Technische Universität Berlin

Beton zum Leuchten bringen

Das Start-up SIUT ist auf Erfolgskurs. Es konnte auf die Unterstützung der Technischen Universität Berlin setzen

In der Peter-Behrens-Halle im Technologie- und Innovationspark im Wedding hat das Start-up SIUT seine Innovationswerkstatt. Seit der Gründung im Jahr 2015 tüfteln die Alumni der Technischen Universität Berlin (TU Berlin) in der Versuchshalle des Instituts für Bauingenieurwesen daran, tristen Beton in unterschiedlichsten Farben zum Leuchten zu bringen. „Hier finden Prototyping, Forschung und Entwicklung statt“, sagt Vincent Genz, einer der Gründer. Marketing und Planung finden an einem ruhigeren Ort statt – in einem Büro im Prenzlauer Berg.

Das wissenschaftliche Umfeld der TU Berlin bot den jungen Gründenden sowohl Freiraum zum Experimentieren als auch den Rat von Expert*innen

Die Idee, den traditionellsten aller Baustoffe zum Leuchten zu bringen, hatten Vincent Genz und sein damaliger Kommilitone Benjamin Westerheide bereits 2012. Beide studierten da noch Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Berlin. „Mein Schwerpunkt lag auf Bau-Beton“, sagt Genz. Ein Jahr lang recherchierten die Studenten und probierten verschiedene Betonrezepturen aus. In einer Garage mischten sie mit Küchenmixern Zement, Kies, Sand, Wasser und Betonzusatzstoffe in immer verschiedenen Anteilen zusammen, um die Eigenschaften des Baustoffs zu beeinflussen. Da von Anfang an die Komponente Licht mit eingeplant war, experimentierten sie auch mit diversen Lichtelementen. Als sie mit ihren Ergebnissen zufrieden waren, holten sie sich professionelle Hilfe bei Betontechnikern der Universität und entwickelten gemeinsam mit ihnen einen speziellen Verbundwerkstoff, mit dem es gelingt, Lichtpunkte gezielt im Beton zu verteilen. „Ohne das wissenschaftliche Umfeld, das uns die TU Berlin geboten hat, hätten wir das nicht geschafft“, sagt Vincent Genz.

Als ihr Produkt weit genug entwickelt war, um Fliesen und Platten aus Lichtfaserbeton zu bauen, wandten sie sich mit ihrer Geschäftsidee an das Centre for Entrepreneurship, das Start-ups der TU Berlin in ihrem Gründungsprozess unterstützt. Hier erhielten sie ihren ersten Büroraum und Hilfe beim Antrag auf ein EXIST-Gründerstipendium. Die einjährige Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unterstützt unter anderem Studierende, die ihre Gründungsidee realisieren und in einen Businessplan umsetzen möchten. Studierende erhalten 1000 Euro pro Monat. Es finanzierte Genz und Westerheide auch einen Coach, der ihnen bei der Gründung zur Seite stehen sollte. So kam Jörn Reinhold ins Team. Nächtelang saßen sie zusammen und arbeiteten an einem Finanzierungsplan. Die Chemie zwischen den Dreien stimmte, Reinhold gab seinen Berater-Job auf und stieg bei SIUT ein.

Wie der Beton „smart“ wurde und warum sich die Deutsche Bahn für das Start-up interessiert

Viele Nächte und Wochenenden schlugen sich die Drei um die Ohren, bevor sie 2015 mit ihrem Produkt an den Markt gingen. Hatten sie am Anfang noch von leuchtendem Deko-Beton geträumt, der Badezimmer oder Hausfassaden illuminiert, haben sie heute, vier Jahre nach Firmengründung, ihre Produktpalette erweitert. „Wir sehen Beton als neues Kommunikationsmittel“, sagt Jörn Reinhold. Und das meinen sie ernst – sie reden von smartem Beton, von einem traditionellen Baustoff, der in die digitale Welt verankert werden soll. Dazu werden in den Beton Lichtwellenleiter integriert. Intelligente Elektronikkomponenten verarbeiten und interpretieren Daten unterschiedlichster Quellen und lassen den Beton punktuell erstrahlen oder dynamische Muster in verschiedenen Farben abbilden – die dann beispielsweise als Wegeleitsystem genutzt werden können.

Den Weg zum smarten Beton gehen die Gründer mit ihrem Kooperationspartner Deutsche Bahn. Ihr Ziel: Steine mit integrierter SIUT Technologie sollen entlang des Bahnsteigs die Einfahrt des Zuges ankündigen oder die Position von Türen anzeigen. Farbige Lichtmuster können dem Fahrgast in Zukunft vor Einfahrt des Zuges zeigen, in welchem Abteil noch Platz ist. Die Signale würden aus dem Zug gesendet, in einer Cloud gespeichert und von dort an das Kontrollcenter weitergeleitet, das die smarten Betonelemente steuert. Leuchten die LEDs rot, weiß der Fahrgast, dass der Waggon voll ausgelastet ist, leuchten sie grün, kann er sich einen freien Platz suchen.

Mittlerweile haben sie schon einige Projekte umgesetzt. Am Anfang stand der Einsatz des Produktprototypen im S-Bahnhof Stuttgart Bad Cannstatt. Mehrere Monate konnte ab Oktober 2017 getestet werden, wie Passagiere durch Lichtsignale vermittelte Informationen über einfahrende Züge aufnehmen. Auf dieser Grundlage wurde das finale LED-Leitsystem entwickelt, das aktuell bereits für mehrere Bahnhöfe im Bundesgebiet eingeplant ist.

Bestätigung kommt außerdem immer wieder auch durch Preise, die die Innovationsleistung des jungen Unternehmens würdigen. Die „Leuchtende Bahnsteigkante“ ist einer der Gewinner im Wettbewerb „Deutscher Mobilitätspreis 2018“ der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ und gewann den Dekra Award 2018 in der Kategorie „Sicherheit im Verkehr“. An die Spitze setzen konnte sich SIUT außerdem beim Innovationspreis Berlin-Brandenburg 2018, beim Innovationspreis 2018 des Verband Deutscher Bahnindustrie (VDB) oder zuletzt beim Handelsblatt Award 2019, bei dem das Unternehmen als Sieger der Kategorie "Future Materials" hervorging.

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