Technische Universität Berlin

Wenn Studierende die Lehre übernehmen

Früh übt sich – wer Themen und Ideen für eigene Studienprojekte mitbringt, der kann an der TU Berlin auch mal ganz ohne Professor*innen oder Dozent*innen studieren. Die Projektwerkstätten oder tu projects behandeln nachhaltige Themen, die bisher nicht im normalen Lehrplan auftauchen.  Das Besondere an den Projektwerkstätten der TU Berlin: Nachhaltigkeit ist nicht nur für den Lehrinhalt gefordert, sondern trägt auch das Konzept. Durch die viersemestrige Laufzeit gelingt es häufig, einzelne erfolgreiche Lehrbausteine oder Konzepte dauerhaft in die Lehre an der TU Berlin zu integrieren.

Projektwerkstätten/tu-projects: Nachhaltiger Einsatz gefragt

Das NaWaRo-Fahrrad (Regionale NachWachsende Rohstoffe auf zwei Rädern), Elektromobile, Deutschkurse in der Box oder auch Gemeinschaftliches Bauen – das waren nur einige der diversen Themen, die von Studierenden in den vergangenen Jahren im Rahmen von Projektwerkstätten/tu-projects erforscht wurden. Das Prinzip ist einfach: Die Idee für das neue Lehrprojekt wird von den Studierenden selbst entwickelt und in einem Antrag formuliert. Dieser muss im Wesentlichen vier Bedingungen erfüllen: Das Thema ist noch nicht im „normalen“ Lehrangebot der TU Berlin zu finden. Die didaktische Herangehensweise ist eine Alternative zu dem vorhandenen Lehrangebot. Das Projekt ist ökologisch und/oder sozial nützlich und interdisziplinär ausgerichtet und es gibt ein Fachgebiet, dass das Projekt inhaltlich und organisatorisch betreut.

Ist das gewährleistet, können Studierende aller Hochschulen, Semester und Studiengänge einen Antrag beim Vizepräsidenten für Studium und Lehre, Digitalisierung und Nachhaltigkeit der TU Berlin stellen. Die Zentraleinrichtung Wissenschaftliche Weiterbildung und Kooperation/kubus der Universität unterstützt und berät die Studierenden bei der Antragstellung. Zusätzlich sorgt sie für die Qualitätssicherung des Programmes und evaluiert den Erfolg. Wird der Antrag bewilligt, erhält das Projekt zwei Jahre lang finanzielle Unterstützung zur Einstellung von Tutor*innen und für die Durchführung. Dann kann es auch schon losgehen.

Espressokochen mit Biogas

Ausprobiert haben das zum Beispiel auch Catherina Clausnitzer, Nhu Anh Nguyen, Sophia Kunze und Maria Emmerich, die das tu project „creative biogas lab“ gründeten beziehungsweise dort als Tutorinnen wirkten. Betreut wurde das Projekt von Prof. Dr. Peter Neubauer und Dr. Stefan Junne vom Fachgebiet Bioverfahrenstechnik. Ihr Ziel war es, gemeinsam mit den Studierenden die Biogastechnologie als erneuerbare Energieform und deren nachhaltige Integration in regionale, geschlossenen Kreisläufe zu untersuchen. Dazu wurde von Studierenden aus den verschiedensten Studiengängen auf dem Gebiet der Naturwacht Berlin-Marienfelde eine Kleinst-Biogasanlage gebaut, die organische Abfälle verarbeitet. Die Anlage wurde den Sommer über betrieben und gewartet. Durch den praktischen Einsatz von diversen Messtechniken und Sensoren sowie die Analyse der erhobenen Daten, wurde die Biogasproduktion fortlaufend optimiert. Daneben organisierte man verschiedene Workshops, Exkursionen oder auch eine Veranstaltung zum Thema Nachhaltigkeit für Kinder. Willkommener Abschluss des Projektes: Eine Runde Espresso für alle – nachhaltig gekocht mit dem Biogas aus der eigenen Anlage.