Kunstgeschichte der Moderne

Kunst, Kopie, Technik. Galvanoplastische Reproduktionen in Kunstgewerbemuseen des 19. Jahrhunderts

Dissertationsprojekt von Daniela C. Maier

In den Kunstgewerbemuseen des 19. Jahrhunderts stellten galvanoplastische Reproduktionen – neben anderen vervielfältigenden Medien wie Gipsabgüssen und Fotografien – einen signifikanten Sammlungsgegenstand dar. Auf der Basis eines neuen elektrochemischen Verfahrens konnten historische Goldschmiedearbeiten fortan sehr genau kopiert und die Sammlungen mit ihrem enzyklopädischen Anspruch vervollständigt werden. Die Museen waren an der Verbreitung dieser dreidimensionalen Kopien maßgeblich beteiligt: Sie sammelten, tauschten, präsentierten und produzierten galvanoplastische Reproduktionen, die sie von externen Kooperationspartnern oder in eigenen Produktionsstätten herstellen ließen.

Anhand von umfassendem Quellenmaterial wie Statuten, Festschriften, Jahresberichten, Ausstellungskatalogen, Museumsführern, Korrespondenzen und Zeitschriften analysiert die Studie exemplarisch die diversen Rezeptionsmodi von galvanoplastischen Reproduktionen in den Kunstgewerbemuseen in Berlin, Budapest, London, Paris und Wien. Sie zeichnet dabei die Chronologie dieser Kopiengattung von den (technischen) Voraussetzungen über ihre Etablierung hin zu einer allmählichen Abwertung am Beginn des 20. Jahrhunderts nach. Das Dissertationsprojekt beleuchtet damit die facettenreichen Bedeutungs- und Bewertungsgeschichten von galvanoplastischen Reproduktionen im Spannungsfeld zwischen künstlerischer Inspirationsquelle, technischer Innovation und nationaler
Identitätsstiftung.

Betreuung: Birgitt Borkopp-Restle (Univ. Bern), Bénédicte Savoy

Die Dissertation wurde 2020 unter dem Titel »Kopien zwischen Kunst und Technik. Galvanoplastische Reproduktionen in Kunstgewerbemuseen des 19. Jahrhunderts« abgeschlossen. Sie ist 2022 als Buch erschienen.