Internationale Forschung zur Pandemie-Prävention

17 Doktorand*innen und Masterstudent*innen zu Gast am Deutsch-Westafrikanischen Zentrum für globale Gesundheit und Pandemie-Prävention in Berlin

Fortress Yayra Aku beschäftigt sich in ihrer Dissertation mit der Verbesserung der Erkennung von Tuberkulose-Fällen in Ghana. Hauptsächlich arbeitet sie dazu an der Kwame Nkrumah University of Science and Technology (KNUST) in Kumasi, Ghana. Zwischenzeitlich jedoch forschte sie an der TU Berlin, genauer gesagt am Fachgebiet Management im Gesundheitswesen. Sie gehört zu einer Gruppe von insgesamt 17 Doktorand*innen und Masterstudent*innen, die Anfang September 2023 für einen dreimonatigen Forschungsaufenthalt an der TU Berlin beziehungsweise an der Universitätsmedizin Charité zu Gast waren. Sie alle sind Stipendiat*innen des „German-West African Centre for Global Health and Pandemic Prevention” (G-WAC), einem vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) geförderten Globalen Zentrum, das 2021 seine Arbeit aufgenommen hat. Essetzt sich mit der existenziellen Bedrohung von globalen Pandemien für die Gesundheitssysteme und das Wohlergehen von Menschen auseinander und verfolgt dabei einen sogenannten „One Health Ansatz“, der menschliche und tierische Gesundheit sowie Umweltbedingungen einbezieht.

Angesiedelt ist G-WAC am College of Health Sciences der KNUST in Kumasi, Ghana. Konsortialpartner sind neben der TU Berlin, die auch die Koordination des Zentrums inne hat, die Charité - Universitätsmedizin Berlin und die Universität Bonn. Weitere Kooperationspartner sind u.a. das Robert Koch-Institut, die Weltgesundheitsorganisation, Freie Universität Berlin, London School of Hygiene and Tropical Medicine und das Africa Center for Disease Control.

G-WAC-Projektleiter an der TU Berlin ist Prof. apl. Dr. med. Wilm Quentin am Fachgebiet Management im Gesundheitswesen (Prof. Dr. med. Reinhard Busse). Er ist zugleich der Betreuer von Fortress Doktorarbeit auf deutscher Seite. Insgesamt betreut er fünf Doktoranden in dem Projekt.

Spezifische Expertise und unterschiedliche Perspektiven

„G-WAC ist ein tolles Projekt, weil daran sehr viele hochkarätige Wissenschaftler*innen beteiligt sind, die ihre spezifische Expertise und unterschiedliche Perspektiven in die gemeinsame Forschung einbringen. G-WAC kann dazu beitragen, dass Ghana und Westafrika besser auf die nächste Pandemie vorbereitet sind. Es gibt immer noch viele Wissenslücken, wie die Pandemie in Ghana und anderen afrikanischen Ländern tatsächlich verlaufen ist: Wie viele Infektionen und Todesfälle gab es wirklich? Wie hat sich die Pandemie auf die Gesundheitsversorgung ausgewirkt? Wie können digitale Tools bei der Früherkennung von Pandemien unterstützen? Eine große Herausforderung bei der Beantwortung dieser Fragen ist die relativ schlechte Datenlage. Es gibt nur wenige Routinedaten, so dass aufwendig neue Daten erhoben werden müssen. Auch ist die Zusammenarbeit mit Wissenschaftler*innen aus ganz unterschiedlichen Fachdisziplinen recht zeitaufwändig, da zunächst ein gemeinsames Verständnis entstehen muss“, sagt Wilm Quentin.

Präsentation der Arbeiten beim World Health Summit 2023

Auch Jonathan Mawutor Gmanyami ist einer der Doktoranden, die von Wilm Quentin betreut werden und auch er gehört zu der Gruppe der ghanaischen Gastwissenschaftler*innen, die 2023 für drei Monate in Berlin gewesen sind. Er beschäftigt sich mit dem Thema der Übersterblichkeit während der COVID-19-Pandemie in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Es war bereits sein zweiter Aufenthalt in Berlin im Rahmen des Programms. „Für mich ist die Teilnahme eine großartige Chance für meine wissenschaftliche Arbeit. Es ermöglicht mir den Austausch mit internationalen Wissenschaftler*innen. Und auch, dass die Doktorarbeit sowohl in Ghana als auch in Berlin betreut wird, empfinde ich als absolute Bereicherung“, sagt Jonathan Mawutor Gmanyami.

Auch für Fortress Yayra Aku ist es bereits der zweite Aufenthalt in Berlin gewesen. „Ich habe meine Zeit in Berlin hauptsächlich dafür genutzt, gemeinsam mit Prof. Wilm Quentin eine Studie im Bereich der Tuberkulose-Forschung weiterzuführen“, sagt sie.

Außerdem waren beide zu Gast beim World Health Summit in Berlin und präsentierten ihre Arbeit im Rahmen einer Postersession. Dort konnten sie Ihre Ergebnisse unter anderem dem Direktor des WHO Hubs for Pandemic and Epidemic Intelligence vorstellen.

„Die Doktorand*innen in G-WAC werden im nächsten Jahr vor allem mit der Datenerhebung beschäftigt sein. Im Anschluss erwarten wir sie wieder in Berlin. Außerdem gehen wir davon aus, dass einige von Ihnen bereits Ende nächsten Jahres bei einem Policy Dialogue mit Entscheidungsträger*innen aus sieben Westafrikanischen Ländern ihre Forschungsergebnisse vorstellen können“ beschreibt Wilm Quentin die nächsten Schritte im Projekt.

Fortress Yayra Aku absolvierte ihr Grundstudium in medizinischer Labortechnik und studierte später im Master Angewandte Epidemiologie und Krankheitsbekämpfung an der Universität von Ghana. Sie ist Fakultätsmitglied an der Fred Binka School of Public Health an der University of Health and Allied Sciences, Ghana.

Fortress Yayra Aku gehört zum ersten Jahrgang von G-WAC-Stipendiaten, die 2022 an der Kwame Nkrumah University of Science and Technology immatrikuliert wurden, wo sie im Bereich Public Health promoviert. Im Rahmen von G-WAC ist sie Teil der Forschungsgruppe für digitale Gesundheit und konzentriert sich im Rahmen ihrer Promotion auf die Verbesserung der Früherkennung von Tuberkulosefällen in Ghana. Dabei testet sie einen mobilen Gesundheitsdienst zur Erkennung von Tuberkulosefällen. Im Fokus steht ein mobiles interaktives Sprachdialogsystem (mIVRS), das von Gesundheitshelfer*innen in den Gemeinden eingesetzt wird.

Jonathan Mawutor Gmanyami hat zunächst Enviromental Health studiert und anschließend einen Master im Fach Angewandte Epidemiologie absolviert. Er arbeitete als Lehrassistent an der School of Public Health der University of Health and Allied Sciences (UHAS) und später als Forschungsassistent am Institute of Health Research der UHAS in Ghana. Seit 2021 ist er als Feld- und Call-Center-Betreuer bei der Global Health and Infectious Diseases Research Group am Kumasi Centre for Collaborative Research in Tropical Medicine (KCCR) tätig.

Im Rahmen seiner Dissertation erstellt er einen systematischen Überblick über die veröffentlichte Literatur zur Übersterblichkeit in Zusammenhang der Covid-19-Pandemie in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen und möchte somit zu einem besseren Verständnis der Auswirkungen der Pandemie auf die Sterblichkeit, beitragen.