Technische Universität Berlin

Spielend Programmieren lernen

Das TU-Start-up codary bietet Programmierkurse für Teenager an

In Deutschland müssen Schüler*innen allerlei Zeichen und Sprachen lernen, die sie ihr gesamtes Leben begleiten. Sie erlernen Buchstaben, Zahlen, Fremdsprachen und alle lernen im Musikunterricht sogar die Noten, auch wenn letztere bei vielen nicht zum Lebensbegleiter werden. Die Sprachen hinter jeder digitalen Anwendung, lernen die meisten jedoch nicht in der Schule, obwohl auch diese zu unseren täglichen Begleiterinnen geworden sind: Programmiersprachen. Nur wenige Bundesländer haben Informatik bisher als verpflichtendes Schulfach eingeführt. „Schüler*innen, die Programmieren lernen wollen, finden oft kein Angebot in der Schule. Diejenigen, die es wirklich interessiert, müssen es sich in diesem Fall selbst beibringen. Auch uns hat das Angebot in der Schule gefehlt und wir haben es uns selbst beibringen müssen. Das wollten wir ändern“, sagt TU-Alumna Antonia Schein, die gemeinsam mit Amanda Maiwald, ebenfalls TU-Alumna, und Nikolaj Bewer das Start-up codary gegründet hat, um genau diese Angebotslücke zu schließen. Das Ziel der drei Gründer*innen ist es, Kindern und Jugendlichen das Programmieren beizubringen.

Digitale Programmierkurse per Videochat

„Wir bieten digitale Programmierkurse per Videochat an. Und damit das möglichst spielerisch abläuft, haben wir uns entschieden, das Programmier-Angebot entlang des Computer-Spiels Minecraft zu entwickeln. Das kennen einfach alle Jugendlichen. In Zukunft bieten wir auch Kurse zur App-Entwicklung oder mit Lego-Robotern an“, erklärt Antonia Schein. In einem 12-wöchigem Kurs beispielsweise lernen die Jugendlichen, meist im Alter zwischen 12 und 18 Jahren, die Programmiersprache „Python“, die nach Angaben des codary-Teams sehr beliebt und einfach zu lernen sei und zudem Anwendung in vielen verschiedenen Bereichen wie der Datenanalyse oder im Machine Learning fände. „Bei uns lernen die Jugendlichen, wie man in Minecraft komplexe Objekte bauen oder eigene kleine Minecraft-Spiele kreieren kann“, so Antonia Schein. „Unsere Teilnehmer*innen wohnen in ganz Deutschland, einmal in der Woche werden sie von erfahrenen Coaches in Gruppen von maximal 10 Teilnehmenden digital unterrichtet. Der Altersunterschied ist dabei gar kein Problem. Sie lernen ja gemeinsam eine Sprache und Zwölfjährige haben hierfür ein ebenso gutes Verständnis wie ältere. Vorkenntnisse brauchen sie nicht.“  

Mit „Python“ Soziale Medien analysieren

In einem anderen Kurs stehen die gängigen Social-Media-Kanäle im Fokus. Hier lernen die Schüler*innen ebenfalls mit der Programmiersprache „Python“ wie man auf Soziale Medien, dazu gehören Instagram und Twitter, zugreift und diese Daten analysiert. Die Kinder erfahren, wie sich Bilder, Likes oder Tweets von den Websites extrahieren lassen und was man mit diesen Daten machen kann. Und es geht auch um die Auseinandersetzung mit kritischen Themen wie Datenschutz, die Privatsphäre und um die Geschäftsmodelle dieser Plattform-Anbieter.

„Der Markt für das Erlernen von Programmier-Sprachen ist noch sehr übersichtlich. Viele findet auf Englisch statt und es gibt einige non-profit-Angebote. Das sind oft Workshops, die einmalig irgendwo stattfinden und bei denen dann die Regelmäßigkeit fehlt“, so Antonia Schein. „Momentan werben wir auf allen möglichen Kanälen für unsere Kurse. Wichtig ist aber, dass wir nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern von unserem Angebot überzeugen! Uns kommt ein wenig zu Gute, dass wir alle im vergangenen Jahr viele Online-Meetings hatten. Es ist normal geworden, dass man sich digital austauscht und digital lernt. Unser Lehrformat ist somit nicht mehr so unbekannt, wie es vor einem Jahr gewesen wäre“, vermutet die codary-Gründerin.

Förderung durch das Berliner Startup-Stipendium

Gestartet ist das codary-Team im Oktober 2020. „Wir haben uns für ein Berliner Startup-Stipendium beworben. Als wir die Zusage für die Förderung bekamen, ging alles sehr schnell. Wir haben alle unsere Jobs, die wir bisher hatten, aufgegeben und uns an die Arbeit gemacht“, sagt Antonia Schein. Beim Berliner Startup-Stipendium gibt es pro Gründer*in eine Förderung in Höhe vom 2.000 Euro pro Monat für maximal ein Jahr. Gefördert werden hier Erfolg versprechende Gründungsvorhaben mit einem technologiebasierten Gründungskonzept. Unterstützt wird das Team durch das Centre for Entrepreneurship der TU Berlin. Dort bekommen die Gründer*innen nicht nur regelmäßige Trainings und Coachings, darüber hinaus haben sie ihr Büro im Co-Workingspace EINS der TU Berlin am Ernst-Reuter-Platz.

Auch einen Wettbewerbserfolg können die drei bereits verbuchen: Für ihre Geschäftsidee wurde das Team erst kürzlich mit dem ersten Platz in der ersten Runde des Business-Plan-Wettbewerbs Berlin Brandenburg in der Kategorie „BPW Plan“ ausgezeichnet.