Gebäudekunde und Entwerfen

Aktuelles

 

 

 

Gartenerweiterung

Berlin will wachsen. Bis 2030 wird in Berlin die Errichtung von 140.000 neuen Wohnungen angestrebt. Nur etwa 1/4 davon soll in neuen StadtquarGeren entstehen, der Rest muss irgendwie innerhalb der bestehenden Siedlungsfläche realisiert werden.

Berlin will Schwammstadt sein. Zur Kompensierung der zunehmenden Trockenheit und Extremwe_erlagen sollen verstärkt Flächen entsiegelt und eine lokale Regenwasserrückhaltung gefördert werden. So soll z.B. die Zahl der sog. Überlaubage - an denen die KanalisaGon bei Starkregen so überlastet ist, dass Abwässer ungeklärt in die Spree geleitet werden – bis 2024 auf 10-20 pro Jahr halbiert werden.

Die beiden o.g. Zielsetzungen VERDICHTUNG und ENTSIEGELUNG stehen miteinander in Konflikt und nur stellvertretend für viele Gründe, unser Verständnis der Stadt grundsätzlich zu hinterfragen: Wir sind es gewohnt, Stadt und Natur als einen unauflösbaren Gegensatz zu denken. Das Studio „Gartenerweiterung“ wird dieses Paradigma in Frage stellen, indem es die Stadt als ein System biologischer und natürlicher Prozesse, als Konsumenten wie als Produzenten von Ressourcen betrachtet.

Ausgangspunkt des Studios ist der Berliner Tiergarten. Der Tiergarten ist nicht nur Berlins größter Park und ein Ort bemerkenswerter Biodiversität; er ist auch ein extrem urbaner Ort, in dem sich die menschliche Geschichte und die Naturgeschichte Berlins verbinden. Der Tiergarten dient dem Studio als ein Modell; von den Rändern des Tiergartens aus soll der Blick auf die umliegenden QuarGere gerichtet werden und eine „Erweiterung“ des Tiergartens versucht werden - nicht im Sinne einer Erweiterung des Parks an sich, sondern im Sinne eines PerspekGvwechsels, der vom Tiergarten aus den Umbau der Stadt beginnt.

 

 

 

Vernünftige Architektur

Zwischen 1751 und 1772 entsteht die Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers.
Die Publikation, herausgegeben durch Diderot und d'Alembert ist das einflußreichste Werk der Aufklärung und das mit Abstand ambitionierteste Buchprojekt des ausgehenden 18. Jahrhunderts.
In den „Supplements", Bildbände die fast als eigenes Werk innerhalb der Encyclopédie verstanden werden können, beschreiben die Enzyklopädisten die Wissenschaft, die freie Künste und die Mechanik. Architektur erscheint hier nicht als isolierte Disziplin, sondern in ihrer vollen Komplexität, als Teil einer ganzheitlichen Vorstellung der Welt.

 

 

 

Effizienz, Konsistenz, Suffizienz

Die planetare Krise ist eng mit einer Weltanschauung verknüpft, die Natur zu einer beherrschbaren Ressource degradiert. Ein Umstand, der im Zusammenhang mit einer unablässigen Erweiterung der menschlichen Ressourcenbasis seit Jahrhunderten zu irreversiblen ökologischen und sozialen Problemen führt. Der Gebäudebereich erweist sich dabei als eines der Handlungsfelder mit der größten Wirkung auf Klima und Umwelt. Angesichts der fortschreitenden Inanspruchnahme von Energie, Material und Fläche, stellt sich die Frage, welche Strategien in der Lage sind, einen nachhaltigen Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz zu leisten. Effizienz, Konsistenz und Suffizienz gelten auch für die gebaute Umwelt als Basiskonzepte für eine nachhaltige Entwicklung, zeigen aber bei einer häufig zu einseitigen und technikfokussierten Ausrichtung nur eine begrenzte Wirkung.
Wie können wir einen sozialökologischen Transformationsprozess im Gebäudebereich unterstützen und welche Rahmenbedingungen müssen sich dafür verändern?

Annika Hock
2013-17 B. Sc. Architektur und Stadtplanung, Universität Stuttgart
2017-18 City Sanitation Planning / Solid Waste Management (Stadtplanung), CDD Society, Bangalore, Indien
2018-20 M. Sc. Cities & Sustainability | Urban, Energy & Environmental Planning, Aalborg Universitet, Dänemark
2020-21 Ökologische Altbausanierung, Hägi Wendls, Zischenwasser, Österreich (Praxis Projekt mit BASEhabitat, Lehmbau-Institut der Kunstuniversität Linz)
seit 2022: Referentin / Doktorandin, Referat WB5 Grundlagen und Systematik des nachhaltigen Bauens, BBSR, Berlin

Jörg Lammers
1990-97 RWTH Aachen, Diplom Architektur
1998/99 Projektpartner bei Brandlhuber & Kniess in Köln
seit 2000 als freier Architekt in Berlin
2002-08 WiMi am IfA der TU-Berlin
seit 2011 Referent im BBSR, Referat WB7 Klimaneutralität im Gebäudebetrieb
2023 Promotion zum Thema „Technikgebrauch im Wohnungsbau“

 

 

 

Prefigurative Realities. Case Study: The Disillusioned Office

The Disillusioned Office is a minimally invasive office renovation for the digital industry association Bitkom. After completing the organizational study Über das Arbeiten for Bitkom, the concept was translated into a spatial design aiming to minimize the turnover of materials in the process while improving future ways of working inside the office. Much of the 2.5 million Euro budget was spent on preserving what was already there. Similar to the Enttäuschung of epic theater, a situation was created that would disillusion the office as what it is: a pragmatic built-in structure with wood chip wallpaper, in which non the less anything new and different can happen. (Something Fantastic / Gonzales Haase AAS / Ludwig Engel / Stefan Carsten)

 

Ludwig Engel is a futurologist and urbanist. Together with a dense network of collaborators, his post-disciplinary practice spans from teaching, researching, curating, writing, publishing to organizing workshops, conferences, discourse platforms and advising companies and public institutions on the impact of futures and utopias for society’s capabilities to create and design better tomorrows. He co-directs the Studio for Immediate Spaces at Sandberg Instituut in Amsterdam with Julian Schubert (Something Fantastic) and teaches at the Institute for Design and Architecture (Chair: Prof. Arno Brandlhuber) at the Department of Architecture (DARCH), ETH Zurich.  

 

 

Figuren des Fragmentarischen 

Das Fragmentarische ist eine Kategorie der Veränderung. Eine Beschäftigung mit dem Begriff Fragment in seiner modernen, progressiven Auffassung steht für eine prozessorientierte Auseinandersetzung mit dem Werk. Im künstlerischen Werk besitzt das Fragment eine mehrfache Bedeutung zwischen dem Unvollendeten und dem Unvollendbaren. Reste, Risse, Lücken oder Brüche geben der Kunst einen neuen Ausdruck; verstummende Stimmen, abgebrochene Gesten, unvollendete Verse im fragmentarischen Schreiben, Dissonanzen, Verfremdungen und Verzerrungen verändern Klang und Ausdruck aller Formen der künstlerischen Darstellung. In der Architektur ist das Fragment zunächst stiller Zeuge der Veränderung und des Umbruchs. Vom Bild der gebrochenen Form (das Insignum des Fragments) bis zum Fragmentarischen als Qualität der architektonischen Ordnung eröffnet sich das Fragment als zwischen Bild und Begriff oszillierendes Instrument der Kritik. Als solches stellt es in der Architektur legitimierte Totalitätskategorien, Klassifizierungen und Konventionen der Raumproduktion und -gestaltung infrage.

 

 

Küche, Stube, usw.

Im Rahmen der Vorlesungsreihe “Konventionen” hält Architekturtheoretiker Dr. Joachim Krausse einen Vortrag zu Struktur und Evolution der modernen Kleinwohnung. Anknüpfend an seinen vor 50 Jahren begonnenen und gemeinsam mit Jonas Geist durchgeführten Unternehmungen zur Geschichte der Kleinwohnung im Medium des Fernsehdokumentarfilms "Küche, Stube usw." (1978) wird Krausse über die Transformation der Wohnung für Arbeiter und Angestellte im 20. Jahrhundert sprechen. Die baugeschichtliche Analyse wird dabei durch eine Kommunikations- und mediengeschichtliche Analyse der bewohnten Räume ergänzt. Der Vortrag zeigt Filmbeispiele.

 

 

Gebäudekunde: Konventionen

Der Anspruch der Gebäudelehre liegt in der Schaffung einer rationalen Grundlage für die Bearbeitung aller Bauaufgaben. Die Klassifizierung der Architektur nach Bautypen folgt der Prämisse eines logischen (und weitgehend unveränderlichen) Zusammenhangs von Form und Nutzung. So simpel und überholt dieser methodische Ansatz auch sein mag, so hartnäckig prägt der „Typus" das architektonische Denken. Die Vorlesungsreihe Gebäudekunde: Konventionen will den Versuch unternehmen, dem Begriff des „Typus“ den der „Konvention“ entgegenzustellen: Gebäude (und ihr Umbau) entstehen im Kräftefeld verschiedenster Faktoren wie Bautechnik und -konstruktion, Normen, Kosten, Baurecht, Nutzererwartungen, Renditeerwartungen etc. Alle diese „Konventionen“ sind kontinuierlich in Veränderung. Die Qualität eines Gebäudes ist wesentlich abhängig von der Fähigkeit der Architektin, sich innerhalb dieses Kräftefeldes zu positionieren und über die bloße Anwendung von Regeln hinaus die Welt zu gestalten.

Die Vorlesungsreihe findet immer donnerstags, von 18:30 bis 20:30 Uhr, im Hörsaal A053 statt. Sie beginnt am 02. November 2023.