Technische Universität Berlin

Erdbeobachtung in Echtzeit

LiveEO analysiert vollautomatisch Satelliten- und Drohnendaten und monitort global Infrastrukturnetzwerke

„We deliver answers from above“ – der Slogan erinnert an ein Zitat aus einem Science-Fiction-Roman. Dahinter steht jedoch eine Geschäftsidee, die der Alumnus der Technischen Universität Berlin (TU Berlin) Sven Przywarra gemeinsam mit seinem Kompagnon Daniel Seidel umgesetzt hat. Ihr großes Ziel: Weltraumtechnologie einzusetzen, um das Leben auf der Erde zu verbessern. Ihre Vision: Jedes Infrastrukturnetz der Erde zu überwachen. Ihr Konzept: Satellitendaten auswerten, um Infrastrukturnetze wie Stromleitungen, Eisenbahnen oder Gaspipelines zu erfassen, um anhand dieser Daten Unternehmen zu helfen, bessere Geschäftsentscheidungen treffen zu können.

Mit Satellitendaten und Künstlicher Intelligenz automatisch Infrastrukturen überwachen – die Geschäftsidee der zwei jungen Gründer wächst zu einem Unternehmen an

Dafür gründeten sie im ersten Schritt Anfang 2017 ihr Start-up LiveEO. Im zweiten Schritt werteten sie Satellitenaufnahmen aus und identifizierten kritische Infrastrukturpunkte. Zum Beispiel: wilde Vegetation könnte Stromleitungen stören, Bäume drohen auf Bahnschienen zu fallen, durch Bodenabsenkung könnte ein Leck in einer Pipeline entstehen. Die Erfassung der aktuellen Situationen an den kritischen Punkten und die Zusammenführung der Daten erfolgt im dritten Schritt automatisch in der Cloud. So können mithilfe eines selbstlernenden Systems auf Basis von „Neuronalen Netzen“ Risikomodelle stetig verbessert werden. „Dadurch sind wir nicht nur in der Lage, Sturmschäden an Bahngleisen oder anderen Netzwerken landesweit zu reduzieren, sondern es können durch eine mit historischen Daten trainierte Künstliche Intelligenz auch Vorhersagen und Evaluierungen für Versicherungen und die Finanzindustrie durchgeführt werden“, sagt Przywarra. Der Plan ist, später auch Drohnen einzusetzen, um Satelliten- und Drohnendaten zu kombinieren.

Hört sich an wie ein Science-Fiction-Film? Ist es aber nicht. Im Mindbox der Deutschen Bahn unter den S-Bahnbögen der Jannowitzbrücke forschen Sven Przywarra und Daniel Seidel an dieser Technik gemeinsam mit einem mittlerweile fünfzehn Personen starken Team, in dem Raumfahrtingenieure Hand in Hand mit Informatikern, Geo-Expert*innen und Wirtschaftsingenieur*innen arbeiten. Ihren Hauptsitz haben sie im Centre for Entrepreneurship (CfE) an der TU Berlin, wo sie ihr Unternehmen von der Idee bis zur Geschäftsreife entwickelt haben.

Die beiden Gründer ergänzen sich mit betriebswissenschaftlichem und technischem Know-how und profitierten von der Gründungsförderung der TU Berlin

Sven Przywarra studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Berlin, Daniel Seidel Luft-und Raumfahrttechnik an der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen. Als sie auf einer Luft- und Raumfahrtmesse miteinander ins Gespräch kamen, war schnell klar, dass sie auf einer Wellenlänge schwimmen würden. Vom ersten Treffen bis zur Entwicklung der Geschäftsidee dauerte es nur wenige Monate.

Sven Przywarra, damals noch im Bachelorstudium, ging mit der Idee zum CfE, das ihnen ihren ersten Büroraum zur Verfügung stellte und ihnen half, ein Exist-Gründerstipendium zu beantragen. Vorträge und Workshops zu Business-Plänen und zur Existenzgründung rundeten das Angebot ab. „Sie unterstützen uns am CfE sehr gut“, sagt Przywarra, der kurz nach Gründung des Start-ups LiveEO seinen Bachelorabschluss machte.

Seitdem kümmert er sich um die wirtschaftlichen Aspekte des jungen Unternehmens. Er baut Vertriebsstrukturen auf, wirbt neue Kunden und kümmert sich um das operative Geschäft. Daniel Seidel treibt die technische Entwicklung voran.

Förderung durch die Deutsche Bahn sowie mehrere Auszeichnungen und Preise zeugen vom Erfolg der Gründenden

Ein vierter Schritt folgte: Sie bewarben sich bei der Deutschen Bahn um das DB StartupXpress, konnten mit ihrer Geschäftsidee überzeugen und erhielten so neben einer Förderung von 25 000 Euro auch Coaching, Zugang zur den Geschäftsfeldern der Deutschen Bahn und die Arbeitsplätze in der DB Mindbox. Dort herrscht Aufbruchstimmung, auch andere Start-ups feilen in den lichtdurchfluteten Räumen mit Blick auf die Spree an ihren Geschäftsideen.

Mittlerweile zählen auch Energiekonzerne zu ihren Kunden. „Das Monitoring von kritischen Infrastrukturnetzwerken wie Strom- oder Gasleitungen ist äußerst zeitaufwändig und kostspielig“, sagt Przywarra. Die Unternehmen seien sehr an kommerziellen Lösung für Echtzeit-Erdbeobachtungen großflächiger Gebiete interessiert.

LiveEO ist auf Erfolgskurs. Erst im September 2018 gewannen sie auf der „Startupnight“, eines der größten Startup-Events Europas, den Start Alliance Pitch Contest und konnten mit dem Preisgeld nach New York fahren, um Feedback für ihr Produkt im amerikanischen Markt zu bekommen. „Zudem ist das bundesweite Bahninfrastrukturnetz fast erschlossen“, sagt Przywarra.

Damit haben die Gründer ihre Vision noch nicht erfüllt. Ambitioniertes Ziel bleibt es, innerhalb der nächsten fünf Jahre jedes Infrastrukturnetz der Welt überwachen zu können.