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Die Dosis macht die Ansteckung

In einer neuen, als Preprint veröffentlichten Studie haben Wissenschaftler*innen des Hermann-Rietschel-Instituts der TU Berlin das Ansteckungsrisiko mit SARS-CoV-2 über virenbeladene Aerosolpartikel in verschiedenen Innenräumen verglichen. Grundlage der Berechnung ist ein Modell, das in dem Fachgebiet Energie, Komfort und Gesundheit in Gebäuden von Prof. Martin Kriegel, Leiter des Hermann-Rietschel -nstituts, entwickelt wurde. Im Ergebnis zeigt sich, dass ein kurzer Aufenthalt im Supermarkt ein deutlich geringeres Ansteckungsrisiko hat als der Aufenthalt in einem Mehrpersonenbüro, das nur zu 50 Prozent besetzt ist und in dem alle Mitarbeiter*innen Masken tragen.

„Für das Infektionsrisiko über Aerosolpartikel in geschlossenen Räumen ist vor allem die eingeatmete Dosis entscheidend“, so Martin Kriegel. „Die Dosis hängt im Wesentlichen von vier Faktoren ab: der Quellstärke, der Atemaktivität, der Aerosolkonzentration im Raum und der Aufenthaltsdauer im Raum.“ Dabei ist die Beurteilung des absoluten Infektionsrisikos über Aerosolpartikel noch nicht ausreichend evidenzbasiert und variiert auch von Person zu Person, jedoch kann die Dosis relativ gut ermittelt werden. Anhand der eingeatmeten Dosis können die unterschiedlichen Raumsituationen gegeneinander bewertet werden.

„Bei unserer Gegenüberstellung sind wir davon ausgegangen, dass die sogenannten AHA+L-Regeln sowie die Empfehlungen des Umweltbundesamtes (UBA) und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin eingehalten werden.“ Der Vergleich der Wissenschaftler*innen bezieht sich auf den sogenannten Rs(ituationsbedingt)-Wert. Dieser steht für die Anzahl Angesteckter in einem Raum bei einer gleichzeitig anwesenden infizierten Person. In der Studie wird nicht der absolute Rs-Wert gegenübergestellt, sondern der Faktor zu einem Rs-Wert kleiner gleich 1. Eine Fahrt im ÖPNV hat demnach einen Faktor von 0,8. Das heißt, dass ein Infizierter in dieser Situation maximal 0,8 weitere Personen ansteckt. Dagegen wird das Risiko eines Restaurantbesuchs bei 50-prozentiger Belegung mit einem Faktor von 2,3 angegeben, also würden in dieser Situation maximal 2,3 Personen infiziert werden.

Weiterführende Informationen:

Die gesamte Studie kann hier eingesehen werden.

 

Vergleichende Darstellung des Ansteckungsrisisko mit SARS-CoV-2 beladenen Aerosolen in Innenräumen. © TU Berlin / HRI

Vergleichende Darstellung des Ansteckungsrisisko mit SARS-CoV-2 beladenen Aerosolen in Innenräumen.