Technische Universität Berlin

Universität ohne Grenzen: „Ich habe gelernt, dass ich überall zu Hause sein kann.“

Abdul Alzuabi nahm 2016 am Programm für Geflüchtete „In(2)TUBerlin“ teil. Knapp vier Jahre später schließt er den Masterstudiengang Bauingenieurwesen ab.

Abdul Alzuabi ist angekommen – in Deutschland, in Berlin, an der Technischen Universität Berlin. Er hat viel erreicht seit dem Tag als er Damaskus in Syrien aufgrund des Krieges verlassen musste, sich auf einen langen Fluchtweg begab und 2015 schließlich in der Hauptstadt an der Spree ankam. Er hat Deutsch gelernt, seine Masterarbeit „Untersuchung der seitlichen Überholabstände von Kraftfahrzeugen zu Radfahrenden bei Führung im Mischverkehr“ geschrieben, war Stipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung und hat eine Wohngemeinschaft in einem Hausprojekt gefunden, wo er zusammen mit Freund*innen lebt. Seit einem Jahr ist er in Besitz der unbefristeten Aufenthaltsgenehmigung. Abdul Alzuabi lacht, die Freude über seine Erfolge steht ihm gut. Der Weg war nicht leicht, die deutsche Sprache und die deutsche Bürokratie waren seine größten Herausforderungen.

Das Programm „In(2)TU Berlin“ bereitet geflüchtete Studieninteressierte auf ein Studium an einer deutschen Universität vor

Damaskus verließ der Student mit dem Bachelor für Bauingenieurwesen. Er wollte nach Berlin. „Wie alle anderen auch“, sagt er. Ein Freund machte ihn auf das Gaststudium „In(2)TU Berlin“ aufmerksam, das Geflüchteten einen niederschwelligen Einstieg in das Fachstudium ermöglicht und in dessen Rahmen sie auf Wunsch schon anrechenbare Studienleistungen erwerben können. Für den damals 24-Jährigen war es die Chance.

Er wollte keine Zeit verlieren. Schon drei Monate später war er Gasthörer und Pionier in dem gerade aufgelegten Programm. „Wir hatten da noch keine Vorbilder“, sagt er. Heute sieht das schon anders aus. Rund 660 Geflüchtete (Stand Februar 2020) haben seitdem an „In (2)TU Berlin“ teilgenommen. Die überwiegende Mehrheit, etwa 80 Prozent, kommt aus Syrien. Die zweitgrößte Gruppe aus dem Iran, gefolgt von Afghanistan und Irak. „Wir haben aber auch geflüchtete Studieninteressierte und Studierende aus Ländern wie Jemen, Libyen, Sudan, Palästina und aus der Türkei“, sagt Katharina Kube, Projektleiterin des Programms.

Der erste Weg führte Abdul Alzuabi damals zur Allgemeinen Studienberatung, die Studieninteressierte und Studierende mit Fluchthintergrund über ihre Möglichkeiten an der TU Berlin berät. „Insgesamt haben wir in der Allgemeinen Studienberatung von 2015 bis Anfang 2020 über 6000 Gespräche mit Geflüchteten geführt“, sagt Katharina Kube.

MINT-Sprachkurse und Buddy-Programme zur Vorbereitung auf sein Studentenleben

In nur elf Monaten lernte der junge Syrer Deutsch. Er besuchte die MINT-Sprachkurse des Studienkollegs zur (fach-)sprachlichen Vorbereitung auf das Studium an der TU Berlin, schaffte alle Prüfungen bis zum Level C1 auf Anhieb.

„Deutsch stand für mich im Fokus“, sagt er. Zeit, zusätzlich Vorlesungen zu besuchen, hatte er nicht. Schon in dieser Zeit lernte er studienbezogene Fachbegriffe und neben Umgangs- auch wissenschaftliche Sprache.

Abdul Alzuabi hatte sich beim Studienkolleg der TU Berlin auch für das Buddy-Programm angemeldet. Es bringt Geflüchtete und TU-Studierende zusammen. Sie erkunden zusammen den Campus, sprechen Deutsch miteinander.

Das Buddy-Tandem hielt nicht lange. „Ich habe schnell selber Freund*innen gefunden“, sagt Abdul Alzuabi.

Erfolgreiche Bewerbung um einen Studienplatz im Masterstudiengang Bauingenieurwesen

Dass er schon so kurz nach seinem Ankommen in Deutschland die TU Berlin besuchen konnte, half ihm bei der Integration. Der Besuch der Uni gab ihm Struktur und er lernte, sich in der Bürokratie zurechtzufinden. „Ich wurde intensiv auf mein Leben als Student an der TU Berlin vorbereitet.“

Seine Dozent*innen unterstützen ihn auch beim Bewerbungsprozess, um sich auf den Masterstudiengang Bauingenieurwesen zu bewerben. „Schon zwei Wochen, nachdem ich den Sprachkurs am Studienkolleg abgeschlossen hatte, habe ich mit dem Master angefangen“, sagt er stolz. Ein Semester später arbeitete er als studentischer Mitarbeiter bei der Studienberatung. Hier beriet er auch Geflüchtete. „Ich wusste ja aus eigener Erfahrung, wie wertvoll diese Arbeit ist“, sagt er. Seit einem Jahr arbeitet Abdul Alzuabi als Assistent der Bauleitung bei einer mittelständischen Baufirma. „Auch diesen Erfolg habe ich meiner guten Ausbildung an der TU Berlin zu verdanken“, sagt er.

Abdul Alzuabi würde Berlin als Heimat bezeichnen, so wie auch Damaskus seine Heimat war und Paris seine Heimat sein könnte. „Ich habe gelernt, dass ich überall zu Hause sein kann“, sagt er. Mit der richtigen Unterstützung zur richtigen Zeit.

Angebote für geflüchtete Studieninteressierte

Die TU Berlin war die erste Universität in Berlin mit einem Programm für geflüchtete Studieninteressierte. Neben „In(2)TU Berlin“ gibt es auch verschiedene dezentrale Angebote, beispielsweise:

Außerdem engagiert sich die TU Berlin für geflüchtete Wissenschaftler*innen und ist Mitglied im Netzwerk Scholars at Risk.

Kontakt

In2TUBerlin

Allgemeine Studienberatung

in2@tu-berlin.de

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Adresse Straße des 17. Juni 135
10623 Berlin