„Ein Gefühl für die TU Berlin erzeugen“ und „Wandel aktiv gestalten“

Auf der 2. Klausurtagung Lehre der Fakultät V – Verkehrs- und Maschinensysteme ging es um die zukünftige schulische Nachwuchsarbeit und potentielle Integration gesellschaftlicher Herausforderungen in die Curricula

Dr. Mareen Derda, Prodekanin für Studium und Lehre sowie Gleichstellung, und Christine Krejci, Referentin für Studium und Lehre, haben die Klausurtagung organisiert. Janina Göbel vom Team Strategische Lehrentwicklung, die die Veranstaltung in einem Graphic Recording festgehalten hat, traf die beiden danach zum Gespräch und fragte nach ihrer Motivation und ihren Eindrücken.

Am 19. Mai 2022 hat die Klausurtagung Lehre der Fakultät V zum zweiten Mal stattgefunden. Das Thema lautete „Wandel gestalten – Gesellschaftlichen Herausforderungen in Lehre und Lernen begegnen“. Was war Ihre Motivation für die Veranstaltung und welchen Fragen wollten Sie mit dieser Schwerpunktsetzung begegnen?

Mareen Derda: Ausgangspunkt und Motivation der Veranstaltung stellten die Änderung der Allgemeinen Studien- und Prüfungsordnung der TU Berlin (AllgStuPO, besonders § 44 (3)), als auch die seit Jahren sinkende Zahl von Bewerbungen für unsere Studiengänge gleichermaßen dar. Beides fordert eine Überarbeitung der Curricula. So wie die Anforderungen der Arbeitswelt einem ständigen Wandel unterliegen, müssen auch die Studiengänge verändert werden. Sie haben ja zum Ziel, den Studierenden das nötige Wissen und die Kompetenzen zu vermitteln, um erfolgreich in ihren späteren Berufen arbeiten und auf Veränderungen in der Berufswelt reagieren zu können. Die kompetente Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologie ist im Rahmen des Studiums stetig auf- und auszubauen. Ebenso brauchen wir aber auch deren Verknüpfung mit aktuellen wie zukünftigen gesellschaftlichen Herausforderungen, beispielsweise Nachhaltigkeit und Diversität. Diesen Wandel möchten wir mit den Lehrenden der Fakultät und durch sie aktiv gestalten. Durch die Integration gesellschaftsrelevanter Themen soll zugleich die Attraktivität unserer Studiengänge erhöht werden. Die Klausurtagung Lehre rief zur Diskussion darüber auf, wie wir diese Integration konkret gestalten können.

Doch was bringen die attraktivsten, zukunftsorientiertesten Studiengänge, wenn sie niemand studiert? Aus diesem Grund stellte auch die schulische Nachwuchsarbeit einen Schwerpunkt der Klausurtagung dar. Einige Projekte und Initiativen der Fakultät hierzu sind zum einen aufgrund der Pandemie, zum anderen aber auch aus Finanzierungsgründen bedauerlicherweise in der letzten Zeit versandet. Diese wieder zu aktivieren, weiter auszubauen und hierdurch unsere Studiengänge bei Schülerinnen und Schülern bekannter zu machen, war ebenfalls Ziel der Klausurtagung.

Die erste Klausurtagung Lehre 2019 hatte den Fokus auf „Besser Lehren und Lernen an der Fakultät V“ gelegt, war die Veranstaltung jetzt eine Fortsetzung oder ein Neustart nach den „Corona-Semestern“?

Christine Krejci: Eine Klausurtagung der Fakultät, die ausschließlich den Bereich Lehre beleuchtet, war von Anfang an auf Langfristigkeit ausgelegt. In der ersten Klausurtagung standen die Ergebnisse des internen Studiengangsreviews im Fokus: was können wir an den Studiengängen verbessern, wo können wir auch gemeinsam als Fakultät neue Wege beschreiten? Die zweite Klausurtagung hingegen richtete den Blick, wie Mareen schon dargelegt hat, mehr in die Zukunft: wie kann man die Curricula noch mehr auf aktuelle Themen wie Nachhaltigkeit, Diversität, Ethik und Digitalisierung ausrichten? Was müssen wir als Fakultät tun, um auch Schüler*innen für unsere Studiengänge zu gewinnen?

Mareen Derda: Die Diskussion von Themen zur Verbesserung der Lehre wurde und wird stetig fortgesetzt – universitätsweit, aber eben auch an der Fakultät V. Daher sehe ich die zweite Klausurtagung als Fortsetzung der ersten. Auch, bzw. besonders während des Beginns der Pandemie, wurde viel an der Gestaltung von Lehre gearbeitet, nur vielleicht mit einem anderen Fokus. Ging es während der ersten Phase der Pandemie vorrangig darum, in welchem Format die Lehrveranstaltungen überhaupt umgesetzt und angeboten werden können, sollte jetzt der Blick wieder geweitet werden.

Wie wurde die Idee einer Klausurtagung Lehre an Ihrer Fakultät aufgenommen, gab es Schwierigkeiten bei der Vorbereitung?

Christine Krejci: Die Idee entstand relativ kurzfristig und wurde von Beginn an von allen Beteiligten begrüßt. Eingeladen und teilnehmend waren die Professor*innen der Fakultät genauso wie wissenschaftliche Mitarbeitende und Vertreter*innen der Fachschaftsinitiativen. Die Teilnehmerzahl lag bei ca. 60 Personen.

Mareen Derda: Ich denke, dass es ein großes Bedürfnis nach Austausch unter den Lehrenden der Fakultät V gab und gibt. Ich habe mich sehr gefreut, dass die Zusammensetzung der Teilnehmenden sehr heterogen war, also sowohl Professoren und Professorinnen, als auch wissenschaftliche Mitarbeitende und Studierende da waren. Gerade die Zusammensetzung der Teilnehmer*innen ist uns sehr wichtig. Die Attraktivität und Gestaltung der Studiengänge muss immer von beiden Seiten – Lernende und Lehrende – betrachtet und diskutiert werden.

Sie sagten, dass die Erhöhung der Attraktivität der Studiengänge und das Thema „Gewinnung neuer Studierender“ im Fokus der Veranstaltung stand. Wurden Best-Practice-Beispiele als Möglichkeiten, potentielle Bewerber*innen zu akquirieren, vorgestellt?

Mareen Derda: Ja, es wurden Best-Practice Beispiele, wie Schüler*innenlabore und Schüler*innenaktivitäten vorgestellt. Insbesondere wurde natürlich das langjährige Projekt „Roberta“ präsentiert, das von Nadine Klein geleitet wird und gerade ein Relaunch erfährt. Es wird unter dem neuen Namen „INGenius“ ausgebaut. Des Weiteren habe ich einen kleinen Einblick in die Wirksamkeitsforschung zu Schülerlaboren durch eine Kurzvorstellung einiger Ergebnisse meiner Dissertation geben können. Außerdem wurden die Vorhaben an unserer Fakultät bezüglich des Ausbaus der Beteiligung an Messen und Informationsveranstaltungen für Schüler*innen erläutert. Und über den Input zur möglichen schulischen Nachwuchsarbeit von Ulrike Kretzmer, Leiterin des Schulbüros, habe ich mich sehr gefreut. Jetzt heißt es dranbleiben!

Christine Krejci: Wie von Mareen anfangs bereits erwähnt, können wir  unsere Studiengänge durch die Integration aktueller Herausforderungen, wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Diversität und Ethik, für zukünftige Studierende zwar attraktiver gestalten. Die Informationen zu unseren Studiengängen müssen jedoch auch durch die eben beschriebenen Aktivitäten bei den Schüler*innen ankommen.

Ein Impulsvortrag trug den Titel „Herausforderungen der neuen AllgStuPO“ – was hat es damit auf sich? Und gab es konkrete Ergebnisse und Vorschläge, wie diese Herausforderungen gemeistert werden können?

Christine Krejci: Der neue Vizepräsident der TU Berlin Christian Schröder hat mit diesem Vortrag einen regen Austausch im Plenum initiiert. Für den Schwerpunkt der Diskussion der Klausurtagung war, wie schon erläutert, vor allem der neue § 44 (3) wesentlich, in dem es neben guter wissenschaftlicher Praxis, vor allem um gesellschaftliche Verantwortung und nachhaltige Entwicklung geht.

Mareen Derda: Mit den nun nötigen Überarbeitungen unserer studiengangspezifischen Studien- und Prüfungsordnungen (StuPOs) möchten wir Themen wie Nachhaltigkeit, Diversität, Ethik und Digitalisierung noch stärker in die Module und Studiengänge einbringen. Erste Vorschläge hinsichtlich der Umsetzung in die Curricula gibt es bereits, diese hat André Schelewsky – Referent für Studium und Lehre an der Fakultät V – auch auf der Klausurtagung vorgestellt. Da es uns aber wichtig ist, die Lehrenden der Fakultät V aktiv einzubinden, hat die Klausurtagung lediglich einen Auftakt dargestellt. Die konkrete Umsetzung soll weiterhin gemeinsam diskutiert werden.

Wie haben Sie die Stimmung unter den Teilnehmenden auf der Klausurtagung wahrgenommen?

Mareen Derda: Die Stimmung unter den Teilnehmenden habe ich als offen, diskussionsbereit und motiviert erlebt. Natürlich gibt es auch immer kritische Fragen, die auch gut sind, um die Diskussion zu beleben. Während der Workshops wurden Ist-Zustände der eigenen Lehrveranstaltungen als auch zukunftsorientierte Lösungsansätze offen besprochen. Es wurde auch deutlich, dass die Arbeit hier erst begonnen hat und noch einiges vor uns liegt.

Christine Krejci: Nach so langer Zeit wieder in Präsenz überzugehen und auch in den Pausen wieder die Möglichkeit zu haben, persönliche Gespräche zu führen, wurde positiv aufgenommen.

Was hat Sie persönlich an diesem Tag überrascht? Gab es Impulse und Themen, die gänzlich neu waren? Gab es Eindrücke, die Ihren Blick noch einmal verändert oder geschärft haben?

Mareen Derda: Positiv überrascht hat mich, dass generell in der Fakultät viel Engagement im Rahmen der schulischen Nachwuchsarbeit besteht – obwohl diese „neben der eigentlichen Arbeit“ stattfindet und weder zentral dokumentiert, noch honoriert wird. Beim diesjährigen Girls Day waren von acht Workshops der TU Berlin, sieben allein aus der Fakultät V. Darauf bin ich sehr stolz, wünsche mir aber hier auch tatsächlich den Mitarbeitenden etwas „zurückgeben“ zu können. Ihr Engagement, das bislang allein auf intrinsischer Motivation beruht, sollte honoriert werden.

Wie geht es nun weiter?

Mareen Derda: Um die angestoßene Diskussion fortzuführen, haben wir am Ende der Klausurtagung zur Teilnahme am Think Tank „Integrierte Technikreflexion“ eingeladen. Im gemeinsamen Austausch wollen wir nach Ansätzen für die Lehre suchen, um Themen wie Diversität, Nachhaltigkeit, Ethik und gesellschaftliche Verantwortung neben Digitalisierung und Internationalisierung stärker in die Studiengänge der Fakultät zu integrieren. Bis zum Ende dieses Jahres sind sechs (hybride) Termine geplant, in denen wir auf einen regen Austausch hoffen. Alle Mitarbeitenden der Fakultät V sind bereits an dieser Stelle herzlich eingeladen!

Das Interview führte Janina Göbel.