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Walter-Höllerer Vorlesung

Die Gesellschaft von Freunden der TU Berlin e.V. lädt ganz herzlich zur Walter-Höllerer-Vorlesung 2023 am Dienstag, den 21.11.2023, um 19.00 im Hörsaal H 104, Hauptgebäude, Straße des 17. Juni 135, 10623 Berlin ein. Um Anmeldung unter sekretariat@freunde.tu-berlin.de wird gebeten.

 

Prof. Dr. Daniel Haun (Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie Leipzig)

Denken mit und ohne Sprache. Lehren aus der Kognitionsforschung mit Menschen und anderen Affen

 

Sprache und Denken – die Frage nach ihrem Zusammenhang hat in den Kognitionswissenschaften eine lange Tradition. Unterscheidet sich die Kognition von sprachfähigen und nicht-sprachfähigen Individuen?

 

Vergleichende Studien mit nicht-menschlichen Primaten überraschen wieder und wieder mit der Dokumentation erstaunlicher kognitiver Kapazitäten, unter anderem solcher, von denen wir glaubten, sie seien sprachabhängig. Zwar können diese Ergebnisse nur bedingt beantworten, ob diese Kapazitäten im Menschen mit dessen Sprachfähigkeiten zusammenhängen, sie beweisen aber, dass Sprachfähigkeit keine notwendige Voraussetzung ist.

 

Sprachen und Denken – unterscheiden sich Individuen auf Arten und Weisen voneinander, die sich direkt auf Unterschiede in den von ihnen erlernten Sprachen zurückführen lassen?

 

Sprachen variieren in Struktur und Inhalt. Diese Unterschiede zwischen Sprachen korrelieren im interkulturellen Vergleich mit menschlicher Kognition in verschiedenen Bereichen wie zum Beispiel der Farbwahrnehmung, der Mengenunterscheidung oder der Raumkognition. Durch Kombination dieser Ergebnisse mit Studien aus der artvergleichenden Kognitionsforschung lassen sich verschiedene phylogenetische und ontogenetische Werdegänge kognitiver Domänen beschreiben.

 

Die Betrachtung des Menschen innerhalb seines artgeschichtlichen Kontextes und unter Berücksichtigung seiner sprachbedingten kognitiven Diversität ermöglicht eine einzigartige Beleuchtung des Zusammenhangs zwischen Sprache und Denken.

 

Einführung: Prof. Dr. Axel Gelfert (Technische Universität Berlin, Fachgebiet Theoretische Philosophie)

An den Vortrag schließt sich ein Gespräch mit Prof. Dr. Ulrike Draesner (Deutsches Literaturinstitut Leipzig) an. 

 

Daniel Haun, geboren 1977 in Bad Kreuznach, studierte experimentelle Psychologie in Deutschland, den USA und Großbritannien und promovierte am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in Nijmegen mit einer Arbeit zur kulturübergreifenden Variabilität von räumlicher Kognition. Er lehrte an den Universitäten in Portsmouth und Jena, ab 2014 dann in Leipzig. Seit 2019 leitet er die Abteilung für Vergleichende Kulturpsychologie am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, verbunden mit einer Professur an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der dortigen Universität. In seiner Forschungsarbeit kombiniert er Ansätze der Entwicklungs-, kulturübergreifenden und vergleichenden Psychologie, um die einzigartige kulturelle Vielfalt des Menschen und die universellen kognitiven Mechanismen, die sie ermöglichen und einschränken, zu untersuchen. Gemeinsam mit seiner Leipziger Arbeitsgruppe geht er den Wechselwirkungen zwischen menschlicher Kognition und Kultur nach, wobei neben interkulturellen Studien dem Vergleich mit den kognitiven Fähigkeiten von Menschenaffen eine besondere Bedeutung zukommt.

 

Ulrike Draesner ist Lyrikerin, Romanautorin, Essayistin und Übersetzerin. Zuletzt erschien 2023 ihr Roman Die Verwandelten. Seit 2018 ist sie Professorin für Deutsche Literatur am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.