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Vertrauen ist die Grundlage jeder wissenschaftlichen Kooperation

Vom 19. bis 20. Februar 2024 fand an der TU Berlin ein Workshop zum Thema „Aktivierung kleiner Moleküle“ statt, an dem Wissenschaftler*innen der TU-Partneruniversitäten Ben-Gurion University of the Negev, Bar-Ilan University sowie Technion – Israel Institute of Technology teilnahmen. Professor*innen der beteiligten Institutionen hielten dabei Gastvorträge, Doktorand*innen und Postdocs berichteten in zahlreichen Kurzvorträgen über ihre Arbeit. Insgesamt nahmen 40 Wissenschaftler*innen an dem Workshop teil. Dabei stand das Thema der Aktivierung kleiner Moleküle im Mittelpunkt. Diese Aktivierung ist unter anderem essentiell für die Produktion von grünem Wasserstoff durch Elektrolyse von Wasser mit Hilfe von regenerativ erzeugtem Strom, die Rückwandlung von Wasserstoff in Strom durch Brennstoffzellen sowie die katalytische Herstellung von Industriechemikalien unter Verwendung von CO2.

Prof. Dr. Peter Strasser, Leiter des Fachgebiets „Electrochemical Energy, Catalysis, and Materials Science“ an der TU Berlin stellte bei der Eröffnung des Workshops seine wissenschaftlichen Mitorganisator*innen vor, Prof. Dr. Lior Elbaz sowie Dr. Hannah-Noa Barad vom Institut für Chemie der Bar-Ilan University. Er betonte, dass die Aktivierung kleiner Moleküle bereits seit etwa einer Million Jahren eine menschliche Kulturtechnik ist, bei der über das Kochen von rohen Lebensmitteln Materialveränderungen hervorgerufen werden. Später haben thermische Prozesse in der Industrie sowohl zum technischen Fortschritt wie zu immer stärkerer Umweltbelastung beigetragen. „Heute ist es die elektrochemische Katalyse, von der sich die Forscher*innen erhoffen, dass sie über die Aktivierung kleiner Moleküle einen Übergang zu einer auf erneuerbaren elektrischen Energien beruhenden Gesellschaft möglich macht“, so Strasser.

Deutschland und Israel auf gemeinsamem Weg zur Energiewende
Peter Strasser betonte wie alle Redner*innen bei der Eröffnung des Workshops die Wichtigkeit solcher Veranstaltungen gerade in Zeiten von Krieg, politischen Krisen, Misstrauen und Desinformation. Prof. Dr.-Ing. Stephan Völker, Vizepräsident für Forschung und Berufung der TU Berlin, erklärte: „Israels solarbasierte und Deutschlands vor allem auf Offshore-Windkraft fokussierte Strategien für die Energiewende haben das Potential, unsere beiden Länder in der technologischen Zusammenarbeit stärker als jemals zuvor zusammenzubringen.“ Der Umwandlung und Speicherung von erneuerbaren Energien mit Hilfe von Katalysatoren komme dabei eine entscheidende Rolle zu. „Ebenso könnte die katalytische Herstellung von Industriechemikalien unter Verwendung von CO2 zukünftig einen signifikanten Beitrag zur Reduzierung von Kohlendioxid in der Atmosphäre leisten“, erklärte Völker.

Wissenschaftlicher Dialog stärkt die menschlichen Beziehungen

Dr. Ulrike Hillemann-Delaney, Leiterin des Bereichs Internationales an der TU Berlin, verwies auf die vier Leitlinien für internationale Zusammenarbeit der Universität: die gemeinsame Bearbeitung globaler Herausforderungen, die Unterstützung von Exzellenz in Forschung und Lehre, die Wahrnehmung globaler Verantwortung sowie die Wahrung akademischer Freiheit und Forschungsintegrität. „All diese Kriterien erfüllt dieser Workshop in vorbildlicher Weise“, so Hillemann-Delaney. Gerade über den wissenschaftlichen Dialog könnten in Krisenzeiten auch die menschlichen Beziehungen zwischen Forscher*innen gestärkt werden, unabhängig davon, aus welchen Ländern die Beteiligten kommen.

Menschen zusammenbringen ist wichtiger als Mittel für Stellen und Geräte

Dr. Eric Zimmermann, Direktor der „German Israeli Foundation for Scientific Research & Development“, die den Workshop finanziell unterstützte, sagte, dass oft der Forschungsförderung durch Geld für Stellen und Geräte die größte Bedeutung beigemessen werde. „Dabei ist es viel wichtiger, die Menschen zusammenzubringen, um so neue Ideen und wissenschaftliche Kooperationen zu fördern“, so Zimmermann. Dr. Yael Harman, Chefwissenschaftlerin des israelischen Energieministeriums, betonte die vielfältigen internationalen Beziehungen ihres Landes. „Oft gehen unsere Leute in die USA, dabei hat auch Deutschland eine exzellente Forschungsinfrastruktur. Wir hoffen daher, dass mit diesem Workshop nicht nur neue chemische, sondern auch menschliche Verbindungen zwischen unseren beiden Ländern etabliert werden.“ Viktoria Kaffanke von der Deutschen Energie-Agentur (dena) stellte ihre Zusammenarbeit mit dem israelischen Ministerium für Energie und Infrastruktur vor, zu der auch die Förderung des akademischen Austauschs gehöre. „Ich danke allen Organisator*innen, die diesen Workshop trotz der schwierigen Bedingungen möglich gemacht haben“, erklärte sie.

Eröffnungsvortrag über Wissenschaftsdiplomatie von Prof. Dr. Helmut Schwarz

In seinem Eröffnungsvortrag „Wissenschaftsdiplomatie in der deutsch-israelischen Forschungszusammenarbeit – ein persönlicher Bericht“ blickte Prof. Dr. Helmut Schwarz, von 2008 bis 2017 Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung und emeritierter Professor für Organische Chemie an der TU Berlin, auf seine Erlebnisse bei Kooperationen mit israelischen Wissenschaftler*innen und über 125 Aufenthalten in dem Land zurück. Helmut Schwarz hält Ehrendoktorwürden von gleich drei wissenschaftlichen Einrichtungen in Israel. „Nach dem terroristischen Überfall der Hamas am 7. Oktober, in diesen Zeiten, in denen jüdisches Leben von Fanatikern attackiert wird, möchte ich besonders Peter Strasser für die Organisation des Workshops an unserer Universität danken“, erklärte Schwarz.

Zwischenmenschliches Vertrauen kann zu Vertrauen zwischen ganzen Staaten werden

Denn wichtig für jede Form wissenschaftlicher Kooperation sei das Konzept der Bindungen, so Schwarz. Und zwar nicht der chemischen oder genetischen, sondern der sozialen Bindungen, wie sie Johann Wolfgang von Goethe in seinem Roman „Die Wahlverwandtschaften“ in Anlehnung an diesen zeitgenössischen Begriff aus der Chemie beschrieben hat. „Nur über solche Bindungen lässt sich Vertrauen aufbauen, das die Grundlage jeder wissenschaftlichen Kooperation ist“, sagte Schwarz. Über das Vertrauen einzelner Menschen untereinander könne dann auch Vertrauen zwischen Institutionen und am Ende ganzer Staaten erwachsen. Helmut Schwarz verwies auf den Mut der ersten israelischen Stipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung, die bereits im Jahr 1958, sieben Jahre bevor Deutschland und Israel diplomatische Beziehungen aufnahmen, als junge Rechtswissenschaftlerin an die Goethe-Universität Frankfurt am Main ging. „Dr. Eva Shachor-Landau sprach 60 Jahre später als Gastrednerin auf einer Konferenz in Jerusalem, mit der das 50-jährige Jubiläum der deutsch-israelischen diplomatischen Beziehungen begangen wurde.“

Vertrauen aufbauen bedeute aber auch, so Schwarz, über schmerzhafte Dinge zu sprechen, auch in wissenschaftlichen Kooperationen über politische Dinge, und keine Angst zu haben vor den Hindernissen, die sich dabei auftun können. „Ich bin sicher, dass Deutschland und Israel in Zukunft mit allen gutwilligen Akteuren weltweit kooperieren werden“, erklärte Schwarz und verwies auf das Motto des ersten Ministerpräsidents von Israel, David Ben-Gurion: Jeder, der nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern

Prof. Dr. Peter Strasser
Fachgebiet Electrochemical Energy, Catalysis, and Materials Science
Institut für Chemie
Technische Universität Berlin
Tel.: +49 (0)30 314-29542
E-Mail: pstrasser(at)tu-berlin.de 

Technisches Detail im Labor von Prof. Dr. Peter Strasser © Felix Noak

Technisches Detail im Labor von Prof. Dr. Peter Strasser

Die katalytische Herstellung von Chemikalien unter Verwendung von CO2 kann nur funktionieren durch die Aktivierung kleiner Moleküle. © Matthias Heyde/Unsplash

Die katalytische Herstellung von Chemikalien unter Verwendung von CO2 kann nur funktionieren durch die Aktivierung kleiner Moleküle.