Technische Universität Berlin

Vom MINTgrün-Orientierungsstudium zu Naturwissenschaften in der Informationsgesellschaft (NidI)

Frithjof Rickmer Feldtmann hat im Wintersemester 2017/18 und im Sommersemester 2018 das MINTgrün-Orientierungsstudium an der Technischen Universität Berlin (TU Berlin) absolviert. Im Wintersemester 2018/19 hat er begonnen, Naturwissenschaften in der Informationsgesellschaft (NidI) zu studieren. Von seinem Erfahrungen mit MINTgrün, seiner „Studi-Mentor“-Tätigkeit und dem Studium in einem (noch) eher unbekannten Fach erzählt er im Interview.

Steckbrief

Frithjof Rickmer Feldtmann, aus Neuruppin

MINTgrün-Schwerpunkt: (fast) alles ausprobiert
Schul-Lieblingsfächer: Physik
Studienfach: Naturwissenschaften in der Informationsgesellschaft (NidI)

Interview im Wintersemester 2018/19

Warum ein Orientierungsstudium?

Ich wusste nach dem Abitur noch gar nicht, was ich machen möchte. Plötzlich war ich fertig und es war schon Juni. Ich wollte eigentlich studieren, da es die meisten Türen offenlässt und die wenigsten schließt. Dann habe ich durch Zufall MINTgrün bei einer Internetrecherche gefunden. Da es zulassungsfrei ist, habe ich mich eingeschrieben und eine Woche später hatte ich meinen Studentenausweis.

Warum MINT?

Die Naturwissenschaften liegen mir mehr als die Geisteswissenschaften. Das war für mich der ausschlaggebende Punkt, um mich zum Beispiel auch gegen andere Berliner Universitäten zu entscheiden.

Warum die TU Berlin?

Für mich ging es um das Orientierungsstudium. Man kann ja auch im Zweifel geisteswissenschaftliche Fächer ausprobieren, auch an der FU und HU Berlin oder in Potsdam. Ich würde meine Universität nicht nach der Stadt wählen. Die Stadt ist teurer als kleinere Städte, aber, wenn ich mich für eine Uni entschieden habe, würde ich auch durch Nebenjobs versuchen, ein Studium zu ermöglichen.

Mittlerweile studierst du an der TU Berlin. Hast du dir das Studieren so vorgestellt?

Prinzipiell ja. Ich war darauf eingestellt, dass es selbstständig wird und dass allein die Anwesenheit in einer Vorlesung noch nicht alles ist. In welchem Ausmaß man den Überblick im Studium behalten muss, habe ich unterschätzt. Ich studiere Naturwissenschaften in der Informationsgesellschaft (NidI) mit Ausrichtung Physik, und da kommt mir zugute, dass ich schon zwei Semester studiert habe. Ein reguläres Physik-Studium direkt nach dem Abitur hätte ich wohl nicht gepackt, oder es wäre viel an Motivation im ersten Semester verlorengegangen.

Macht es dir Spaß, deine Erfahrungen als Mentor weiterzugeben?

Ja, mit MINTgrün-Studierenden rede ich jetzt als normaler Student und tausche mich bei einem Mittagessen mit ihnen aus. Ich werde immer mal wieder auf dem Gang von Leuten angesprochen, weil mich viele durch MINTgrün schon einmal gesehen haben.

Welche 3 Aspekte machen das MINT-Orientierungsstudium für dich besonders?

Punkt eins ist die normale Immatrikulation, also, dass ich alle Prüfungen ableisten und mir diese auch anrechnen lassen kann. Außerdem die naturwissenschaftliche Ausrichtung, aber auch, dass ich mit MINTgrün alles machen kann an der TU Berlin. Ich bin eben normal immatrikuliert, normaler Student. Der dritte Punkt sind die Projektlabore, also das MINTgrün-Angebot. Es ist nicht nur ein normales Studium, mit dem ich alles studieren kann, sondern es ist zusätzlich noch ein Orientierungsstudium, das berät. Es gibt zum Beispiel das Wissenschaftsfenster und das Orientierungsmodul. Zusammenfassend: Punkt 1, ich kann alles machen, Punkt 2, ich kann mir alles anrechnen lassen und habe durch die Anrechenbarkeit von Leistungspunkten kein Jahr „verschwendet“ und der dritte Punkt die Beratung, die man durch MINTgrün hat.

Hattest du eine Lieblings-Lehrveranstaltung bei MINTgrün?

Das Orientierungsmodul fand ich sehr hilfreich. Rückblickend kann ich sagen, dass das Orientierungsmodul viel mehr von MINTgrün ausgemacht hat, als ich dachte. Das Orientierungsmodul liefert einen Einblick ins Studium allgemein, es gibt etwa einen Überblick über Hochschularten (Fachhochschule, Universität). Man bekommt über die zwei Semester zu richtigen Zeitpunkten Input über alle Studiengänge, die es an der TU Berlin und auch sonst so gibt, dazu passend einen Überblick zu Bewerbungsverfahren und was ein NC ist. Toll ist auch, dass sich die Studienfachberatungen jede Woche vorstellen.

Wie konntest du eine gute Studienentscheidung treffen?

Das Wissen um den Studiengang, den ich jetzt studiere. Den kannte ich vorher nicht. Vorher hatte ich nur Standardstudiengänge wie Physik und Informatik auf dem Schirm. Ich hatte zwar gehört, dass es 19.000 Studiengänge gibt, aber ich hatte mich damit nicht eingehender befasst. Ich wusste nicht, dass jede Hochschule nahezu beliebig viele eigene Studiengänge kreieren kann, die nur akkreditiert werden müssen, so dass es NidI ja auch an keiner anderen Hochschule gibt, sondern nur an der TU Berlin. Jetzt weiß ich, dass ich in einem Studiengang auch die Hälfte der Module aus einem anderen Studiengang machen kann, also, dass ich das frei wählen kann.

Man kann Module sogar an anderen Hochschulen oder im Ausland machen. Man muss nur schauen, dass der Inhalt passt und man sich die Module auch anrechnen lassen kann. Das Thema Auslandssemester wurde im Orientierungsmodul übrigens auch angesprochen.

Was macht die TU Berlin für dich besonders?

Mir gefällt die Größe und die Anonymität. Aber genauso die Tutorien und die engere Betreuung, etwa im Grundpraktikum Physik. Mich motiviert die Mathematik an der TU Berlin, obwohl ich nicht besonders gut oder erfolgreich in Mathe bin. Die klare Aufgliederung und die Abstraktionsgrade. Ich habe das Gefühl, dass es in vielen Studiengängen an der TU Berlin Mathe gibt, auch in Studiengängen wie Brauerei- und Getränketechnologie. Ich möchte das als Ansporn nehmen, Mathe im Studium nicht zu umgehen, sondern mich dem zu stellen und Frustrationen abzubauen. Auch sind die Mathetutor*innen, die ich bisher hatte, alle sehr kompetent und viel besser in Mathe gebildet als die Lehrer*innen in der Schule, weil sie einfach mehr im Thema drin sind. Momentan belege ich Mathematik für Physiker*innen, was auch immer von Mathe-Professoren unterrichtet wird, also von echten Mathematiker*innen, die richtig in Mathe drin sind.

Was ist dein Berufswunsch?

Ich könnte mir vorstellen, in der Wissenschaft zu bleiben und zu promovieren. Das Wissenschaftsfenster hat mir dabei viel gebracht. Jede Woche haben Professor*innen über ihr Fachgebiet und ihre persönliche Laufbahn erzählt. Da waren auch Leute dabei, die keine straighte Unikarriere durchgezogen haben, die zwischendurch auch einmal den Blick nach außen gewagt haben. Deswegen ist auch NidI eine gute Wahl für mich, um meine Allgemeinbildung auszubauen, weil es den kompletten MINT-Bereich abdeckt, ohne irgendwo Einbußen zu machen. Bei NidI kann ich 3 Jahre lang meine Wunschrichtung vertiefen, also Mathe oder Chemie z.B., und ein 1 Jahr meinen Blick auf andere Fächer richten . Am Ende fehlt mir nichts.

Ein Jahr später: Wintersemester 2019/20

Wie sind deine ersten Semester verlaufen?

Meine ersten beiden Semester nach MINTgrün sind etwas organisierter als noch in der Orientierungsphase verlaufen. Durch die Entscheidung für einen Bachelor und die Tatsache, dass meine Module nun thematisch etwas enger beieinander liegen, ist es mir leichter gefallen, mich auf mehrere Module gleichzeitig zu konzentrieren.

Bist du noch zufrieden mit deiner Studienwahl NidI?

Ich bin nach wie vor sehr zufrieden mit meiner Studiengangwahl und habe nicht vor, den Studiengang zu wechseln. Wenn eine solche Entscheidung Ziel von MINTgrün war, dann war MINTgrün in meinem Fall erfolgreich. Ich würde mich wieder sowohl für MINTgrün als auch für NidI entscheiden.

Hast du Vorteile in deinem Studium durch das MINTgrün-Orientierungsstudium?

Ich habe zwar auch den einen oder anderen Leistungspunkt aus MINTgrün mitgenommen, doch halte ich das für nicht so wichtig und einen Vorteil, auf den ich auch verzichten könnte. Wichtigerer Vorteil durch MINTgrün war bei mir der abgefederte Start ins Studium – in den ersten beiden Semestern hatte ich keinen Leistungsdruck und konnte langsam anfangen zu studieren, ohne dass sich dadurch Nachteile in meinem jetzigen Studium ergeben. Alle Studiengänge sollten Prüfungsfreiversuche im ersten Semester ermöglichen.

Hinweis: Die Interviews wurden von gesprochener Sprache in Schriftsprache übersetzt. Im Zuge des Überarbeitungsprozesses wurden einzelne Passagen gekürzt.