Technische Universität Berlin

ZUKUNFTSWERKSTATT an der TU Berlin: Ideen in Gang setzen

„Wer nicht an die Zukunft denkt, der wird bald große Sorgen haben!“, wusste schon Konfuzius. In ihrer „ZUKUNFTSWERKSTATT“ wollen Nele von Schauenburg und Samuel Hummel gesellschaftliche Veränderungen kritisch begleiten und Bewusstsein für die eigene Verantwortung wecken. Den beiden Student*innen ist es wichtig, Handlungskompetenzen des Einzelnen zu erkennen und kreative Lösungsansätze für die Fragen von morgen zu entdecken. Sie haben die „ZUKUNFTSWERKSTATT“ als eine der Projektwerkstätten an der TU Berlin ins Leben gerufen. Sie laden Student*innen ein, gemeinsam aus technologischer, ökonomischer, ökologischer, soziologischer und insbesondere auch ethischer Perspektive zu überlegen, was die Themen von morgen sind und wie die einzelnen Aspekte in Verbindung stehen. Die ZUKUNFTSWERKSTATT startete im Oktober 2020 und läuft bis September 2022.

Nachhaltige und sozial gerechte Zukunft

Nele von Schauenburg, im Masterstudiengang Innovation Management, Entrepreneurship and Sustainability an der Technischen Universität Berlin, und Samuel Hummel, im Masterstudiengang Betriebswirtschaftslehre an der Universität Potsdam, ermuntern Student*innen aller Fakultäten, von Wirtschaftsingenieurwesen über Bildungswissenschaft und Landschaftsarchitektur bis hin zu Maschinenbau und Lebensmitteltechnologie, eigene Aktivitäten auf die Beine zu stellen. „Wir wollen eine nachhaltige, sozial gerechte Zukunftsgestaltung nicht nur in der Theorie besprechen, sondern überlegen, wie wir Lösungen in der Praxis umsetzen können“, beschreibt Nele von Schauenburg.

Die Initiative ging von Nele von Schauenburg aus. Inspiriert durch andere Projektwerkstätten kam ihr die Idee für die ZUKUNFTSWERKSTATT. Für den Weg von der Themenfindung über die Problembeschreibung bis zur Umsetzung der Maßnahmen haben sich Nele von Schauenburg und Samuel Hummel drei Phasen überlegt: In der Benennungsphase geht es darum, Assoziationen wertefrei und unzensiert laufen zu lassen und das Problem umfassend zu umschreiben. In der anschließenden Utopiephase ist Mut gefragt: Es werden konstruktive Ideen gesammelt, unabhängig davon, wie realistisch sie sind. Erst in der Realisierungsphase werden die Vorschläge darauf überprüft, ob sie sich umsetzen lassen.

„Als wir schon die grundsätzliche Idee entwickelt hatten, stießen wir bei der Recherche auf die Zukunftswerkstatt von Robert Jungk, die wir dann in unser Konzept mit aufgenommen haben“, erzählt Nele von Schauenburg. Die Methode geht auf den Zukunftsforscher Prof. Dr. Robert Jungk zurück, der 1970 an der TU Berlin zum Honorarprofessor benannt wurde. Hinter diesem in den 1980er Jahren ausgearbeiteten Beteiligungsformat steckt die Idee, Betroffene zu Beteiligten zu machen.

Die Zukunft ist unverpackt

An dieser Projektwerkstatt an der TU Berlin nehmen die Student*innen jeweils ein Semester lang teil. Zu Beginn des Wintersemesters 2020/21 wählten sie frei und konsensdemokratisch die Themen aus, die sie behandeln wollten: Plastikmüll, Klimawandel, Massentierhaltung, Ressourcenknappheit, Anstieg der Weltbevölkerung auf elf Milliarden Menschen bis 2100, Mobilität, Ungleichheit auf der Welt und Digitalisierung. Seitdem trafen sie sich einmal pro Woche und entwickelten in der Benennungs- und Utopiephase gemeinsam Ideen. Einige Sitzungen begannen mit einem Impulsreferat, zu dem Expert*innen eingeladen wurden. Die dritte Phase der Realisierung setzten die Student*innen zum Abschluss des Semesters in Eigenarbeit um, indem sie sich mit bestehenden Initiativen beschäftigten oder sogar eigene Initiativen konzipierten.

„Die offene Beteiligung war für viele ein neues Format, das viel Kreativität in Gang gesetzt hat. Es gab für alle eine beeindruckende Lernkurve“, berichtet Samuel Hummel. „Schon bei der ersten Themensitzung zu Plastikmüll hat alles super funktioniert. Wir hatten als Expertin die Gründerin von dem plastikfreien Supermarkt „unverpackt berlin“ eingeladen. Sybille Lippert erzählte, wie sie den Laden mit ihrem Mann Steffen damals gründete, weil sie in Anbetracht der Plastikflut das Gefühl hatte, etwas tun zu müssen. Das war ein toller Einstieg, die Diskussion war von Anfang an lebhaft mit großartigen Fragen. Am Ende waren wir uns alle einig: Die Zukunft ist unverpackt.“

Jede Woche brachte ein neues take-away

Am Ende jeder Sitzung hätte es Key-take-aways gegeben, zu denen die Student*innen viel beigetragen hätten. Samuel Hummel gibt zu: „Die Diskussion zu der Beziehung zwischen Fleischkonsum und Klimawandel haben auch mich nochmal mehr zur vegetarischen Lebensweise motiviert. Im Laufe des Semesters haben wir über die Themen ein breites Basiswissen erlangt, das dann auch über den Kurs hinaus in den Bekanntenkreisen der Teilnehmer*innen geteilt wurde. Die breite Fächerung hat sich auf jeden Fall gelohnt.“

Kritisch wurden auch ethische Dilemmata besprochen. Beim autonomen Fahren treten zum Beispiel Entscheidungssituationen auf, in denen aus moralischer Sicht gleichzeitig Handlungen geboten sind, die einander ausschließen: Riskiert man mit einem zu kurzen Bremsweg, wenn plötzlich jemand auf die Fahrbahn tritt, denjenigen zu überfahren? Oder weicht man seitlich aus und fährt dabei eine Menschengruppe an? Durch den Ausbau erneuerbarer Energien wird die Elektromobilität die Zukunft des Verkehrs mitbestimmen. Trotzdem wird es insgesamt nötig sein, den individuellen Auto-Verkehr zu begrenzen und die Pkw-Anzahl zu reduzieren.“

Impulse kamen gut an

Das nächste Semester wird mit neuen Teilnehmer*innen starten, die neue Themen auswählen können. „Wir möchten auf jeden Fall noch mehr Expert*innen einladen“, nimmt sich Nele von Schauenburg vor. „Das hat nicht immer geklappt.“

„Außerdem wollen wir die Tools vor allem in der Utopiephase noch abwechslungsreicher gestalten und mehr Methoden erproben“, fügt Samuel Hummel hinzu. „Bislang haben wir vor allem Breakout-rooms genutzt. Im Sommersemester 2021 wollen wir auch mal Debatten mit Kontra-Rollen ausprobieren.“

Bei den Student*innen kann die ZUKUNFTSWERKSTATT gut an. Eine Teilnehmerin schrieb: „Vielen Dank für die Möglichkeit, an so einem tollen Modul teilnehmen zu können! Ich habe viel über Themen gelernt, die mich wirklich sehr interessieren, aber auch über Problematiken, die mir noch nicht so bewusst waren. Ich werde die ZUKUNFTSWERKSTATT auf jeden Fall weiterempfehlen!" Ein Student denkt sogar über ein Start-up zu nachhaltigem Tourismus nach.

 

Das Gespräch führte Christina Camier.

Kontakt

Nele von Schauenburg

Master Innovation Management, Entrepreneurship and Sustainability (IMES)

zukunftswerkstatt.tuberlin@gmail.com

Einrichtung TU Berlin, Technologie- und Innovationsmanagement

Samuel Hummel

Master Betriebswirtschaftslehre (Innovationsmanagement und Entrepreneurship)

Einrichtung Universität Potsdam