Technische Universität Berlin

Das „alte“ Mathematikgebäude als Pilot für praxisorientierte Lehre

Die TU Berlin gestaltet den geplanten Umbau ihres „alten“ Mathegebäudes als transdisziplinären Prozess

Erste Entwürfe und Ideen aus den Fakultäten III Prozesswissenschaften, V Verkehrs- und Maschinensysteme sowie VI Planen Bauen Umwelt der TU Berlin, die ein sozial und ökologisch nachhaltiges Campusleben unterstützen, wurden im Februar 2021 vorgestellt.

Der blau-rote Hybrid aus Glashaus und hohem Fabrikgebäude zieht neugierige Blicke auf sich: das Mathegebäude der TU Berlin an der Straße des 17. Juni direkt gegenüber vom Hauptgebäude. 1967 war der Entwurf fertiggestellt, 1976 begannen die Bauarbeiten nach den Plänen der Architekten Georg Kohlmaier und Barna von Sartory. 1982 war das Bauwerk fertiggestellt. Im Inneren fallen die bewusst offen gelegten Leitungen, die markanten Lüftungsrohre des großen Hörsaals, die Trennwände aus Sichtbeton und das Farbleitsystem mit den Grundfarben Blau, Gelb und Rot auf. Technische Einbauten zeigen sich in Blau, die freistehenden Treppen im Foyer leuchten tiefrot. Die Treppenführung wirkt wie ein Labyrinth: Die Haupttreppen verbinden alle Stockwerke miteinander, andere Treppen hingegen führen nur zu bestimmten Etagen.

„Mitte der 2010er Jahre machte sich beim jetzigen Mathegebäude das Alter der Baumaterialien bemerkbar. Es zeigten sich zunehmend Mängel“, erklärt Lars Oeverdieck, Kanzler (m.d.W.d.G.b.) an der TU Berlin. „Auf dem Ostgelände der TU Berlin entsteht ein neues Mathematik-Gebäude, das an die aktuellen Bedarfe angepasst ist.“ Nachhaltigkeit ist für die TU Berlin wichtig. „Deshalb ist uns ein überzeugendes Konzept für die zukünftige Nutzung des Gebäudes an der Straße des 17. Juni wichtig.“

Nachhaltigkeit in allen Prozessen mitdenken

Ziel ist, dass das Gebäude möglichst schnell saniert und wieder in Betrieb genommen wird. Die TU Berlin initiierte im Oktober 2020 einen Dialog- und Konsultationsprozess, in dem Modernisierungsoptionen erörtert werden. Prof. Dr.-Ing. Christine Ahrend, Vizepräsidentin für Forschung, Berufungsstrategie und Transfer an der TU Berlin, freut sich: „Student*innen, Dozent*innen und außeruniversitäre Partnerinstitutionen diskutieren und entwickeln fächerübergreifend Ideen zur Modernisierung und innovativen Gestaltung. An unserer Universität sind ein reichhaltiges Fachwissen und Kreativität für konstruktives Design und klimaadaptive Architektur vorhanden.“

„Den Umbau des Mathegebäudes möchten wir mit einem Pilotprojekt für praxisorientierte Lehrveranstaltungen begleiten. Dabei suchen wir aktiv den Austausch mit der Charlottenburger Gesellschaft. Wir möchten Berliner*innen in die TU Berlin reinholen und unsere Universität stärker in die Gesellschaft hineintragen“, unterstreicht Prof. Dr. Hans-Ulrich Heiß, Vizepräsident für Lehre, Digitalisierung und Nachhaltigkeit der TU Berlin. Er spricht sich außerdem für „Sustainability by Design“ aus: „Wir sollten Nachhaltigkeit in allen Prozessen mitdenken, nicht nur als ad-on daraufsetzen. Wenn es gut läuft, eignet sich der Umbau des alten Mathematikgebäudes als klimafreundliches Vorbild für Sanierungspläne, die in naher und ferner Zukunft anstehen.“

Fit für die Zukunft

Im Oktober 2020 nahmen unter anderem Vertreter*innen des Natural Building Lab und des Fachgebiets Vegetationstechnik und Pflanzenverwendung an einer gemeinsamen Begehung des Mathematikgebäudes teil. Anfang Dezember 2020 und Mitte Februar 2021 fanden Kolloquien zur Zukunft des Mathematikgebäudes statt, Ende April oder Anfang Mai ist ein weiteres geplant. Eine Pop-Up-Ausstellung soll Ende 2021 den Charlottenburger*innen und weiteren interessierten Berliner*innen die bisherigen Ergebnisse präsentieren.

„Es geht uns auch darum, einen emissionsarmen Umbau des Bestands zu erreichen. Gleichzeitig sollen Arbeitswelten von morgen mitbedacht werden, damit wir das Gebäude am Ende fit für die Zukunft gemacht haben“, sagt Dr. Thorsten Philipp, Referent Transdisziplinäre Lehre im Präsidium der TU Berlin.

Modelle für begrünte, gesundheitsförderliche Lernlandschaften mit erneuerbaren Energien

Dozent*innen und Student*innen haben Entwürfe entwickelt, die sie Mitte Februar im Kolloquium vorstellten. Prof. Dr. Norbert Kühn und Daniela Corduan, Fachgebiet Vegetationstechnik und Pflanzenverwendung, Fakultät VI Planen Bauen Umwelt, dachten über grüne Utopien für das Mathegebäude nach: Wie lassen sich Vegetation und Technik verzahnen? Was ist denkbar? Was ist machbar? Pflanzen sollen nicht zur Verschönerung genutzt werden, sondern konzeptionell mitgedacht werden. Zum Beispiel als Treffpunkt von Menschen, Pflanzen und Insekten auf dem Dach. Prof. Claus Steffan und Marta Carrero Gras, Fachgebiet für Gebäudetechnik und Entwerfen, Institut für Architektur, Fakultät VI Planen Bauen Umwelt, präsentierten ihre Idee der „Mathemorphosis“ für einen CO2-freien Campus. Sie stellten unterschiedliche Ansätze vor, die auch Barrierefreiheit berücksichtigten, zum Beispiel mit einer begrünten Rampe in einer Art Gewächshaus.

Selina Schlez und Magdalena Böttcher von der Masterthesis-Klasse des Natural Building Lab (NLB), Institut für Architektur, Fakultät VI Planen Bauen Umwelt, orientierten ihre Ideen an den Grundsätzen einer postfossilen, ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit, die soziale Verantwortung einschließt. Student*innen des Natural Building Lab luden Ende Januar 2021 auch Georg Kohlmaier, den Architekten des Mathegebäudes, zu einem Erfahrungsaustausch ein. Dipl.-Ing. Susanne Lutz, Fachgebiet Integrierte Verkehrsplanung, Fakultät V Verkehrs- und Maschinensysteme, setzte sich vor allem dafür ein, dass die Ottawa-Charta der Vereinten Nationen zur Gesundheitsförderung und die Okanagan Charta für ein ganzheitliches Gesundheitskonzept an Hochschulen beachtet werden. Wie lassen sich zum Beispiel vorhandene Strukturen für eine nachhaltige Mobilität nutzen? Oder lässt sich Urban Gardening auf dem Campus realisieren?

Die Spannung wächst, wie das Gebäude in Zukunft aussehen könnte.

 

Autorin: Christina Camier

Weiterführende Informationen

Eine Dokumentation des Konsultationsprozesses soll auf der Website Transdisziplinäre Lehre der TU Berlin bereitgestellt werden.

Kontakt

Dr.

Thorsten Philipp

Referent Transdisziplinäre Lehre

thorsten.philipp@tu-berlin.de

+49 (0)30 314-29835

Einrichtung Büro des Vizepräsidenten für Lehre, Digitalisierung und Nachhaltigkeit