Technische Universität Berlin

Positive Energie an die Uni bringen

Studierende haben den Verein Solar Powers gegründet. Sie beliefern die Technische Universität Berlin mit Naturstrom

Die Universitätsbibliothek erstrahlt nachhaltig. Denn dank der Power einer Gruppe von zehn Studierenden aus einem interdisziplinären Energieseminar, die den Verein Solar Powers gegründet haben, befindet sich seit 2016 auf dem Dach der Zentralbibliothek eine 30 kWp Photovoltaik (PV)-Anlage, die die oberen beiden Geschosse des Gebäudes mit Strom versorgt. Andrea Ruiz, Masterstudentin im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen Energie und Ressourcen, die von Anfang an bei der Konzipierung, Projektierung und Umsetzung der PV-Anlage dabei war, zeigt auf die glitzernde Fläche von 107 Solarmodulen.

Hürdenlauf Bürokratie

Drei Jahre hat es von der Idee im Frühling 2014 bis zur Inbetriebnahme im März 2017 gedauert. Der langwierigste Prozess war, die bürokratischen Hürden zu überwinden. Dazu gehörte, den gemeinnützigen Verein Solar Powers zu gründen, einen Vertrag mit der Technischen Universität Berlin (TU Berlin) auszuhandeln, um ihr den erzeugten Strom verkaufen zu können, ein Finanzierungskonzept zu entwickeln und Spenden via Crowdfunding zu sammeln, um das Projekt zu finanzieren.

Für jedes Modul eine Patenschaft

Zudem verkauften sie Modulpatenschaften. Neun Unternehmen und Institutionen übernahmen Patenschaften für ein oder mehrere Module, die nun die Namen von „Solar Fox“ oder „Zentrum für Technik und Gesellschaft“ tragen. Unterstützung erhielten sie auch durch die Öko-Energieversorgerin Naturstrom AG, die das Projekt mit 10.000 Euro förderte. „Das haben wir alles ehrenamtlich gestemmt“, sagt Andrea Ruiz. Die Konzeption und Projektierung der Anlage war für die Studierenden Learning-on-the-job. Hier konnten sie ihr theoretisches Wissen, das sie teilweise im Studium erworben hatten, in die Praxis umsetzen.

Ärmel hochkrempeln und los

Im November 2016 war es dann soweit. Mit tatkräftiger Hilfe anderer Studierenden baute das Solar-Powers-Team zehn Tage lang die Anlage auf. „So eine Gehwegplatte, die die Module sichert, wiegt an die 20 Kilogramm, und die mussten wir das letzte Stockwerk mit eigener Kraft hinauftragen“, erinnert sich Andrea Ruiz an den kräftezehrenden Einsatz. Dann wurde die Anlage verkabelt, nun fließt der sonnenerzeugte Strom in den Zähler des Technikhauses und versorgt von dort aus die Universitätsbliothek.

Die Anfänge von Solar Powers e.V. im Film

Solar Powers e.V. © Solar Powers e.V.
Solar Powers e.V.

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Wissen teilen, Wissen multiplizieren

Um ihre Erfahrungen mit dem Bau einer Solaranlage weiterzugeben, beantragte der Verein Fördergelder bei der Kommission für Studium und Lehre (LSK) und generierte daraus zwei Module. Im tu project „Erneuerbare Energien für die TU Berlin – Solar Powers“ geben sie seit 2017 ihre Erfahrungen in der Projektierung einer PV-Anlage an andere Studierende im Rahmen eines interdisziplinären und selbstorgansierten Seminars weiter. „Wir wollen andere Studierende so für den Ausbau von Solarenergie auf dem Campus begeistern”, sagt Andrea Ruiz. Sie sollen das Projekt weiterführen, wenn die jetzigen Betreiber*innen mit dem Studium fertig sind.

Das zweite Modul, das Studienreformprojekt (SRP) „Projektlehre Photovoltaik“ ging im WS 17/18 an den Start und ist am Hermann-Rietschel-Institut angesiedelt. Die Teilnehmenden erhalten umfassende Kenntnisse über die Planung von PV-Anlagen. In der ersten Semesterhälfte werden technische, rechtliche und wirtschaftliche Aspekte der Projektierung einer PV-Anlage behandelt. In der zweiten Semesterhälfte führen die Studierenden in kleinen Arbeitsgruppen die Planung und Projektierung einer konkreten PV-Anlage eigenständig durch.

Mittlerweile hat der Verein auch eine mobile Inselanlage, die aus neun Solarmodulen besteht. Sie kommen in den Lehrveranstaltungen zum Einsatz, um den Studierenden zu demonstrieren, wie eine Anlage auf- und wieder abgebaut wird. „Mit der Anlage fahren wir aber auch auf Klimacamps, die sich für den Kohleausstieg einsetzen, und versorgen sie mit Strom”, erzählt Andrea Ruiz.

Eine ausgezeichnete Idee…

Anerkennung erfahren die Energieversorger*innen nicht nur durch das positive Feedback der Studierenden. Von der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien, Eurosolar e.V., wurden sie mit dem Deutschen Solarpreis 2018 ausgezeichnet. In der Kategorie „Lokale und regionale Vereine/Gemeinschaften” erhielten sie eine Würdigung. „Herausragendes Engagement der Studierenden und Signalwirkung für das Nutzungspotenzial von Solarstrom auf den Dächern von Bildungseinrichtungen“, lautet die Begründung der Jury.

…wird fortgeführt

Damit das Engagement nicht versiegt, wurde den energiegeladenen Studierenden die Finanzierung für ein weiteres SRP-Projekt bewilligt. Bis März 2021 laufen die Lehrveranstaltungen „Projektlehre Solarenergie“ und „Projektlabor Photovoltaik“. Um die Einbindung von Solarenergie in die Lehre mehr zu unterstützen und die Solarifizierung des Campus zu fördern, hat der Verein im letzten Sommer das 1. „Sunposium“ mit Workshops und Diskussionsrunden organisiert. Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, hielt im Rahmen des halbtägigen Symposiums einen Gastvortrag.

Ein besonderes Anliegen ist es dem Verein, die Einnahmen aus dem Betrieb der Anlage kleineren Gruppen und Einzelpersonen zugutekommen zu lassen, die sich ähnlich engagieren, wie sie es seit Jahren tun. Solar Powers e.V. beteiligt sich zudem an Aktivitäten des Nachhaltigkeitsrats, etwa im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche, und an der Stromversorgung von Klimacamps durch die eigene Inselanlage. Ihr Engagement zeigt: Die Welt braucht Leute, die sich für gute Energie stark machen. Gerade in Zeiten wie diesen.

Zu guter Letzt

Wer Lust hat, sich bei Solar Powers e.V. zu engagieren, ist herzlich willkommen. Der Verein trifft sich immer am letzten Montag des Monats. Mehr Informationen erhalten Interessierte unter info(at)solarpowers.de.

tu projects und Projektwerkstätten der TU Berlin

tu projects sind interdisziplinäre und fachsemesterübergreifende Lernprojekte, die von Studierenden für Studierende durchgeführt werden. Sie wurden 2012 an der TU Berlin eingeführt (gefördert vom BMBF). Soziale und ökologische Aspekte der Nachhaltigkeit werden in den Projekten behandelt und sollen besonders Studierende am Anfang ihres Studiums ansprechen. Mit dem 2020 auslaufenden Bund-Länder-Programm Qualitätspakt Lehre (QPL) laufen die tu projects aus.

Seit 1985 gehören die Projektwerkstätten zur TU Berlin. Sie verfolgen ähnliche Ziele wie tu projects, sprechen aber die höheren Semester an. Jeweils ca. fünf Projektwerkstätten werden weiterhin pro Semester bewilligt. Jeder Student und jede Studentin kann ein selbstverwaltetes Lernformat ins Leben rufen und eine Förderung beantragen. Wird ein Projekt bewilligt, können die Antragstellenden über vier Semester jeweils zwei Stellen als Tutorin oder Tutor mit je 40 Monatsstunden besetzen. Teilnehmende Studierende sammeln drei bis sechs Leistungspunkte.

Wer eine Projektwerkstatt starten möchte, kann sich beim Wissenschaftsladen kubus bei Nina Lorkowski per E-Mail bewerben.

Mehr Informationen zu aktuellen tu projects und Projektwerkstätten gibt es auf der Webseite.

Studienreformprojekte

Studienreformprojekte sind zeitlich begrenzte Vorhaben zur gezielten und dauerhaften Verbesserung des Lehrprogramms der TU Berlin. Sie werden durch Bereitstellung von wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen, studentischen Hilfskräften und ggf. Sachmittel gefördert. Für das Studienreformprojekt „Projektlehre Photovoltaik“ arbeiten beispielsweise zwei Tutor*innen, zwei studentische Hilfskräfte und zwei wissenschaftliche Mitarbeiter*innen, die sich eine Vollzeitstelle teilen. Anträge können an den Präsidenten über die Kommission für Lehre und Studium (LSK) jederzeit per E-Mail gestellt werden.

Deutscher Solarpreis

Seit 1994 zeichnet Eurosolar e.V., die Europäische Vereinigung für Erneuerbare Energien, mit dem Deutschen Solarpreis beispielhafte Akteure aus, die durch Engagement und Innovation die erneuerbare, dezentrale und bürgernahe Energiewende aktiv voranbringen.

Der Deutsche Solarpreis 2018 wurde an insgesamt acht Preisträger*innen in den Kategorien „Städte, Gemeinden, Landkreise“, „Stadtwerke“, „Solare Architektur und Stadtentwicklung“, „Industrielle, kommerzielle oder landwirtschaftliche Betriebe/Unternehmen“ „Medien“, „Transportsysteme“, „Bildung und Ausbildung“ sowie „Lokale und regionale Vereine/Gemeinschaften“ verliehen.