Technische Universität Berlin

Ein Jahr EINS

Entrepreneurship, Innovation, Network, Sustainability – Karin Kricheldorff über Transfer und Gründungsförderung

Seit vergangenem Jahr gibt es am Centre for Entrepreneurship (CfE) ein Transferteam. Warum geht das CfE dieses Thema an und welche Projekte gibt es?

Wir haben über die Jahre ein umfangreiches Unternehmensnetzwerk aufgebaut, um unsere Start-ups im Gründungsprozess optimal zu unterstützen. Viele Unternehmen, mit denen wir kooperieren, sind an Innovationen interessiert. Insbesondere aus dem Mittelstand haben wir oft Anfragen zu Kooperationsprojekten im Bereich Forschung. Daher entstand die Idee, ein Transferteam bei uns aufzubauen, um neben der Gründung auch das Potenzial für andere Transferwege zu erschließen und somit neueste Forschungsergebnisse in die Praxis zu überführen. Unterstützt wurde dies durch die Vizepräsidentin für Forschung, Berufungsstrategie und Transfer, Prof. Dr. Christine Ahrend.

Wir verstehen uns als Serviceeinrichtung für die Technischen Universität Berlin (TU Berlin) und haben zunächst den Bedarf bei unterschiedlichen Fachgebieten abgefragt. Entstanden ist ein Portfolio von Formaten, die wir anbieten können. Das geht bis zu einer sehr engen Betreuung, bei der beispielsweise eine Mitarbeiterin für längere Zeit ins Fachgebiet geht und untersucht, welche Projekte transferrelevant sind. Dabei schauen wir natürlich auch, welches Projekt sich eventuell für eine Gründung eignet. In einem weiteren Schritt führen wir dann Workshops an den Fachgebieten durch und erarbeiten, in welche Richtung die Verwertung eines konkreten Forschungsprojektes gehen kann und welche Unternehmen dies interessieren könnte.

Welche Projekte können Sie als Beispiel nennen?

Letztes Jahr haben wir ein Pilotprojekt im Bereich der Life-Sciences durchgeführt und eine Transfer-Weiterbildung entwickelt. Hier geht es unter anderem um das Thema Ausgründung und auch darum, welche Transferwege es gibt. Hausinterne Experten*innen und externe Referent*innen waren daran beteiligt. Dieses Konzept soll nun auch für andere Fachgebiete angeboten werden. Außerdem wollen wir in den Bereich „Ideation“ – also der Ideenfindung – gehen und werden verschiedene Themenkonferenzen durchführen. Letztes Jahr gab es eine Veranstaltung zum Thema „Wasser“ und im März 2020 veranstalten wir gemeinsam mit den Unternehmensverbänden Berlin-Brandenburg eine Konferenz zum Thema „Prozessdigitalisierung“. Bei den Konferenzen tauschen sich mittelständische Unternehmen, Start-ups und Fachgebiete der TU Berlin über Inhalte und Kooperationsmöglichkeiten aus. Unsere Aufgabe wird es sein, an diesen Themen dranzubleiben und weiter zu vermitteln.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit den anderen Berliner Hochschulen im Bereich der Gründungsförderung aus?

Wir arbeiten schon länger punktuell in gemeinsamen Projekten zusammen. Im Zusammenhang mit der Berlin University Alliance möchten wir verstärkt als Gründungsservices im Verbund mit FU und HU gemeinsame Angebote machen und beispielsweise ein gemeinsames Qualifizierungsprogramm aufbauen. Die Berliner Gründungslandschaft ist sehr divers, und es gibt viele Player. Sich hier mithilfe einer solchen Verbundstruktur abzuheben und den Fokus auf wissenschaftliche Ausgründungen zu legen, ist eine tolle Möglichkeit, internationale Strahlkraft zu erzielen. Wir wollen Leute aus dem Ausland auch für internationaler Wissenschaftsgründungen holen; unter anderem aus China – einem Markt, an dem man nicht vorbeikommt. Bei Start-ups wiederum besteht eine extreme Unsicherheit gegenüber China. Hier wollen wir gemeinsam mit unserem China Center eine Qualifizierung anbieten und mit der Humboldt-Universität zu Berlin, die bereits enge Unternehmenskooperationen zu China hat, eventuell auch die Start-ups nach China schicken.

Welche Herausforderungen sehen Sie für das CfE in den kommenden Jahren?

Zukünftig müssen wir bei unserer Arbeit mehr thematische Schwerpunkte setzen. Beispiele sind die geplante Chemical Invention Factory (CIF) für Ausgründungen aus der Chemie oder das Berlin Institute for the Foundations of Learning and Data (BIFOLD) für herausragende KI-Forschung, das an der TU Berlin eingerichtet worden ist. In diesen Bereichen spielen die Themen Transfer und Gründung ebenfalls eine Rolle. Daher müssen wir unsere Programme so ausrichten, dass wir noch genauer die spezifischen Bedürfnisse von Start-ups aus unterschiedlichen Branchen berücksichtigen.

Vielen Dank.

Über Karin Kricheldorff

Seit November 2019 leitet die Physikerin Karin Kricheldorff das Centre for Entrepreneurship (CfE) der TU Berlin, das sie von Beginn an mit aufgebaut hat. Heute sind rund 20 Mitarbeiter*innen am CfE beschäftigt. Im Jahr 2007 startete Karin Kricheldorff als Beraterin von technologieorientierten Gründungsvorhaben an der TU Berlin. Sie greift auf über 20 Jahre Erfahrung im Bereich der wissenschaftsbasierten Unternehmensgründungen zurück. Vor ihrer Zeit an der TU Berlin war sie unter anderem als Beraterin bei der Leibniz-Gemeinschaft und als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Charité tätig. Darüber hinaus hat Karin Kricheldorff in den 1990er-Jahren selbst ein Unternehmen gegründet und war mehrere Jahre Geschäftsführerin der Mantik Bioinformatik GmbH.