Management im Gesundheitswesen

PopGroup - Medizinische Versorgung sinnvoll planen

Hintergrund

Das deutsche Gesundheitswesen steht vor enormen Herausforderungen. Die Gesellschaft altert, chronische Krankheiten nehmen zu, und es bestehen simultan Probleme von Unter-, Über- und Fehlversorgung der Bevölkerung. Für die regional differenzierte Erhebung des Versorgungsbedarfs, die Planung von Versorgungsstrukturen sowie die Korrektur ungünstiger Muster der Inanspruchnahme werden bevölkerungsbezogene Klassifikationssysteme benötigt, wie sie in verschiedenen Ländern bereits eingesetzt werden.

Ziel

Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines bevölkerungsbezogenen Klassifikationssystems für das deutsche Gesundheitssystem zur Messung des morbiditätsbezogenen regionalen Versorgungsbedarfs (PopGrouper). Dieses zeichnet sich dadurch aus, dass jede versicherte Person genau einer Gruppe zugeordnet wird. Dadurch werden auch Wechselwirkungen von Multimorbidität auf den Versorgungsbedarf berücksichtigt. In bisherigen deutschen Klassifikationen, wie sie beispielsweise für den morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) zwischen den gesetzlichen Krankenkassen genutzt werden, kann eine Person bei Vorliegen mehrerer Erkrankungen in mehrere Kategorien fallen. Das Projekt kann einen Beitrag zur Verbesserung der Versorgung sowie zur Weiterentwicklung von Methoden der Versorgungsforschung leisten.

Methodik

Versicherte Personen mit ähnlichem Versorgungsbedarf sollen unter Berücksichtigung aller relevanten (ambulanten und stationären) Diagnosen zu Popgroups zusammengefasst werden. Der methodische Gruppierungsansatz soll so gewählt werden, dass medizinisch sinnvolle und ökonomisch homogene Gruppen gebildet werden, die insbesondere auch den Einfluss von Multimorbidität berücksichtigen. Der PopGrouper  wird  anschließend hinsichtlich folgender Anwendungsgebiete erprobt:

  1. Verwendung  als empirische Grundlage für eine sektorenübergreifende, leistungsbezogene, bedarfs- und qualitätsorientierte  Planung der Gesundheitsversorgung sowie zur  Stärkung  der Morbiditätsorientierung in der bestehenden Krankenhaus- und Bedarfsplanung.
  2. Verwendung des PopGroupers für regionale Vergleiche von Qualität und Effizienz (Benchmarking), sowie
  3. für die Evaluation von Interventionen (normative Vorgaben wie Gesetze, Richtlinien, Verträge, neue Versorgungsformen und -prozesse).
  4. Prüfung, ob der PopGrouper – in modifizierter Form – als Aufgreifinstrumentarium für das Case Management genutzt werden kann.

Der PopGrouper soll zusammen mit einer Datensatzbeschreibung und einem Katalog der Gruppen, öffentlich zugänglich gemacht werden.

Organisation

Konsortialführung

TU Berlin, Fachgebiet Management im Gesundheitswesen (MiG)

 

Konsortialpartner:innen

BARMER Institut für Gesundheitssystemforschung (bifg)

aQua-Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen

Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi)

Deutsches Krankenhaus Institut (DKI)

 

Kooperationspartner:innen

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften(AWMF),

Bundesländer (Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Rheinland-Pfalz),

Verband der Universitätsklinika,

Evangelischer  Krankenhausverband,

Robert-Koch-Institut  (RKI),

sowie die Sachverständigen Herr P. Reschke, G. Mewis und Prof. A.Geissler (Universität St. Gallen)

 

Förderkennzeichen 01VSF20027

Publikationen

Wilm Quentin, Reinhard Busse, Verena Vogt, Thomas Czihal, Matthias Offermanns, Thomas Grobe, Klaus Focke: Entwicklung eines Systems zur Klassifikation des morbiditätsbezogenen Versorgungsbedarfs (PopGroup), Seite 78–97, doi: 10.30433/GWA2020, https://www.bifg.de/media/dl/Gesundheitswesen%20aktuell/2020/GWA%202020-Kapitel%20Focke.pdf