Begeisterung für Informatik wecken

TU-Mitarbeiter Stefan Hildebrand und TU-Alumna Carolin Neumann haben die „BYTE Challenge“ gegründet, um Schüler*innen Inhalte aus der Informatik lebendig zu vermitteln. Hierfür sind sie bereits mehrfach ausgezeichnet worden.

Die Zwangspause, die wir aufgrund der Corona-Pandemie fast alle einlegen mussten, hat den einen oder die andere zu neuen Projekten und Ideen motiviert. So war es auch bei TU-Alumna Carolin Neumann und Stefan Hildebrand, der heute als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Strukturmechanik und Strukturberechnung der TU Berlin arbeitet.

Als Corona ausbrach, studierten Carolin Neumann noch Informatik und Stefan Hildebrand Informationstechnik im Maschinenwesen an der TU Berlin. Im Homeoffice, als plötzlich alles digital ablaufen musste, fühlten sich beide verpflichtet, aktiv zu werden. „Wir haben gleich zu Beginn der Pandemie gesehen, dass unsere an der TU Berlin erworbenen Kenntnisse als Expert*innen in der Informatik im ganzen Land gebraucht werden. Nicht zuletzt auch aufgrund der Tatsache, dass meine Eltern beide Lehrer sind und ich hautnah miterlebt habe, mit welchen Problemen sie zu kämpfen hatten. Uns kam die Idee, Schulkinder nachhaltig für Themen rund um die Informatik zu motivieren“, erklärt Stefan Hildebrand. Carolin Neumann, die sich an einen Informatik-Wettbewerb aus ihrer eigenen Schulzeit erinnerte, von dem sie damals sehr begeistert war, schlug ein ähnliches Format vor, um die Kinder für das Thema zu begeistern.

Kurse können allein belegt oder in den Unterricht eingebunden werden

Also setzten die beiden fleißig und zügig innerhalb weniger Wochen die Idee in die Tat um und bauten die Plattform „BYTE Challenge“. Zielgruppe sind Schüler*innen der Klassenstufen fünf bis 13, aber auch deren Lehrer*innen, die die Kurse in ihren Unterricht integrieren können. In kurzen, selbst produzierten Videos werden unterschiedliche Themen der Informatik anschaulich und nachvollziehbar erklärt. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Anschließend gibt es Fragen, um die Kinder aktiv an dem Thema zu beteiligen. Wer viele Punkte, oder korrekter in diesem Zusammenhang „$BYTEs“, gesammelt hat, hat gute Aussichten auf einen Preis. Ganze Klassen oder Gruppen können sich ebenso beteiligen wie Einzelpersonen.

Um ihre Lern-Plattform bekannt zu machen, haben die beiden anfangs viele Verteiler unterschiedlicher Initiativen und auch der Gesellschaft für Informatik genutzt, um zunächst Schulen und Lehrer*innen zu erreichen. Mit Erfolg. Gleich im ersten Jahr gab es so viele Anmeldungen, dass sie sich schnell für eine Verstetigung des Formats und einen Ausbau des Angebots entschieden haben. Mittlerweile gibt es mehr als 100 kostenfreie Kurse in drei Sprachen, jährlich mehr als 1.000 Registrierungen und rund 70 Beauftragungen von Schulen. Auch thematisch ist das Portal breiter aufgestellt. Themen aus anderen MINT-Fächern können ebenfalls gelernt und „gequizzt“ werden. Einmal im Jahr gibt es zudem Vor-Ort-Workshops und auch im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften an der TU Berlin bietet das Team von BYTE Challenge-Kurse zur Programmierung an.

Schon mehrfach wurde das Projekt, das offiziell in der Gesellschaft für Informatik angesiedelt ist, mit Auszeichnungen geehrt und Stefan Hildebrand wurde für sein Engagement 2023 in die Forbes 30U30 DACH - Liste aufgenommen.

Positive Rückmeldung durch Schüler*innen und Schulen

Während Stefan Hildebrand seit 2021 an der TU Berlin am Fachgebiet für Strukturmechanik und Strukturberechnung arbeitet, hat Carolin Neumann mittlerweile einen Job außerhalb der Universität bei einem großen internationalen IT-Unternehmen. Hauptberuflich sind sie beide voll eingespannt, dennoch engagieren sie sich weiterhin neben ihrer Arbeit für die BYTE Challenge.

Möglich ist das nur mithilfe vieler ehrenamtlich tätiger Unterstützer*innen. Rund 100 Menschen, von Schüler*innen bis hin zu emeritierten Professor*innen engagieren sich in dem Projekt. Sie kümmern sich um Inhalte, um die Webseite, um Kontakte zu Schulen und anderen Initiativen, um die Pflege von Verteilern oder um die Social-Media-Kanäle.

„Sehr viel Arbeit macht auch die Suche nach Sponsor*innen. Die brauchen wir insbesondere für die Preise, die die Schüler*innen gewinnen können“, sagt Stefan Hildebrand. „Letztes Jahr haben wir die 16 aktivsten Schulen geehrt. Das ging nur, weil wir Unterstützer*innen hatten, die die Preise finanziert haben. Wir hoffen, dass dies in diesem Jahr wieder möglich sein wird.“

Trotz der vielen Arbeit macht das Engagement den beiden viel Spaß. „Wir bekommen sehr viel positive Rückmeldung von den Teilnehmer*innen und auch von den Schulen. Außerdem ist es toll zu sehen, was beispielsweise beim Programmierkurs entsteht, auf welche großartigen Ideen manche Kinder kommen. Und auch die Team-Arbeit mit allen, die für die BYTE Challenge arbeiten, ist unglaublich bereichernd. Unsere Team-Meetings sind sehr angenehmen und es fühlt sich an, als ob man sich mit Freund*innen trifft“, sagt Stefan Hildebrand und berichtet von einem ukrainischen Schüler: „Dieser hat sich bei uns engagiert und bei einem Workshop vor Kindern eines Berliner Gymnasiums einen Vortrag über neuronale Netze gehalten. Er hat dieses komplexe Thema bestens aufgearbeitet und hervorragend vorgetragen. Und das auch noch auf Deutsch, obwohl er erst einige Monate hier lebte. Die anderen Kinder waren begeistert. Ein Mädchen hat sich daraufhin ebenfalls bei uns gemeldet, um im Team mitzumachen. Man sieht hier, wie sich die Dinge bei uns ständig weiterentwickeln. Wir zünden einen Funken und es kommt viel Inspiration zurück“.

Unterstützer*innen immer Willkommen

Um weiterhin diesen Funken so erfolgreich zünden zu können, sucht das Team von der BYTE Challenge stets nach Unterstützer*innen – ganz gleich ob Schüler*in, Student*in, Alumni – beispielsweise in folgenden Bereichen: wissenschaftliche Begleitung, Evaluation und Publikationen, fachliche und didaktische Qualitätskontrolle der Inhalte, IT-Administration, Bearbeitung von Förderanträgen und Sponsoring, Zuteilung und Versand von Preisen, Übersetzungen (Englisch, Ukrainisch), Webdesign, Öffentlichkeitsarbeit, Repräsentation und Vertretung bei öffentlichen Veranstaltungen sowie an Schulen, Durchführung von Workshops, Ausbau der Inhalte (insbesondere zu den Themen Machine Learning und numerischer Mathematik); und natürlich sind Sponsor*innen ebenfalls immer willkommen.

 

Autorin: Bettina Klotz