Technische Universität Berlin

Einfach koreanisch

Die Studentinnen Eda und Esra Cabuk wählten für ihr Auslandssemester die Technisch-Naturwissenschaftliche Universität Pohang, kurz POSTECH, in Südkorea. Dort machen die Studierenden die Nacht zum Tag.

Man kann es Liebe nennen. Oder Fernweh, denn Esra und Eda Cabuk zieht es nach Südkorea. Das Land, so schön, die Menschen, so nett, das Essen, so gut, das Bildungssystem, so effizient – zählen die Zwillinge, die an der Technischen Universität Berlin (TU Berlin) Wirtschaftsinformatik studieren, die Gründe auf, was sie an dem Land fasziniert. Und die beiden wissen, wovon sie sprechen. Ihren Traum, das Land kennenzulernen, haben sie sich mit einem Auslandssemester an der POSTECH erfüllt. Pohang, eine Stadt mit rund 500 000 Einwohner*innen, liegt an der Küste des Japanischen Meeres, etwa drei Stunden entfernt vom quirligen Seoul. Die POSTECH ist eine der 200 Hochschulen weltweit, mit der die TU Berlin kooperiert.

Gemeinsam sind wir stark

Seitdem Esra und Eda klein sind, machen sie alles zusammen – sie gehen auch ihren Bildungsweg gemeinsam: Fachabitur, Ausbildung zur Bürokauffrau, Vollabitur, „damit uns im Leben alle Wege offen stehen“. Nach der Schule nahmen sie ihr Studium der Wirtschaftsinformatik an der TU Berlin auf.

Eine Idee nimmt Gestalt an

Ihre Faszination für Korea entdeckten sie in einem Englischkurs, schlossen dort Freundschaft mit einer Koreanerin und hielten im Unterricht einen Vortrag über die Gemeinsamkeiten der türkischen und asiatischen Lebensweise. „Dazu gehören unter anderem Gastfreundlichkeit und Respekt den Älteren gegenüber“, sagt Eda. Der Wunsch nahm Gestalt an, einmal nach Korea reisen zu wollen. Sie kauften sich Bücher, lernten das koreanische Alphabet und kochten für Familie und Freunde das koreanische Nationalgericht Bibimbap. Mit einer Koreanerin bildeten sie ein Tandem, um ihre koreanischen Sprachkenntnisse zu verbessern.

Einmal Buddy...

Gleichzeitig nahmen sie an der TU Berlin am Buddy-Programm teil, das vom Büro für Internationales, Referat Studierendenmobilität und internationale Studierende mit dem Ziel der interkulturellen Begegnung durchgeführt wird. Studierende der TU Berlin helfen Studentinnen und Studenten aus dem Ausland, sich an der Uni und in Berlin zurechtzufinden.

Esra und Eda nahmen sich der koreanischen Kommiliton*innen an, zeigten ihnen den Campus, die Bibliothek, sie erkundeten die Stadt, kochten gemeinsam und tauschten sich über ihre kulturellen Hintergründe aus. „Da haben sich Freundschaften gebildet“, erzählt Eda. „Unsere Idee, ein Auslandssemester in Korea zu machen, verfestigte sich.“ Die Freundschaften, die sie hier in Berlin geschlossen hatten, sollten ihnen in Korea noch viel bedeuten.

Ein Traum wird wahr

Motivationsschreiben, ein Lebenslauf auf Deutsch und Englisch, Kopie des Abiturzeugnisses, ein Gutachten einer Hochschuldozentin oder eines Hochschuldozenten, ein englisches Sprachzeugnis der ZEMS – um nur einige Hürden des aufwändigen Bewerbungsverfahrens zu nennen. Sie reichten die Unterlagen beim Büro für Internationales ein, wurden zum Interview eingeladen, das sie auf Englisch und Deutsch führten – und erhielten die Zusage. Auch die Bewerbungen an der POSTECH und auf einen Platz im Studierendenwohnheim verliefen positiv. Zwei Herzen schlugen höher.

Noch höher schlugen die Herzen, als ihr Flieger in Seoul landete. „So viele Menschen in Seoul, so eine Hektik, so eine Eile“, war Edas erster Eindruck. Esra war einfach nur stolz, stolz darauf, den Weg bis hierher geschafft zu haben. Sie waren angekommen, in einem fremden Land, in einer anderen Kultur, das erste Mal selbstständig ohne Eltern – das Abenteuer konnte beginnen.

Der erste Eindruck vom Campus POSTECH war umwerfend. „Auf den ersten Blick wirkte er wie eine kleine Stadt“, sagt Esra. Es gibt einen Lebensmittelladen, der bis spät in die Nacht geöffnet hat, die Cafeterien schließen erst gegen 23 Uhr, auch die Mensen haben lange Öffnungszeiten. Viele koreanische Studierende bestellen dort ihre Mahlzeiten online oder über Apps. Auch die Bibliothek hat 24 Stunden geöffnet. Oft trafen sich die beiden um 22 Uhr noch mit ihren Kommiliton*innen zu Arbeitsgruppen. Also alles so ganz anders als in Berlin.

…immer Buddy

Neben einem Sprachkurs wählten die beiden zwei Kurse, die für ihr Studium der Wirtschaftsinformatik relevant waren: „Product Design and Development“ und „Technology Management and Strategy“. Die Kurse waren englischsprachig, die Gruppengröße mit bis zu neun Teilnehmenden angenehm überschaubar. Dennoch war es für beide schwierig, mit ihren koreanischen Kommiliton*innen ins Gespräch zu kommen. „Sie hatten große Scheu davor, Fehler auf Englisch zu machen“, sagt Eda. Die Zwillinge waren froh, bereits an der TU Berlin über das Buddy-Programm Studierende von der POSTECH kennengelernt zu haben. „Die konnten wir fragen, wenn wir etwas nicht verstanden hatten, und sie haben uns geholfen“, sagt Esra. Zudem hatten sie Freund*innen, mit denen sie die Stadt erkunden und tiefer in die Kultur eintauchen konnten. Am Abend besuchten sie gemeinsam Veranstaltungen, Wettbewerbe und Konzerte, die Studierende für Studierende an der Uni veranstalteten.

Um Erfahrungen reicher

Die spannende Erfahrung liegt nun schon wieder vier Jahre zurück. Mittlerweile sind Eda und Esra im fünften Semester ihres Masterstudiums. Eda arbeitet nebenbei als Werkstudentin im technischen Produktmanagement, Esra ist in einem Bauunternehmen für die Logistik und IT-Infrastruktur zuständig. „Für unsere Bewerbungen war der Auslandsaufenthalt von Vorteil, das Interesse der Arbeitgeber*innen war sehr groß, vor allen Dingen, als sie hörten, dass wir in Südkorea waren“, sagt Esra.

Das Fernweh bleibt

Ja, sie würden es wieder tun. Vielleicht kehren sie während ihres Masterstudiums für ein weiteres Semester an die POSTECH zurück oder später in ihrem Berufsleben. „Diese Studienreise hat unseren Horizont sehr erweitert und uns so viel Selbstbewusstsein gegeben“, sagt Eda. Denn wir wissen: „Was wir in Korea geschafft haben, das schaffen wir auch hier.“

Auf dem Weg ins Auslandsstudium: Was Eda und Esra beachtet haben

In der Regel müssen Bewerber*innen für ein Auslandssemester mindestens drei erfolgreiche Semester in einem BA-Studiengang absolviert haben. Erwartet werden überdurchschnittliche Studienleistungen und sehr gute Kenntnisse der englischen Sprache, die mit einem Zertifikat nachzuweisen sind. „Eine frühzeitige Vorbereitung auf das Auslandsstudium ist sehr wichtig“, sagt Esra. Denn neben dem Bewerbungsprozess an der TU Berlin müsse man gleichzeitig Informationen über die Universität im Gastland sammeln, Flugtickets buchen, eine Auslandskrankenversicherung abschließen und sich um die Finanzierung des Auslandsemesters bemühen. Esra und Eda haben sich sowohl auf ein DAAD-Stipendium beworben als auch Auslands-Bafög beantragt. „Jede und jeder sollte diese Wege gehen“, sagt Esra. Wichtig zu wissen sei, dass das Auslands-BAföG beantragt werden müsse, da es nicht mit dem Inland-BAföG in Verbindung stehe.