Technische Universität Berlin

Ideen aus aller Welt für die eigene Uni

Wie die Mitarbeiter*innen der Technischen Universität Berlin in die Arbeit ihrer Kolleg*innen im Ausland schnuppern

„Eine und dieselbe Aufgabe kann man auch komplett anders angehen, um das gleiche oder sogar ein besseres Ergebnis zu erzielen. Das war für mich eine wichtige Erkenntnis“, sagt Nadja Wisniewski. Sie hielt sich im Rahmen des Programms zur Personalmobilität eine Woche lang an der Norwegian University of Science and Technology (NTNU) in Trondheim auf.

Nadja Wisniewski, heute Geschäftsführerin beim Exzellenzcluster „Math+“ leitete noch die Verwaltung der Fakultät II Mathematik und Naturwissenschaften als sie sich entschloss, am Personalmobilitätsprogramm der Technischen Universität Berlin (TU Berlin) teilzunehmen. Sie fand es faszinierend, dass die NTNU, die zu den strategischen Partneruniversitäten der TU Berlin gehört, ihre Verwaltungsprozesse gänzlich anders organisiert und hatte den Kontakt gesucht.

„Für die meisten ist die erste Kontaktaufnahme zunächst eine Herausforderung“, erklärt Domenica Gerike, die sich im Bereich Internationales um die Organisation des Programms kümmert, „aber in der Praxis ist das meist kein Problem. Ich unterstütze dabei auch gern.“

Mit dem Programm kann das Verwaltungs- und Technikpersonal internationale und interkulturelle Erfahrungen sammeln

Das Programm, das Reisekosten und Spesen übernimmt, wurde auf Initiative der Vizepräsidentin für Strategische Entwicklung, Nachwuchs und Lehrkräftebildung Prof. Dr. Angela Ittel der TU Berlin 2015 aus der Taufe gehoben, um dem Verwaltungs- und Technikpersonal zu ermöglichen, internationale und interkulturelle Erfahrungen zu sammeln.

Zunächst waren Aufenthalte bei den fünf strategischen Partneruniversitäten in Polen, Norwegen, Italien, Österreich, und Russland möglich. Inzwischen hat sich das Programm auf die Erasmus-Partner und andere ausgeweitet.

„Wir haben festgestellt, dass es keinen Sinn ergibt, die Reiseziele zu begrenzen“, so Domenica Gerike dazu. „Bei einer schlüssigen Begründung sind wir für alle Ziele offen und helfen auch bei der Durchführung.“

So kehren mittlerweile jährlich rund 30 Beschäftigte ihrer TU Berlin für rund eine Woche den Rücken und schnuppern in die Arbeitsbereiche ihrer internationalen Kolleg*innen hinein, um von ihnen zu lernen.

 

„Die Kolleg*innen hatten ein Programm für mich zusammengestellt, in dessen Verlauf ich sowohl mit Verantwortlichen auf der operativen wie auf der strategischen Ebene zusammenkam.“

Für Nadja Wisniewski war die Kontaktaufnahme nicht besonders schwierig: „Die TU Berlin pflegt bereits seit Jahren intensive Kontakte zur NTNU. So konnte ich über die Internationalisierungsreferentin des dortigen Rektorats erste Kontakte knüpfen“, erzählt sie.

„Insbesondere interessierte mich, welche Auswirkungen es hat, dass die NTNU im Gegensatz zur TU Berlin nur über eine sehr kleine zentrale Verwaltungseinheit im Bereich des Rektorats verfügt. Alle anderen Prozesse laufen direkt in den Fakultäten“, erklärt sie. Sehr herzlich sei sie dort aufgenommen worden.

„Wir verständigten uns auf Englisch. Die Kolleg*innen hatten ein Programm für mich zusammengestellt, in dessen Verlauf ich in Fakultäten und Instituten sowohl mit Verantwortlichen auf der operativen wie auf der strategischen Ebene zusammenkam, Fragen stellen und intensive Gespräche führen konnte.“

Gerade in der Diskussion mit Wissenschaftler*innen habe sie festgestellt, „dass man sich doch trotz eines komplett anderen Kulturhintergrundes sehr ähnlich ist – und auch die Karrierewege ähnlich funktionieren.“   

Seit 2019 können auch Teams die Weiterbildungsmöglichkeit in Anspruch nehmen

„Sprachbarrieren können allerdings ein Grund sein, warum sich einige Beschäftigte nicht so einfach allein ins Ausland wagen“, sagt Domenica Gerike. Deshalb sei zum Beispiel die deutschsprachige TU Wien ein besonders beliebtes Anlaufziel. Doch eine weitere Neuerung soll diese Hürden abbauen. Seit 2019 können auch Teams diese Weiterbildungsmöglichkeit in Anspruch nehmen. Als eine der ersten Gruppen, die noch in diesem Jahr reisen werden, haben sich vier Bibliotheksmitarbeiterinnen zusammengeschlossen.

Zwei kommen aus der Universitätsbibliothek, zwei aus der Fakultätsbibliothek Wirtschaft und Management. Die beiden Bibliotheken arbeiten auch im Alltag eng zusammen. An verschiedenen Hochschulen in Dänemark, in Kopenhagen und in Arhus, wollen sie Informationen darüber sammeln, welche UX-Methoden dort angewandt werden. Das sind Methoden, Angebote am Bedarf der Nutzer*innen auszurichten, die auch aus der IT zur Website-Gestaltung bekannt sind.

„Die dänischen Unis sind bei diesem Thema sehr weit vorne, und haben bereits ein Netzwerk gegründet“, erklärt Dr. Anke Quast, die an der Universitätsbibliothek die Hauptabteilung Nutzung leitet. Zu viert wollen die Bibliotheksexpertinnen von den dänischen Kolleg*innen erfahren, was dort auf Akzeptanz der Nutzer*innen gestoßen ist und was sich als nützlich erwiesen hat. Dabei wollen sie Ideen für eigene neue Angebote sammeln.

Bewerbungen für die nächste Runde Personalmobilität sind wieder möglich

Wer jetzt Lust bekommen hat, es den Weltreisenden gleichzutun: Bewerben kann man sich jedes Jahr bis 31. Mai sowie bis 31. Oktober. „Und es lohnt sich, die Scheu zu überwinden“, bestätigt Nadja Wisniewski.

„Mein Interesse an Norwegen hat sich sehr ausgeweitet, sowohl kulturell als auch wissenschaftlich.“ Sie und all die anderen, die bereits an dem Programm teilgenommen haben, haben viele Ideen mitgebracht, um die eigene Arbeitsorganisation einmal mit anderen Augen zu betrachten und vielleicht auch zu verbessern.