Technische Universität Berlin

Vom MINTgrün-Orientierungsstudium zu Computational Engineering Science

Leon Hecht hat im Wintersemester 2018/19 und im Sommersemester 2019 das MINTgrün-Orientierungsstudium an der Technischen Universität Berlin (TU Berlin) absolviert. Ab dem Wintersemester 2019/20 hat er begonnen, Computational Engineering Science zu studieren. Von seinen Erfahrungen mit MINTgrün und über seine Studienentscheidung spricht er im Interview.

Steckbrief

Leon Hecht, aus Berlin

MINTgrün-Schwerpunkt: Informatik, Maschinenbau
Schul-Lieblingsfächer: Mathe, Physik, Spanisch
Studienfach: Computational Engineering Science

Interview im Wintersemester 2018/19

Warum ein Orientierungsstudium?

Mathe und Physik machen mir besonders Spaß, und ich wusste, dass ich eins von beidem studieren möchte. An der TU Berlin kommt aber in vielen Fächern Mathe und Physik vor, so dass mir die Orientierung schwerfiel. In der Schule dagegen war die Ausbildung in den Fächern eher sehr allgemein und man hatte kaum Möglichkeiten, sich so richtig zu orientieren. Deswegen habe ich mich für MINTgrün entschieden, um direkt in die spezifischen Module der verschiedenen Fächer reinschauen zu können, ohne mich sofort festlegen zu müssen.

Warum MINT?

Das war klar für mich, und ich war mir auch sicher, dass MINT super für mich ist. Es hat genau meinen Anforderungen entsprochen. Ich weiß, dass ich in die naturwissenschaftliche, bzw. informationstechnische Richtung gehen will, aber ich weiß noch nicht genau, welchen Studiengang.

Du hattest auch noch kein Berufsbild im Kopf, mit dem du das verknüpfen konntest?

Es war nicht nach dem Motto „Ich möchte Informatiker werden, deswegen studiere ich Informatik“, sondern ich habe geschaut, was ich mit Physik und Mathe machen kann. Vielleicht wurde ich auch ein wenig durch meine Eltern beeinflusst, die beide Ingenieur*innen sind. Erst dachte ich auch, okay, ich werde jetzt einfach auch Ingenieur, aber dann kam ich ins Schwanken und habe überlegt, was wäre, wenn mir Informatik noch viel mehr Spaß macht.

Kommst du aus Berlin und war dir daher auch die TU Berlin ein Begriff?

Ja, ich komme direkt aus Berlin, hier aus Charlottenburg, nur 5 Minuten mit der U-Bahn entfernt. Ich wollte schon immer gern an der TU Berlin studieren, auch durch die Eltern. Einige von meinen Freunden hatten vor, das zu studieren. Meine Mutter war auch davon überzeugt, dass ich MINTgrün machen soll. Und ich habe mich anschließend dann auf den Internetseiten informiert.

Was macht die TU Berlin so speziell für dich?

Ich habe wenige Vergleiche zu anderen Hochschulen, aber ich finde es toll, dass die Infrastruktur so gut ist: Man kann die Computer-Pools, die Werkstätten und Labore nutzen – ohne etwas dafür zu bezahlen. Und ich finde die große Mensa hier toll.

Wie war es für dich an so einer großen Universität anzufangen?

Ich habe schon auch negative Dinge gehört, zum Beispiel, dass die Menschen hier massenabgefertigt werden und man sich komplett selbst organisieren muss, aber nach dem Einführungstag fand ich mich doch aufgehoben und wenig verloren. Ich habe überwiegend positive Erfahrungen gemacht. Es stimmt schon, dass man sich selbst organisieren muss, aber man kann sich eben auch selbst helfen, etwa Sprechstunden besuchen, und die Tutor*innen helfen bei den Hausaufgaben. Es liegt jedoch an einem selbst, ob man zu den Tutor*innen geht.

Hat dir bei der Selbstorganisation das Orientierungsstudium geholfen?

Ja, auf jeden Fall. Sie haben mir auch gesagt, dass es die Studienberatung gibt, die Sprechstunden anbieten und einem helfen. Das werde ich auch nochmal in Anspruch nehmen, auch um mich hinsichtlich Praktika beraten zu lassen, gerade wenn ich mich zum Beispiel für Informatik oder Maschinenbau entscheide, wo ein Praktikum Voraussetzung ist.

Nach einem Semester: Was waren deine Aha-Erlebnisse?

Das größte Aha-Erlebnis war, dass es auf Selbstdisziplin und Zeitmanagement ankommt. Je besser man beides in den Griff bekommt, je einfacher wird es und je besser kommt man durch. Es ist schon sehr anders als Schule. Ein weiteres Aha-Erlebnis war, dass es viel entspannter ist als Schule, wenn man es gut hinbekommt und sich im Griff hat. Ich habe 18 Leistungspunkte und 4 Vorlesungen in der Woche und das ist viel weniger als in der Schule, wo man 8 Stunden am Tag verbringt. Man muss mehr allein arbeiten, aber das macht mir auch mehr Spaß.

Hast du dir Studieren so vorgestellt?

Ich habe gar nicht so viel darüber nachgedacht, aber die Lehrer*innen haben schon in der Schule gesagt, dass an der Uni noch viel schwerere Sachen gemacht werden, da versteht man nichts in den Vorlesungen. Da haben sie übertrieben, das hängt auch vom Professor ab. Bei Analysis und Lineare Algebra sind beide Professor*innen echt super. Die machen es so gut, dass wir auf Anhieb viel verstehen.

Du schwankst ja zwischen zwei Fächern, welche sind das und was machst du, um die richtige Entscheidung zu treffen?

Ich schwanke zwischen Ingenieurwissenschaften und Informatik, und wenn ich mich für eine Richtung entscheiden müsste, würde ich mich für eine Mischung entscheiden, also ich würde nicht reine Informatik machen, sondern Technische Informatik. Und wenn ich mich für Maschinenbau entscheiden würde, würde ich im Laufe des Studiums ein wenig auf Informatik spezialisieren, weil ich jetzt im ersten Semester schon herausgefunden habe, dass es mir echt Spaß macht. Meine Vorgehensweise ist, dass ich im ersten Semester „Einführung in die Programmierung“ belege und dann im zweiten Semester Konstruktion I, Statik und Elementare Festigkeitslehre, diese typischen Maschinenbau-Module, die man im ersten Semester hat. Dann werde ich halt schauen, was mir mehr gefällt.

Was war deine Lieblingslehrveranstaltung bisher?

Bei „Einführung in die Programmierung“ sind die Hausaufgaben recht schwer. Wenn man einen Code schreibt, braucht man die Hilfe von den Tutor*innen, weil viele Sachen in der Vorlesung noch nicht erklärt wurden. Es dauert zwar, aber wenn dann der Code aufgeht, hat man eine Mega-Glücksgefühl und das macht richtig Spaß. Bei Mathe, also bei Ana-Lina, da sind die Hausaufgaben nicht so anspruchsvoll. Wenn man das Thema grundsätzlich verstanden hat, kann man die Aufgabe auch rechnen. Aber auch Mathe macht mir viel Spaß.

Welche 3 Aspekte machen das MINT-Orientierungsstudium für dich besonders?

Der erste Punkt ist, dass man sich komplett frei jedes Modul aussuchen kann, also, dass man komplett die freie Wahl hat. Ein paar Sachen werden einem zur Wahl gestellt, aber man kann trotzdem alles frei belegen. „Einführung in die Programmierung“ war bei MINTgrün gar nicht mit drin, aber ich belege es trotzdem. Der zweite Punkt ist, dass ich die Klausuren schreiben und anrechnen lassen kann. Wenn ich eine Prüfung verhaue, zählt das allerdings nicht in die 3 Fehlversuche rein, die man normalerweise in einem „regulären“ Studiengang hätte. Der dritte Punkt sind die Labore. Ich habe das Strömungstechnische Labor besucht, das war sehr cool. Wir haben unsere eigenen Rotorblätter in CAD modelliert, dann im 3D-Drucker ausdrucken lassen und anschließend damit Messungen gemacht. Und es war trotzdem noch ein wenig Theorie drin.

Ein Jahr später: Wintersemester 2019/20

Welches Studienfach hast du nach MINTgrün ergriffen?

Ich studiere jetzt Computational Engineering Science an der TU Berlin.

Hat dir MINTgrün bei der Studienentscheidung geholfen?

Ja, MINTgrün hat mir viel gebracht.

Bist du zufrieden mit deiner Wahl?

Ja und nein. Ich hätte lieber einen höheren Informatik-Anteil. Es ist mir leider erst etwas spät aufgefallen, dass man im Wahlpflichtbereich u.a. Module aus dem Bereich „Informationstechnik“ wählen kann und nicht aus dem Fach Informatik. Von den ca. 15 Wahlpflichmodulen sind 4 Module auch bei Informatik-Studierenden auf dem Plan, jedoch sind das komplett die Basics. Die anderen Module sind – so wie es mir scheint – eher Module, bei denen man lernt, wie Ingenieurprobleme mit einer Software gelöst werden. Es steht also weniger Softwareentwicklung und –programmierung auf dem Lernplan, sondern eher, wie Software angewandt wird.

Hinweis: Die Interviews wurden von gesprochener Sprache in Schriftsprache übersetzt. Im Zuge des Überarbeitungsprozesses wurden einzelne Passagen gekürzt.