Technische Universität Berlin

Vorbildliche digitale Lehre

Prof. Dr.-Ing. Vera Meyer und Prof. Dr.-Ing. Utz von Wagner erhalten für ihre digitalen Lehrveranstaltungen den Preis für vorbildliche Lehre

Von heute auf morgen mussten kurz vor Beginn des Sommersemesters vor einem Jahr Lehrende und Studierende vom Hörsaal ins Internet umziehen. Es war das erste Digital-Semester, und die Inhalte von Lehrveranstaltungen mussten ausschließlich über den Computer vermittelt werden. Da liegt es nahe, dass der Preis für vorbildliche Lehre, der jedes Jahr durch die Gesellschaft von Freunden der TU Berlin e. V. vergeben wird, in diesem Jahr für die beste digitale Lehrveranstaltung ausgelobt wurde. Genauer gesagt: für die beste digitale Vorlesung/Integrierte Lehrveranstaltung in der Bachelorlehre im Sommersemester 2020.

Gewürdigt werden Innovationen und „Best Practice“-Beispiele guter Lehre an der TU Berlin, um diese somit auch nach außen und innen deutlich sichtbarer zu machen. Der mit 4.000 Euro dotierte Preis wird jährlich mit unterschiedlichen Schwerpunkten ausgeschrieben.  In diesem Jahr wurden Prof. Dr.-Ing. Vera Meyer vom Fachgebiet Angewandte und Molekulare Mikrobiologie und Prof. Dr.-Ing. Utz von Wagner vom Fachgebiet Mechatronische Maschinendynamik mit dem Preis gewürdigt.

Lehre als Teamleistung

Rund 700 Teilnehmer*innen zählte die Lehrveranstaltung „Statik und elementare Festigkeitslehre“, für die Prof. Dr. Utz von Wagner ausgezeichnet wurde. Sie ist Pflicht- oder Wahlpflichtveranstaltung in allen Bachelorstudiengängen der Fakultät V Verkehrs- und Maschinensysteme und auch zahlreicher MINT-Studiengänge anderer Fakultäten. Vorlesungen und große Übungen, die sonst in der Gesamtgruppe im Audimax stattfinden, wurden asynchron durch neu produzierte Videos abgedeckt. Ergänzt wurde dies durch Tutoriumsaufgaben sowie Zusatzmaterialien wie Formel-, Theorieaufgaben- und Rechenaufgabenblätter. Bei der Erstellung der Vorlesungsfilme kam Utz von Wagner sein Hobby zugute. „Schon seit meiner Jugend filme und fotografiere ich begeistert. So war es für diese Situation ein Glücksfall, dass ich über entsprechende Ausrüstung verfüge“. Das fachliche Material wurde, ergänzt durch An- und Abmoderationen, aufgenommen im eigenen Garten und mit kleinen Pausenvideos mit Inhalten aus Natur und Technik aus der eigenen Sammlung. Zu den sonst in Kleingruppen gehaltenen Tutorien wurden neu produzierte Screencasts sowie wöchentliche Selbsttests angeboten. Als synchrones Format gab es vor allem die in großem Umfang angebotenen Sprechstunden, die so weiterentwickelt wurden, dass dort als Einstieg zunächst kleine Aufgaben vorgerechnet wurden, um eine Diskussion über die Inhalte in Gang zu bringen. „Die Grundlagenveranstaltungen in Technischer Mechanik sind immer eine Teamleistung“, betont Utz von Wagner, „Über 20 Lehrende waren an der Statik und elementaren Festigkeitslehre beteiligt - Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen, Tutor*innen und Professor. Organisiert wurde der Tutoriums- und Sprechstundenbetrieb von  Dr. Sylwia Hornig und Unterstützung gab es auch wieder, wie seit vielen Jahren, von der Zentraleinrichtung Wissenschaftliche Weiterbildung und Kooperation der TU Berlin.“ Neben dem Team dankt Utz von Wagner auch den Studierenden: „Es ist bestimmt nicht alles von Beginn an perfekt gelaufen, wir mussten uns auch erst einrichten in der neuen Situation.  Ich glaube aber, dass wir schnell gelernt haben. Wir bedanken uns für viele positive und konstruktive Rückmeldungen von den Studierenden.“ Das Preisgeld soll der Ausstattung für die Lehre zugute kommen.  

Über den mikrobiologischen Tellerrand schauen

An der teils asynchron und teils synchron durchgeführten Lehrveranstaltung „Mikrobiologie II“, die Prof. Dr. Vera Meyer an der Fakultät III Prozesswissenschaften anbietet, nahmen im Sommersemester 2020 rund 80 Studierende der Fächer Biotechnologie bzw. Brauerei- und Getränketechnologie teil. Neben den eigentlichen Vorlesungsvideos von Vera Meyer wurden zusätzlich weiterführende Videos, die das jeweilige Vorlesungsthema vertieften, auf Youtube hochgeladen. Diese waren als weiterführende Lektüre gedacht und sehr nachgefragt. Zudem wurde auf passende, aktuelle Nachrichtenvideos aus den öffentlichen Medien verwiesen, die im weiteren mikrobiologischen Kontext standen. Zum eigentlichen (synchronen) Vorlesungstermin fand eine Diskussionsrunde über die Vorlesungsinhalte via Zoom statt, die mit einer 20minütigen Quizz-Session eingeleitet wurde. Die Teilnehmer*innen bekamen Quizfragen auf ihr Handy zugeschickt und beantworteten diese live. Die Antworten wurden dann im Plenum ausgewertet, diskutiert und eröffneten den Raum für weiterführende Fragen der Studierenden. „Die synchronen Termine waren bei den Studierenden sehr beliebt, denn es ergaben sich immer lebendige Diskussionen, häufig auch über den mikrobiologischen Tellerrand hinaus. Somit war es möglich, dass sich die Studierenden auch im digitalen Raum kennenlernten, miteinander austauschten und sich gemeinsam der mikrobiellen Welt nähern konnten“, sagt Vera Meyer. Parallel dazu fand eine studentische Sprechstunde über den ISIS-Chat statt, in der eine Tutorin weitere studentischen Fragen beantwortete. Das Preisgeld wird Vera Meyer für ein Deutschland-Stipendium spenden. „Damit möchte ich dazu beitragen, dass eine Studentin oder ein Student der Biotechnologie sich ein Jahr lang ohne finanzielle Nöten ganz dem Studium widmen kann“, erklärt sie.

 

Autorin: Bettina Klotz