Technische Universität Berlin

Motiviert, engagiert, gut und – preiswürdig

Der jährlich verliehene Erwin-Stephan-Preis zeichnet leistungsstarke Studierende aus. Auch 2020 freuten sich wieder zwei TU-Absolventen über die Anerkennung und ein Preisgeld

Ohne Motivation geht es nicht. Wer den Erwin-Stephan-Preis erhalten möchte, muss überdurchschnittliche Abschlussnoten und eine kurze Studiendauer vorweisen können. Hier kommen zwei Studierende zu Wort, die genau das geschafft haben – sie waren schnell und gut und konnten sich in diesem Jahr über die Auszeichnung freuen. Ardit Dvorani erhielt 2500 Euro Preisgeld für seinen Masterabschluss, Maximilian Ringleb konnte sich über 3000 Euro Preisgeld freuen – er erhielt jeweils 1500 Euro pro Bachelorabschluss. Ein Novum in der Geschichte des Preises.

Das erste Mal wird Dvorani 2018 ausgezeichnet

Ardit Dvorani kam 2014 zum Studium aus Albanien an die TU Berlin. Eine gute Entscheidung, findet er, denn hier konnte er seine Leidenschaft für Technik, die er schon als Kind hatte, in profundes Wissen umsetzen. „Ich war schon immer ein guter Schüler“, sagt er. „Doch meine Motivation weiterzukommen, hat erst an der TU Berlin so richtig Fahrt aufgenommen.“

Seinen Bachelor machte er 2017 in Informationstechnik im Maschinenwesen (Computational Engineering Science). Weil er den sechssemestrigen Studiengang in fünf Semestern abschließen konnte und obendrauf noch mit einem guten Notendurchschnitt, erhielt er 2018 das erste Mal den mit 1500 Euro dotierten Erwin-Stephan-Preis. „Das war eine große Anerkennung für mich“, sagt er. Er war noch nicht lange in Berlin und hatte erst während des einjährigen Studienkollegs, um die Hochschulzugangsberechtigung zu erhalten, Deutsch gelernt.

2020 war es dann wieder so weit. Seinen Master in „Computational Engineering Sciences“ machte er mit der Note 1,1 – so wurde er ein weiteres Mal mit dem Erwin-Stephan-Preis ausgezeichnet. Der Preis ist zweckgebunden, das Preisgeld soll die Absolvent*innen bei einem Auslandsaufenthalt im Zusammenhang mit Forschung, Lehre oder Weiterbildung unterstützen. Ardit Dvorani möchte es dazu verwenden, um an internationalen Konferenzen und Workshops teilzunehmen. „Der Erwin-Stephan-Preis ist für mich sowohl eine Anerkennung meiner Arbeit während des Studium als auch eine Motivation für meine derzeitige Arbeit“, sagt er.

Promotion zum Wohle der Menschen

© Tobias Rosenberg

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Zurzeit promoviert Ardit Dvorani. Während seiner Industriepromotion ist er bei der SensorStim Neurotechnology GmbH beschäftigt, sein Doktorvater ist Professor Jörg Raisch vom Fachgebiet Regelsysteme. Ziel seiner Promotion ist, durch externe Stimuli dem „Freezing of Gait“, also gangstörenden Symptomen bei an Parkinson Erkrankten, entgegenzuwirken. Damit könne er die Lebensqualität der Patient*innen verbessern, sagt er. „Ich bin sehr stolz darauf, dass ich mein Wissen, das ich an der TU Berlin erworben habe, zum Wohle von Menschen einsetzen kann.“

Auf seine Studienzeit blickt er gerne zurück – obwohl sie sehr arbeitsintensiv war. Neben seinem Studium hatte er einen Nebenjob, während der Semesterferien absolvierte er Betriebspraktika. Dennoch konnte er wertvolle Freundschaften schließen, die bis heute anhalten. „Die schönste Erinnerung jedoch ist, dass ich erleben konnte, wie Sachen, die ich selbst entwickelt habe, funktionierten.“ Wie zum Beispiel dabei zu sein, als ein Roboter genau die Aufgabe erledigte, für die er ihn selbst programmiert hatte. „Mein Berufswunsch ist, zu entwickeln und zu forschen und das kann ich gerade bei meiner derzeitigen Arbeit tun“, sagt er. Was dann kommt? Wer weiß – vielleicht ein weiterer Preis für eine besonders gute Doktorarbeit?

Der erste Doppel-Preisträger der Geschichte

Der zweite Preisträger ist Maximilian Ringleb. Er bewarb sich gleich mit zwei Bachelorabschlüssen. Er studierte parallel Nachhaltiges Management und Volkswirtschaftslehre, die er in jeweils fünf Fachsemestern absolvierte – und die er beide mit der Bestnote 1,0 abschloss. Er ist der erste Doppelpreisträger des Erwin-Stephan-Preises innerhalb eines Vergabezeitraums.

„Der Preis ist für mich natürlich eine große Ehre und rundet meine Zeit an der TU Berlin ganzheitlich ab“, sagt Maximilian Ringleb, der mittlerweile bereits seinen ersten Master in „Global Thought“ an der Columbia Universität in New York gemacht hat und zurzeit in Großbritannien an der Cambridge Universität auf seinen zweiten Masterabschluss – dieses Mal in Ideengeschichte – hinarbeitet.

Eine starke Erinnerung

Er kann sich noch sehr gut an seinen ersten Orientierungstag an der TU Berlin im Audimax erinnern, allein unter Hunderten von Erstsemestern. „Das wirkte damals alles sehr anregend, aber auch einschüchternd auf mich“, erzählt er. In Erinnerung ist ihm der damalige Erwin-Stephan-Preisträger geblieben, der damals auf der Bühne des Erstsemestertages stand. „Ich war sehr beeindruckt von seiner Rede vor so vielen neugierigen Studierenden.“ Er sprach davon, dass er nun nach China ginge, zu Volkswagen. Es hinterließ in dem jungen Studenten, der erst am Anfang seiner Uni-Laufbahn stand, ein „mitreißendes Gefühl, mitten unter hunderten Neuankömmlingen diesen einen Vertreter der Abschlussklasse zu sehen, wie er von den Professoren beglückwünscht wurde und sich nun in die Ferne aufmachen wollte“.

Sobald Maximilian Ringleb seine Bachelor-Abschlüsse in der Tasche hatte, bewarb auch er sich auf den Erwin-Stephan-Preis. Ein formloses Anschreiben, das neben der Angabe der Matrikelnummer einen tabellarischen Lebenslauf sowie Zeugniskopien des Abschlusses enthielt, reichten aus. Die Begründung, wozu er das Preisgeld verwenden möchte, lag auf der Hand – es sollte eine Finanzspritze für sein Masterstudium an der University of Cambridge sein – in Vorbereitung auf eine Promotion.

Auf dem Weg zum zweiten Bachelor-Abschluss

Wie kommt man überhaupt auf die Idee, zwei Bachelorabschlüsse zu machen? „Bewusst hatte ich mich nicht dafür entschieden“, sagt Ringleb. Er studierte zunächst an der TU Berlin regulär Nachhaltiges Management und belegte aus Interesse schon gleichzeitig Zusatzmodule in Volkswirtschaftslehre. Die Entscheidung, seinen Bachelor dann auch in VWL zu machen, fiel erst später. Der Student hatte sich schon Anfang 2019 – kurz vor seiner Bachelor-Prüfung im Studiengang „Nachhaltiges Management“ – erfolgreich für einen Master an der Columbia Universität in New York beworben, der erst zum Wintersemester 19/20 losging. Mit seiner Studiengangsfachberaterin ging er verschiedene Optionen durch. „Da haben wir gemerkt, dass ich doch die Zusatzmodule noch in einen weiteren Abschluss einbringen könnte.“ Tolle Idee, fand er. „Mich hat dann vor allem die Möglichkeit motiviert, aus diesen ganzen losen Zusatzmodulen, die ich hatte, noch eine schöne Form in Gestalt des zweiten Abschlusses herzustellen.“

Er verschob also seine Bachelorarbeit, belegte noch die fehlenden Kurse für den VWL-Bachelor und studierte über das Studienjahr 2019/20 parallel. Dann machte er den Bachelor im Studiengang „Nachhaltiges Management“. „Meine letzte Seminararbeit für den VWL-Abschluss habe ich Ende August eingereicht – da war ich tatsächlich schon seit einer Woche in New York, und das dortige Masterprogramm ging in der Woche drauf los“, erzählt er. „Davor habe ich eigentlich ganz unbewusst zwei Bachelor studiert, einen offiziell, den anderen als „Ausgleich.“

Mit Stolz in die Zukunft

Dafür nun mit dem Preis ausgezeichnet worden zu sein, freut ihn besonders. „Nun in einer Reihe mit dem unbekannten Vorbild zu stehen, das mir am allerersten Tag meiner Formungsjahre an der TU Berlin begegnete, hat für mich eine tiefere persönliche Dimension“, sagt er. Zwar konnte er den Preis durch die Corona-Regulationen nicht persönlich entgegennehmen. „Doch innerlich weiß ich darum, dass auch ich durch diesen Preis von meinen Professor*innen an der TU Berlin mit stolzer Erwartung in die Ferne entlassen wurde.“

Über den Erwin-Stephan-Preis

Der Erwin-Stephan-Preis wird bereits seit 1991 ein- bis zweimal im Jahr an eine variierende Anzahl an Absolvent*innen der TU Berlin vergeben. Er honoriert überdurchschnittliche Abschlussnoten und eine kurze Studiendauer. Bachelorabsolvent*innen erhalten 1500 Euro, Masterabsolvent*innen 2500 Euro Preisgeld. Verliehen wird der Preis von der „Helene und Erwin Stephan-Stiftung“, die von der TU Berlin gegründet wurde, nachdem Helene Stephan, einem Wunsch ihres verstorbenen Mannes Erwin entsprechend, 1988 die Hälfte ihres Wertpapierbesitzes der Hochschule vererbt hatte.