Historische Bauforschung und Baudenkmalpflege

Die Transformation der Mikroregion Pergamon zwischen Hellenismus und Römischer Kaiserzeit

Die Rekonstruktion der komplexen Interaktionen zwischen Natur und Zivilisation verlangt nach interdisziplinärer Zusammenarbeit von Geistes-, Ingenieur- und Naturwissenschaften. Nur auf dieser Basis ist es möglich, unser Verständnis der alten Welt um die bislang vielfach vernachlässigten sozial-ökologischen Aspekte zu erweitern. Ein Weg zu diesem Ziel führt über die Untersuchung von Mikroregionen, die nicht nur geographisch definiert sind, sondern auch gemeinsame kulturelle Netzwerke und wirtschaftliche Kreisläufe aufweisen. Das antike Pergamon (Bergama) und die umgebende Landschaft im Nordwesten der Türkei liefern dafür ein gutes Beispiel. Seit 140 Jahren arbeiten hier Archäologen gemeinsam mit zahlreichen anderen Disziplinen unter der Ägide des Deutschen Archäologischen Instituts und mit Genehmigung des Ministeriums für Kultur und Tourismus der Republik Türkei an der Erforschung der Metropole. Dieses besondere Potential und eine interdisziplinäre Strategie zu seiner wissenschaftlichen Auswertung sind von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit der Bewilligung der ersten Förderphase eines auf 12 Jahre ausgelegten Langfristvorhabens gewürdigt worden. In dem Projekt arbeiten Archäologie, Bauforschung und Physische Geographie mit zahlreichen weiteren historischen und naturwissenschaftlichen Disziplinen zusammen. Das Fachgebiet Historische Bauforschung und Baudenkmalpflege der Technischen Universität Berlin beteiligt sich im Bereich Bauforschung an den Untersuchungen im Projekt TransPergMikro unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Thekla Schulz-Brize. Während der Ausgrabungskampagnen kommen DoktorandInnen und MasterstudentInnen des Fachgebiets jährlich mit anderen KollegInnen in einem internationalen und interdisziplinären Team zusammen und führen historische Bauforschungsarbeiten in Pergamon durch. TransPergMikro bietet die Möglichkeit, Erfahrungen in den Methoden der Bauforschung zu sammeln. Die TeilnehmerInnen vertiefen ihre Kenntisse in der Baudokumentation und -analyse, der 3D-Photogrammetrie, der tachymetrischen Vermessung sowie im Zeichnen. Zudem bietet die Pergamongrabung eine freundschaftliche und effektive Zusammenarbeit mit KollegInnen unterschiedlicher Disziplinen und Länder.
Weitere und aktuelle Informationen zum Projekt: www.dainst.blog/transpergmikro

Teilprojekte

© Ihsan Yeneroglu

Das Amphitheater von Pergamon

Die Forschungen zum Amphitheater beschäftigen sich zum einen mit der Dokumentation und Analyse des riesigen Gebäudes als Einzelmonument, zum anderen wird aber auch seine Rolle für die Transformation der Stadtentwicklung während der römischen Kaiserzeit untersucht.

© Günay Gökhan

Die Ostthermen von Pergamon

Die Ostthermen von Pergamon werden im Rahmen des TransPergMicro-Projekts untersucht. Die Erforschung dieser römischen Thermenanlage soll Aufschluss über die Bautechnik und technische Ausstattung des Gebäudes geben und neue Erkenntnisse über die Stadtentwicklung des römischen Pergamons liefern.

© Ihsan Yeneroğlu

Das sog. Untere Westliche Gymnasium

Die Untersuchungen am sogenannten Unteren Westlichen Gymnasion in der Pergamon Grabungskampagne 2021 lieferten spannende Ergebnisse zum Bauwerk selbst, zur Entwicklung der römischen Unterstadt und zu einem möglichen gemeinsamen Bauprogramm der römischen Großbauten von Pergamon.

© Günay Gökhan

Die Westthermen von Pergamon

Die Westthermen von Pergamon gelten als ausgewöhnlicher Thermenkomplex in der Region Asia Minor und wurden in der Sommerkampagne 2022 von Studierenden des Masterstudiengangs Histrorische Bauforschung und Denkmalpflege dokumentiert und untersucht.