Die ersten wichtigen Schritte sind damit gemacht, und das Team ist auf der Ebene Sachbearbeitung komplett. Das ist eine sehr gute Nachricht. Als nächstes folgt die Ausschreibung für Teamleitung und für Expert*innenpositionen. Parallel versuchen wir, die digitalen Prozesse voranzutreiben.

Welche sind das genau?

Der Antrag zum mobilen Arbeiten war da nur ein Beispiel. Weitere Prozesse sollen folgen. Dazu gehören die Einführung der digitalen Personalakte, des Document Composers, des Berufungsportals und des E-Recruitings, um nur einige aufzuzählen. Die doch größeren Abhängigkeiten zum bestehenden System und untereinander wie auch die noch notwendige Einarbeitung der neuen Mitarbeiter*innen führen aber sicher dazu, dass sich die Phase der Einführung der neuen Systeme noch bis ins nächste Jahr ziehen wird. Auch an den Aktenbergen, die uns massiv um die Jahreswende beschäftigt hatten, wird noch fleißig gearbeitet. Aber, wir kommen merklich voran.

Wann wird die Abteilungsleitung besetzt?

Zum 1. September 2022 wird Günter Karl seine Stelle als neuer Abteilungsleiter anfangen. Darauf freuen wir uns sehr. Das ist ebenfalls ein weiterer Baustein in der Verbesserung der Situation in der Personalabteilung.

Das Gebäude- und Dienstemanagement der TU Berlin bekommt Unterstützung von externen Firmen

Schauen wir in die andere große Abteilung: Für Gebäude- und Dienstemanagement wurden kürzlich zwei Firmen beauftragt, die die TU-Einheit unterstützen und weiterentwickeln sollen. Welche Firmen sind das, welchen Auftrag haben sie und was setzen sie als Erstes um?

Durch die sehr positive Zusammenarbeit mit einer externen Firma in der Personalabteilung ermutigt, haben wir auch für die Bauabteilung externe Unterstützung gesucht. Wir konnten die Firmen Rödl und Partner sowie rheform gewinnen. Die Unterstützung reicht von Fragen zur Betriebssicherheit der Gebäude, Betreiberverantwortung über die Unterstützung bis hin zur Hilfe bei externen Vergaben und Ausschreibungen. Die Mitarbeit oder Abnahme von Arbeit im Bereich Vertragsverhandlungen, Mietverträge und Ausarbeitung von Verwaltungsvereinbarungen mit der Senatsverwaltung wird damit geleistet. Die Firma rheform wird im Feld Überprüfung und Begutachtung der Gebäudesubstanz helfen. Auch dieser Vorgang muss weitergeführt werden. Durch die Beauftragung kann sich dann hoffentlich die Bauabteilung auf die wesentlichen Aufgaben der Bau- und Sanierungsplanung und deren Umsetzung konzentrieren. Hierfür schreiben wir in Kürze eine große Anzahl an Stellen aus. Alle Stellen sind mit Bau- und Fachtechnikbezug. Wir hoffen sehr, dass wir auch hier eine gute Besetzungsquote erzielen.

Der schlechte Zustand unserer Gebäude und der daraus folgende hohe Sanierungsbedarf beschäftigte im Frühsommer nicht nur die neue Universitätsleitung, sondern auch die Berliner Medien. Wie ist hier der Stand? Wie hoch ist der Sanierungsstau und welche Maßnahmen plant die TU Berlin?

Ganz eng mit der Bauabteilung schwingt immer das Thema Sanierungsstau von 2,4 Milliarden Euro allein für die TU Berlin und ihre 100 Gebäude. Wie gehen wir damit um? Einerseits melden wir verstärkt Gebäude für die Investitionsplanung des Landes Berlin an. Eigentlich war vom alten Berliner Senat geplant, dass wir einen sogenannten Baukorridor erhalten sollten, damit wir uns eben nicht aufgrund des großen Sanierungsstaus in die Schlange aller in Berlin einreihen müssen. Hier gibt es mittlerweile erste Signale von unserer Senatorin. Wir werden hoffentlich bald darüber ins Gespräch kommen. Jedoch: Das übliche Verfahren, dass man ein Gebäude alle zwei, drei Jahre über die sogenannte I-Planung finanziert bekommt, ist bei Weitem nicht ausreichend. Wir haben jetzt vier Gebäude angemeldet. Zwei werden wir wohl nicht genehmigt bekommen, aber bei den anderen beiden haben wir noch Hoffnung. Das Land muss begreifen, dass das aktuelle Tempo nicht das ist, was wir benötigen. Unser Sanierungsstau vergrößert sich fast stündlich. Wir weisen immer wieder durch öffentlichkeitswirksame Maßnahmen darauf hin, um den politischen Senat für unsere Situation zu sensibilisieren. Wir versuchen aber auch, selbst etwas zu unternehmen.

Welche Pläne hat die TU Berlin?

Wir haben 25 Millionen Euro zusammengetragen, um eine eigene Maßnahme durchzuführen. Das ist aber auch das Ende unserer Belastungsgrenze. Mehr geht nicht. Die Inflation und die steigenden Baukosten und Energiepreise sind da natürlich im Moment wenig hilfreich. Mit dem Geld wollen wir einen Modulbau auf dem Gelände der Seestraße errichten. Dieser Labormodulbau soll übergangsweise Laborteile des Gebäudes TC aufnehmen, der technischen Chemie, damit wir es sanieren können. Das ist auch eines der Gebäude, die wir in der I-Planung angemeldet haben. Wenn dann die Nutzer*innen zurück in das sanierte TC-Gebäude gezogen sind, ist hoffentlich zeitgleich auch die Sanierung des Altbaus in der Seestraße fertig, sodass folgend die Lebensmitteltechniker*innen und die Lebensmittelchemiker*innen sowohl in den sanierten Altbau als auch in den Modulbau umziehen können, wo sie dauerhaft verbleiben sollen.

Die Task Force Energie soll Maßnahmen identifizieren, mit denen die Universität Energie sparen kann

Ein weiteres großes Thema zeichnet sich bereits am Horizont ab. Ende Juli hat das Präsidium Sofortmaßnahmen und die Einsetzung einer Task Force Energie beschlossen. Sie leiten diese Task Force gemeinsam mit Vizepräsidentin Sophia Becker. Was steht unserer Universität ins Haus? Können Sie das Problem umreißen?

Die Energiekosten, die die TU Berlin hat, sind im Haushalt für dieses Jahr mit rund 18 Millionen Euro hinterlegt. Wir prognostizieren aber Kosten von ungefähr 24 Millionen. Das ist noch gerechnet auf der Basis von Preisen aus Ende letzten Jahres. Die Energieleitstelle teilt uns die Preise immer mit. Das bedeutet: Die Auswirkungen des Ukrainekriegs sind noch gar nicht eingepreist. Wir hoffen, dass das Land Berlin aus dem im Doppelhaushalt beschlossenen und hierfür vorgesehenen Topf auch den Universitäten Geld zur Verfügung stellt, um die Energiepreissteigerungen zu dämpfen. Das wird das Land aber sicherlich nur machen, wenn die Universitäten auch selber Maßnahmen ergreifen. Und deshalb versuchen wir mit unserer Task Force Energie herauszufinden, wo wir welche Energie sparen können. Das reicht vom Abschalten der Belüftung und Klimatisierung der Hörsäle in den Zeiten, wo sie nicht genutzt werden, der Nutzung weniger Hörsäle in der vorlesungsfreien Zeit, über das teilweise Abschalten von Beleuchtungen und das Absenken gegebenenfalls der Raumtemperatur auf das gesetzlich vorgeschriebene Maß. Und wir diskutieren auch eine Gebäudeschließung über Weihnachten und Neujahr. Also ein Herunterfahren der Heizung und Ausschalten der Beleuchtung in den zwei Wochen, in denen auch keine Lehrveranstaltungen stattfinden.

Ab Herbst 2022 sollen die Verhandlungen der Hochschulverträge begonnen werden

Kommen wir zu einem weiteren wichtigen Thema: Die nächsten Hochschulverträge müssen verhandelt werden. Wie ist der Stand, welche Zeitplanung hat der Senat angesetzt? Gibt es schon erste Gespräche oder Signale in Bezug auf dieses Thema?

Der Wunsch der Senatsverwaltung ist, im Herbst mit den Verhandlungen zu beginnen. Aus unserer Sicht ist das zeitlich okay. Im Senat wurden gerade erst die Verhandlungen zum Doppelhaushalt abgeschlossen und im Abgeordnetenhaus kurz vor der Sommerpause beschlossen. Wir haben jetzt die Mittelzuweisung für teilweise noch 2022 und dann eben 2023 erhalten. Und auf dieser Basis wird man für die fünf Jahre der folgenden Hochschulverträge verhandeln. Aber die gerade besprochenen Energiekosten werden sicherlich genauso eine Rolle spielen wie der Sanierungsstau. Beide Punkte müssen in den Gesprächen zu den Hochschulverträgen auf den Tisch. Und da muss der Senat sich positionieren.

Kürzlich hat das Abgeordnetenhaus die Novelle der Novelle des Berliner Hochschulgesetzes beschlossen. In der ersten Novelle war insbesondere der Paragraph 110 in der Öffentlichkeit und in den Universitäten heiß diskutiert. Welche Lösungen hat man hier gefunden?

Man hat erst einmal eine Übergangszeit eingeführt, was ganz wichtig ist. Man kann in so einem zentralen Punkt für eine Universität nicht von heute auf morgen den Schalter komplett umlegen. Wir haben nun bis Herbst nächsten Jahres Zeit, uns vorzubereiten und die geforderte Satzung zu erarbeiten. Wie genau die Ausgestaltung der Satzung sein wird, das wird sich noch zeigen. Es sind auch noch Diskussionen mit der Politik zu erwarten. Der Wunsch der Politik ist klar: mehr Dauerstellen. Das ist ja auch ein Ziel, was wir verfolgen und die Frage ist jetzt, wie wir das eben so gut wie möglich ausgestalten können – ohne große Verwerfungen und mit einem sauberen Übergang.

Vielen Dank!

Die Fragen stellte Stefanie Terp.