Die Psychologie der Klimakrise

Viele betrachten den Klimawandel nicht als reale Bedrohung

Dass neue Modelle für unseren Lebensstil und dafür auch neue „role models“ gebraucht werden wie Künstler*innen, Dramaturg*innen, Musiker*innen und andere öffentliche Personen, darüber war man sich einig beim Climate Talk des Climate Change Center Berlin Brandenburg „Give the future a Chance“ am 5. November 2021.

Und dass Psychologie einen wesentlichen Beitrag leisten kann, Menschen zu neuem Lebensstil zu ermuntern und soziale Normen zu verändern, berichtete Prof. Dr. Elke Weber dem Publikum im Museum für Naturkunde. Sie präsentierte aktuelle Ergebnisse ihrer Forschungen in Princeton, wo sie derzeit untersucht, warum viele Menschen den Klimawandel noch nicht als reale Bedrohung betrachten. Diese könnten dazu beitragen, Vorurteile zu reduzieren, die für umweltverträgliche Entscheidungen schädlich sind.

„Psychologie, Ökonomie und andere soziale Wissenschaften spielen eine bedeutende Rolle bei der Untersuchung von Entscheidungen, die mit dem Verhalten der Umwelt gegenüber zusammenhängen. Das gilt für breitere, kollektive Haltungen, für individuelle und für politische Entscheidungen“, sagt die Psychologin, die an der renommierten US-Universität Energie und Umwelt, Psychologie und Öffentliche Angelegenheiten am Center for Policy Research on Energy and the Environment (C-PREE) erforscht. Das C-PREE ist einer der internationalen Partner aus Großbritannien, Frankreich, Kenia, Indien, Israel und eben den USA, die dem Climate Change Center ihre Unterstützung zugesichert haben.

Abbau von Barrieren für Verhaltensänderungen

Elke Weber ist eine anerkannte wissenschaftliche Beraterin der politischen Riege und wurde Anfang 2021 in die amerikanische National Academy of Science gewählt. Dieser Auszeichnung liegt insbesondere ihr einzigartiger Ansatz zugrunde, psychologische Prinzipien mit Verhaltensänderungen zu verbinden und deren Auswirkungen auf Umwelt- und Wirtschaftspolitik, Kommunikations-, Management- und Führungsmodelle aufzudecken. Unter anderem untersucht sie dabei die sozialen und psychologischen Barrieren, die der Dekarbonisierung, also der Reduzierung der CO2-Emissionen beziehungsweise des CO2-Gehalts der Atmosphäre, entgegenstehen. Eines ihrer jüngsten Forschungsprojekte zur CO2-Abscheidung und Speicherung, der sogenannten CCS-Technologie (Carbon capture and sequestration), hat in einer demografisch repräsentativen Stichprobe gezeigt, wie wenig bekannt CCS in der Bevölkerung ist. „Die Ergebnisse dieser beispielhaften Studie sind ein Signal“, so Elke Weber, „dass die vielversprechende Technologie stärker in die Bevölkerung hinein kommuniziert werden muss.“ Die Technologie, die einen wesentlichen Beitrag zum Null-Emissionsziel der USA bei den Treibhausgasen bis 2050 leiste, betrete jetzt den politischen Raum, aber in weiten Kreisen der amerikanischen Öffentlichkeit habe sie noch nicht annähernd die Anerkennung als Umwelttechnologie erfahren wie Sonnen- oder Windenergie.

Vielversprechende Strategien identifizieren

„Ein Verbot, neue Kohle- und Gaskraftwerke zu bauen, würde danach mehr Unterstützung finden als Subventionen der CCS-Technologie und damit einhergehende Steuererhöhungen, die eine unverminderte Stromerzeugung ermöglichen würden.“ Die öffentliche Unterstützung nehme mit steigenden Kosten für den CCS-Einsatz und sinkenden Anforderungen der Mindestentfernungen von Wohngebieten ab.

„Die Verhaltensforschung kann uns helfen, die vielversprechendsten Strategien für einen gesellschaftlichen Verhaltenswandel zu identifizieren“, sagt Elke Weber, „zum Beispiel die Nutzung des sozialen Einflusses oder das standardmäßige Treffen nachhaltiger Entscheidungen.“ 

Weiterführende Informationen unter https://cpree.princeton.edu/.

 

Autorin: Patricia Pätzold

Publikation

Der Artikel ist ursprünglich in der Dezemberausgabe der Hochschulzeitung „TU intern“ erschienen. Zur Gesamtausgabe (e-Paper)