Kunstgeschichte der Moderne
© Museum für Naturkunde Berlin - Historische Bild- u. Schriftgutsammlungen

Dinosaurier in Berlin! Brachiosaurus brancai - eine politische, wissenschaftliche und populäre Ikone

BMBF Projekt
Der Dinosaurier als museales und populäres Objekt (Teilprojekt 3)

Seit fast acht Jahrzehnten überragt ein Objekt die Berliner Museumslandschaft: das Skelett des Brachiosaurus brancai, das seit 1937 im Lichthof des Berliner Naturkundemuseum aufgestellt ist. Es wurde ab 1909 in der damaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Tansania, unter Führung von Paläontologen des Museums für Naturkunde Berlin ausgegraben.
Das Teilprojekt am Institut für Kunstgeschichte der Technischen Universität Berlin untersucht die berühmten Funde der Tendaguru-Expedition aus kultur- und bildwissenschaftlicher sowie museumsgeschichtlicher Perspektive. Es fokussiert insbesondere die Funktionen des Brachiosaurus brancai als museales und populäres Objekt. Dafür untersucht es die Prozesse seiner (Re-)Konstruktionen,(Re-)Animationen und Revisionen und fragt wie sich die museale und mediale Inszenierung von der Grabungskampagne bis in die Gegenwart verändert haben. Wie aus den fossilen Funden ein naturhistorisches Ausstellungsstück wurde, untersucht das Projekt anhand der materiellen Kultur des Transfers vom Feld ins Museum für Naturkunde und der dortigen Präsentation des Dinosauriers. Dabei gilt es insbesondere der Spannung zwischen Ästhetisierung, Kommodifizierung und Naturalisierung, die der Brachiosaurus brancai verkörpert, auf die Spur zu kommen. Hierfür werden Verpackungstechniken und Verschickungspraktiken ebenso untersucht wie der gestalterische Materialgebrauch und räumliche Inszenierungsstrategien. Daran schließt zum einen die Frage nach der musealen Präsentation von Dinosauriern im transnationalen Vergleich an. Zum anderen soll es um die medialen Repräsentation und (Re-)Animationen in Film-, Text- und Bildmedien gehen. Wie wurde die damalige Grabungsexpedition medial inszeniert und wie wurde der Dinosaurier in populären Medien ästhetisch, politisch und ökonomisch ‚verwertet‘? Ziel ist es herauszuarbeiten, auf welche Weise sich populäre und wissenschaftliche Wissenskulturen beeinflussten; und nicht zuletzt wie sich die Rolle des Dinosauriers als Teil einer internationalen populären Kultur im Laufe des 20. und 21. Jahrhunderts wandelte.

Verbundprojekt: Dinosaurier in Berlin! Brachiosaurus brancai - eine politische, wissenschaftliche und populäre Ikone

Das Verbundprojekt untersucht Brachiosaurus brancai als politische, wissenschaftliche und populäre Ikone im Jahrhundert von der Ausgrabung bis in die Gegenwart. Die politische, wissenschaftliche und museale Geschichte, Funktion und Gestaltung der weltberühmten paläontologischen Funde wird dabei in drei eng miteinander verzahnten Teilprojekten untersucht.
Die Funde legen nicht nur ein Zeugnis der jurassischen Vergangenheit unseres Planeten ab. Als museale Objekte umspannen sie außerdem die Geschichte des vergangenen Jahrhunderts: Ausgegraben wurden sie während des kolonialen Kaiserreichs, präpariert in den Jahren der Weimarer Republik und während des Nationalsozialismus der Öffentlichkeit präsentiert- 1943 wurden sie im Keller des Museums gesichert und 1953 in der nun geteilten Stadt wiedererrichtet, um schließlich 2007 im Museum neu aufgestellt zu werden. Brachiosaurus brancai ist damit ein globales Brückenobjekt, das unterschiedliche erdgeschichtliche Zeiten, politische Räume, Nationen, Kulturen und Wissensformen miteinander verbindet.

Brachiosaurus brancai in der Debatte

Brachiosaurus brancai ist als Starobjekt der Grabungsergebnisse vom Tendaguru seit mehr als einhundert Jahren Gegenstand des öffentlichen und politischen Interesses. In letzter Zeit stand vor allem die Frage nach den Erwerbskontexten der Dinosaurierfossilien im medialen Fokus.
Die Provenienzforschung bildet einen wesentlichen Bestandteil des Verbundprojekts „Dinosaurier in Berlin! Brachiosaurus brancai - eine politische, wissenschaftliche und populäre Ikone“. Die Erwerbskontexte werden v.a. durch das Teilprojekt am Seminar für Afrikawissenschaften an der Humboldt-Universität durch Dr. Holger Stoecker untersucht. Die Forschungsergebnisse des Verbunds werden im Sommer 2018 im Wallstein Verlag publiziert.

Presse-Echo

Projektlaufzeit
2015 - 2018

Team
Bénédicte Savoy (TU Berlin)
Mareike Vennen (TU Berlin)
Holger Stoecker (HU Berlin)
Marco Tamborini (Museum für Naturkunde)
​​​​​​​Ina Heumann (Museum für Naturkunde)

 

Förderung

Kooperationspartner*innen