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Entschädigungen für ehemalige Vertragsarbeiter*innen in der DDR

Zwischen 1979 und 1989 kamen rund 17.000 Vertragsarbeiter*innen aus Mosambik in die DDR. Sie hofften auf Qualifizierung, doch wurden ihnen häufig Arbeitsplätze zugeteilt, die keine brauchbare Aus- und Fortbildung ermöglichten. Mit dem Fall der Mauer 1989 verloren die meisten, so wie ihre vietnamesischen, kubanischen und angolanischen Kolleg*innen, ihre Arbeitsverträge, den damit verbundenen Aufenthaltsstatus und ihre Unterkunft. Hinzu kam ein verstärkter Rassismus. So kehrten viele vorzeitig in ihre Herkunftsländer zurück. Die politisch Verantwortlichen hatten den mosambikanischen Frauen und Männer versichert, einen erheblichen Teil ihres Lohnes auf persönliche Konten in Mosambik zu überweisen. Doch das Geld war in der DDR verblieben, wurde mit mosambikanischen Staatskrediten verrechnet und der DDR auf dem Hartwährungsmarkt – zu diesem zählte das sozialistisch orientierte Mosambik – gutgeschrieben.

Die Rückkehrer*innen, in Mosambik „Madgermanes“ – die „Deutschen“ – genannt, kämpfen seit Jahrzehnten um Anerkennung und um eine zumindest symbolische Entschädigung für einbehaltene Lohnzahlungen. Hinzu kommen bis heute nicht geklärte Rentenansprüche aus Einzahlungen der Vertragsarbeiter*innen in das DDR-Sozialsystem.

Wissenschaftler*innen zeigen Engagement

Seit Jahrzehnten erforschen Wissenschaftler*innen den Alltag und die Lebensbedingungen der Menschen in der DDR, Rassismus, Migration, (Post-)Kolonialismus und arbeiten in Erinnerungskultur und politischer Bildung daran, Bewusstsein für historisches Unrecht zu schaffen. Nun fordern die beiden Wissenschaftlerinnen Dr. Isabel Enzenbach vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin, und Christine Bartlitz vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam zusammen mit hundert Erstunterzeichner*innen in einem offenen Brief die Bundesregierung dazu auf, die betroffenen Frauen und Männer rasch und unbürokratisch finanziell zu entschädigen und die offenen juristischen Fragen transparent aufzuarbeiten. Die Bundesrepublik Deutschland habe es im Zuge der Wiedervereinigung versäumt, für die Situation der Vertragsarbeiter*innen angemessen Verantwortung zu übernehmen, so die beiden Historikerinnen.

Der offene Brief wird am 21. April 2021 der Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Dagmar Ziegler, übergeben.

Weiterführende Informationen

Ehemalige Vertragsarbeiter*innen in Beira 2020 © Julia Oelkers

Ehemalige Vertragsarbeiter*innen in Beira 2020