Kunstgeschichte der Moderne

„Modern art is not an isolated phenomenon in history” – Universalistische Ausstellungsprojekte in Museen moderner Kunst, von der Weimarer Republik zur frühen Nachkriegszeit

Dissertationsprojekt von Lisa Ahlers

Die Frage, wie heute, nach dem Ende eines westlichen Universalismus, Erzählungen einer „shared humanity“ zu gestalten oder nicht zu gestalten sind, hat auch die Kunstmuseen erreicht. Ihre Beantwortung erfordert ein besseres Verständnis für das (Nach-)Wirken universalistischer Ideologie – ihrer Versprechen sowie Verfehlungen und blinden Flecke. Wenn heute etwa erörtert wird, ob Sammlungen mithilfe neuer Ordnungspraktiken Kunstgeschichte(n) globaler schreiben können, dann haben diese Debatten Vorläufer, die bislang kaum thematisiert wurden. Unter Schlagworten wie „Grundgefühle der Menschheit“, „kinship“ oder „timelessness“ experimentierten Sammlungen moderner Kunst bereits in den 1920er bis 1950er Jahren mit Ausstellungsformaten, die den Modernebegriff zeitlich und räumlich drastisch ausweiteten: Auf eine geistige Verwandtschaft pochend wurden dort Werke der europäischen Avantgarde mit Arbeiten anderer Epochen und Kontinente zu formvergleichenden „Weltreisen durch die Seele der Zeiten“ arrangiert.

Ausgehend von zwei historischen Momenten – die Weimarer Republik, mit Fokus auf das neueröffnete Museum Folkwang in Essen 1922–1934, sowie die frühe Nachkriegszeit in den USA, mit Fokus auf die Jubiläumausstellung Timeless Aspects of Modern Art, 1948 im New Yorker Museum of Modern Art sowie die Wanderschau 4000 Years of Modern Art, 1953/1956, initiiert vom Baltimore Museum of Art – will die Arbeit solche musealen Versuche einer weltkunsthistorischen Einbettung der Moderne erstmals kritisch beleuchten. Eine detaillierte Analyse ihrer Akteurennetzwerke, Objektauswahl und Publikationen soll den Transfer von ursprünglich in kunstwissenschaftlichen Schriften und Bildalben entwickelten Argumenten und Montagestrategien zur Synopse künstlerischer Vielfalt in das Medium Ausstellung darlegen. Das Wissen um Motivation, Methodik und Rezeption dieser historischen Bemühungen, ein vermeintlich ewig gültiges menschliches Formenerbe nachzuweisen, soll einen Beitrag zur kritischen Reflexion (scheinbar) weltumspannender Geschichtsmodelle in Kunstmuseen leisten.

Das Projekt wird gefördert durch die Gerda Henkel Stiftung.
Betreuung: Bénédicte Savoy, Henry Keazor