Kunstgeschichte der Moderne

Paul Delaroche – Das Phänomen globaler Berühmtheit im 19. Jahrhundert: Kunstöffentlichkeit - Kunstkritik - Kunstmarkt

Dissertationsprojekt von Lisa Hackmann

Der Historienmaler Paul Delaroche (1797–1856) inszenierte in seinen Bildern wirkungsvoll die schicksalhaften Momente gekrönter Häupter der englischen und französischen Geschichte. Damit wurde er nicht nur in Europa, sondern auch in Nordamerika zu einem gefeierten Künstler. Unmittelbar nach dem Tod des französischen Malers attestierte ihm die internationale Presse einhellig eine globale Strahlkraft, die kein Künstler je zuvor erreicht hätte.

Die Studie beleuchtet erstmals das Phänomen der globalen Berühmtheit Delaroches vor dem Hintergrund eines sich rasant wandelnden Kunstsystems in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Fokus liegt auf den Mechanismen des Ausstellungswesens, der Rolle der Kunstöffentlichkeit, der Kunstkritik sowie des europäischen und transatlantischen Kunstmarkts.

Um den Untersuchungsgegenstand in seiner Vielschichtigkeit zu erfassen, stützt sich die stark auf historischen Quellen basierende Arbeit auf die Kulturtransferforschung sowie den sozialhistorischen Ansatz der Kunstmarktforschung. In ihrem Verständnis von Berühmtheit orientiert sie sich an Studien aus dem interdisziplinären Feld der celebrity studies.

Der umfassende Blick ermöglicht es, ein differenziertes Bild von Delaroches Karriere zu zeichnen: So behandelt die Studie erstmals ausführlich die jahrzehntelange Lehrtätigkeit des Künstlers und seine internationale Schülerschaft, seine rege Teilnahme an außerakademischen Ausstellungen in Frankreich und im Ausland, neue Vermarktungsstrategien und die Preise, die seine Werke auf dem internationalen Kunstmarkt erzielten. Die Zusammenschau der vier analysierten Themenbereiche erlaubt, bestimmte Wirkungszusammenhänge und Zäsuren in Delaroches Werdegang in neuem Licht zu sehen.

In einem größeren Rahmen versteht sich die vorliegende Arbeit vor allem als Beitrag zur Erforschung und Neubetrachtung sich verändernder gesellschaftlicher, medialer und geografischer Rahmenbedingungen für Künstlerkarrieren in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Betreuung: Bénédicte Savoy, Gregor Wedekind (Univ. Mainz)

Die Dissertation entstand in Verbindung mit dem Projekt ArtTransForm: Transnationale Künstlerausbildung zwischen Frankreich und Deutschland 1793–1870 und wurde 2020 unter dem Titel »›Der berühmte Maler‹: Der Aufstieg des französischen Historienmalers Paul Delaroche (1797–1856) zum internationalen Star seiner Zeit« abgeschlossen. Sie ist 2022 als Buch erschienen.