Kunstgeschichte der Moderne

Privater Kunstbesitz und öffentliche Interessen. Die Berliner Leihausstellungen alter Kunst im Deutschen Kaiserreich

Dissertationsprojekt von Sandra Kriebel

Die Dissertation untersucht den temporären Transfer von privatem Kunstbesitz aus dem Wohnbereich seiner Besitzer:innen in den öffentlichen Raum sogenannter Leihausstellungen. Das Ausstellungsformat war im 19. und frühen 20. Jahrhundert europaweit verbreitet und wird nun erstmals anhand von zehn Berliner Fallbeispielen der Zeit zwischen der Reichsgründung und dem Ersten Weltkrieg systematisch erforscht.

Initiatoren dieser Veranstaltungen waren der Verein Deutsches Gewerbemuseum, die Kunstgeschichtliche Gesellschaft, der Kaiser-Friedrich-Museumsverein, aber auch die Königliche Akademie der Künste. Zu den Akteuren gehörten neben den Museumsdirektoren Wilhelm von Bode, Julius Lessing, Max J. Friedländer und Ludwig Justi auch wichtige Berliner Sammler wie James Simon, Oscar Hainauer und Eduard Arnhold sowie mehrere Mitglieder des Deutschen Kaiserhauses, allen voran Friedrich III. und Wilhelm II.

Anhand bislang unbekannter fotografischer Aufnahmen, zeitgenössischer Berichte und Archivquellen sowie mithilfe detaillierter digitaler Rekonstruktionen und deskriptiver Analysen kann die Arbeit die kuratorischen Strategien einiger der wichtigsten Ausstellungsmacher ihrer Zeit umfassend veranschaulichen. Darüber hinaus arbeitet die Untersuchung sowohl die potenziellen sozialen Implikationen für die beteiligten Leihgebenden (z.B. Distinktion und Partizipation) als auch die kulturpolitischen Absichten der Initiatoren dieser Schauen (z.B. Förderung der Museumslandschaft, Geschmacksbildung, kulturdiplomatische Ziele) heraus und stellt sie in den erweiterten Kontext der der Museums- und Ausstellungsgeschichte des Deutschen Kaiserreichs.

Betreuung: Bénédicte Savoy, Dorothee Haffner (HTW Berlin)

Die Dissertation wurde 2021 abgeschlossen.