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Regionale Niederschlagssysteme von Berlin bis Peru

Berlin und seine Sehenswürdigkeiten kennt Dr. Rütger Rollenbeck schon von vielen privaten Reisen. Gut so, denn seitdem er Fellow am Institut für Ökologie an der TU Berlin ist, hat er keine Zeit mehr für Stadtbesichtigungen. Hier feilt er an Wetterradargeräten, um die Niederschlagsmenge in Berlin zu bestimmen.

Dr. Rütger Rollenbeck ist Privatdozent an der Philipps-Universität Marburg im Fachbereich Geografie und dort in der klimatologischen Forschung tätig. Kernpunkt seiner Arbeit ist, Wetterradarstationen in Ländern Südamerikas, zum Beispiel in Ecuador und Peru aufzubauen und die Daten auszuwerten, unter anderem um das sogenannte El Niño-Phänomen zu erforschen. „In unregelmäßigen Abständen, nämlich zwischen drei und elf Jahren, kippt die gesamte Meeresströmung im Pazifik“, erzählt er. Das verändere das Wetter nicht nur in Südamerika, sondern weltweit. „Und man weiß einfach bis heute noch nicht, warum das passiert.“ Denn bisherige Wetterstationen kämen hier an ihre Grenzen.

Wenn El Niño zuschlägt, wird die eigentlich trockene Region entlang der Pazifikküste zu einer tropischen, nassen Region mit Konsequenzen für die Ökosysteme, Konsequenzen für die Menschen, Konsequenzen für die Infrastruktur. „Da wäre natürlich eine genaue Vorhersagemöglichkeit eine fantastische Sache, aber die gibt es bis jetzt noch nicht.“ Daran arbeitet er. Vier Radarstationen, die sich in Ecuador und in Peru befinden, hat er bereits aufgebaut. Die Wetterradare decken die Kernregion ab, in denen das El Niño-Phänomen auftritt.

Klar, dass seine Expertise für das Institut für Ökologie der TU Berlin interessant ist. Deswegen wurde der 56-Jährige im Rahmen des Fellowship-Programms der BUA im Schwerpunktbereich „Advancing Research Quality and Value“ als Incoming-Fellow an die TU Berlin berufen. Hier arbeitet er im Team um Dr. Fred Meier, Leiter der Arbeitsgruppe Stadtklima am Fachgebiet Klimatologie des Instituts für Ökologie der TU Berlin, mit daran, das Stadtklima Berlins und das des Umlands zu erforschen. Dazu wurde 2021 das bürgerwissenschaftliche Projekt OpenUCO (Open Urban Climate Observatory) ins Leben gerufen. Ziel der Forschung ist, ein offenes meteorologisches Messnetz in Berlin aufzubauen, um die negativen klimatischen Effekte städtischen Wachstums zu untersuchen. Das bereits im Frühjahr 2022 installierte Niederschlagsradar wurde maßgeblich von Rütger Rollenbeck im Rahmen der BUA-Kooperation ausgewertet. In Kombination mit den vorhandenen Stadtmessnetzen bieten diese Messungen eine neue Datenbasis, um das Stadtklima zu untersuchen. „Das Niederschlagsradar erfasst im Umkreis von 100 Kilometern die Niederschlagsverteilung in Berlin, und zwar in einer wesentlich besseren Auflösung, Genauigkeit und räumlichen Reichweite als das normale Niederschlagstationen können“, erläutert Rütger Rollenbeck. „Wir sind also jetzt in der Lage, sehr feinräumig aufgelöste Wetterbeobachtungen für die Stadt Berlin und das Umland zu machen.“

Ende 2023 läuft sein Vertrag mit der TU Berlin aus. „Das Endprodukt, das ich bis dahin liefern will, sind programmierte Skripte, mit denen die Wissenschaftler*innen in Berlin dauerhaft präzise Niederschlagsmessung mit dem Radar durchführen können.“

Rütger Rollenbeck möchte auch nach Ablauf des Fellowship-Programms mit seinen Kolleg*innen am Institut für Ökologie in Kontakt bleiben. Er schätzt ihre Expertise im Bereich Stadt- und Regionalklima, die für seine Forschungsregion, die Tropen, von Relevanz sein können. „Auch dort gibt es viele große Städte, die ganz spezifische Probleme und Eigenheiten haben.“ Vielleicht gibt es in Zukunft ja auch eine Zusammenarbeit oder eine gemeinsame Publikation? „Nicht ausgeschlossen“, sagt er. „Wissenschaft lebt von Zusammenarbeit.“
 

Autorin: Dagmar Trüpschuch

© Privat

Dr. Rütger Rollenbeck an der Messtation mit Blick über Berlin.