Koordinationsbüro für Frauenförderung und Gleichstellung

Clara von Simson-Preis

Die besten Masterarbeiten von Absolventinnen der TU Berlin, vorrangig aus den Natur- bzw. Technikwissenschaften, werden jährlich mit dem Clara von Simson-Preis prämiert. Der Preis wurde erstmals im Jahr 2007 auf Initiative der damaligen Zentralen Frauenbeauftragten an herausragende Absolventinnen verliehen.    

Ausschreibung Clara von Simson-Preis 2023

***English version below ***

Bis zum 21. Mai 2023 konnten sich Studentinnen der TU Berlin für den diesjährigen Clara von Simson-Preis selbst bewerben oder von anderer Stelle (betreuende Hochschullehrkräfte) vorgeschlagen werden.

Informationen zur Ausschreibung finden Sie hier:
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Hinweise zum Gutachten:
In dem Gutachten soll neben der Begutachtung der Masterarbeit eine Einschätzung zur Person (Persönlichkeit), ihren Fähigkeiten, ihren Leistungen (im Studium) und ihrem Potential aufgeführt werden und ggf. zu Ihrem Engagement (z.B. Familienaufgaben, gesellschafts- oder hochschulpolitisches Engagement) Stellung genommen werden. Die Ausführungen zur Masterarbeit sollten so geschrieben sein, dass sie für fachfremde Wissenschaftler*innen verständlich sind. Da die Auszeichnung und das Preisgeld ein deutlicher Anreiz für eine Orientierung auf eine Karriere in der Wissenschaft sein sollen, kann auch gerne dazu eine Einschätzung abgegeben werden. Das Gutachten soll ein bis zwei DIN A 4 Seiten lang (inkl. Briefkopf) sein.

Das auszufüllende Formular "Bewertungskriterien" finden Sie hier:
Download Formular Bewertungskriterien

Die Richtlinien für die Verleihung des Clara von Simson-Preises finden Sie hier:
Download Richtlinien

Call for Applications

Female students of technical and natural sciences who finished their master thesis at TU Berlin applyed for the Clara von Simson-Preis until 21 May 2023. They can either apply themselves or be recommended by someone else (e.g. their supervisor).

Please find information about the call here:
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Notes for the letter of recommendation:
The letter of recommendation should include an assessment of the master's thesis as well as an evaluation of the individual's personality, abilities, academic achievements, and potential. Additionally, if applicable, the letter of recommendation should provide an opinion on the person's involvement in areas such as family responsibilities or engagement in societal or academic affairs. The discussion on the master thesis should be written in a way that is understandable for non-experts in the field. As the award and prize money are intended to serve as a significant incentive for a career in academia, an assessment in that regard can also be included. The length of the report should be one to two pages in DIN A4 format, including the letterhead.

Please find the required from "Rating Criteria" here:
Download Rating Criteria

The guidelines for awarding the Clara von Simson Prize can be found here:
Guidelines (only available in German)

Im Rahmen des Erstsemestertages am 9.10.2023 wurden die diesjährigen Preisträgerinnen ausgezeichnet. Von links nach rechts: Tanja Fagel stellvertretend für Philippa Scharpmann (1. Preis), Agatha Majcher (2.Preis), Julia von Vietinghoff (3. Preis) und Reingard Hesse (3.Preis), Christian Schröder (Vizepräsident für Studium und Lehre).

 

Tanja Fagel

2. Stv. Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte

tanja.fagel@tu-berlin.de

030 314 79842

Einrichtung Koordinationsbüro für Frauenförderung und Gleichstellung
Pronomensie/ihr
RaumH 1109

Preisträgerinnen 2023

Philippa Scharpmann, 1. Preis (Preisgeld 3.000 Euro) - Optimale Überwachung von Batterien in Elektro- und Hybridfahrzeugen

Vor dem Hintergrund des Klimawandels steigt in Deutschland der Gebrauch von elektrisch betriebenen Fahrzeugen zur Reduktion des Schadstoffausstoßes. Um einen sicheren und zuverlässigen Betrieb von Elektro- und Hybridfahrzeugen gewährleisten zu können, wird die Fahrzeugbatterie, die zumeist aus Lithium-Ionen-Zellen besteht, mit einem sogenannten Batteriemanagementsystem überwacht und gesteuert. Diese greifen auf Batteriemodelle zurück, um aus im Fahrzeug gemessenen Spannungs- und Temperaturwerten Informationen über den aktuellen Batteriezustand herzuleiten. Philippa Scharpmann, die das Fach Regenerative Energiesysteme studiert hat, erstellte in ihrer Abschlussarbeit ein solches ganzheitliches Modell für Automotive-Lithium-Ionen-Batterien. Um die benötigten Modellparameter ermitteln zu können, hat sie eigene Testreihen, bestehend aus elektrischen und thermischen Messungen, entworfen und durchgeführt. Die Messungen zeichnen sich dabei durch eine geringe Zeitintensität und robuste, kostengünstige Messmethoden aus. Um zusätzlich eine Vorhersage der im Laufe der Zeit sinkenden Batterieleistung treffen zu können, wurden zwei Langzeitstudien durchgeführt. Hierbei wurde besonders der Einfluss, den die Belastung durch den Fahrzeugbetrieb auf die Batterie hat, untersucht. Das erstellte Batteriemodell simuliert den Zustand einer Batterie im Fahrbetrieb auch über einen langen Zeitraum mit hoher Genauigkeit und eignet sich damit als Grundlage für ein Batteriemanagementsystem und somit für den Einsatz in realen Elektro- oder Hybridfahrzeugen.

Agatha Majcher, 2. Preis (Preisgeld 1.500 Euro) - Lösungsansätze für eine sozial gerechte CO2-Steuer in Südafrika

In ihrer Abschlussarbeit mit dem Titel „Distributional Impact Analysis of the Carbon Tax in South Africa“ im Studienfach Regenerative Energiesysteme beschäftigt sich Agatha Majcher mit den großen Herausforderungen Südafrikas im Bereich der Treibhausgasemissionen. Südafrika ist das wirtschaftlich stärkste Land auf dem afrikanischen Kontinent. Obwohl es aufgrund seiner energieintensiven Wirtschaft und der Nutzung von Kohle als Hauptenergiequelle hohe CO2-Emissionen hat, verfolgt Südafrika den ehrgeizigen Plan bis 2050 klimaneutral zu sein. Als wichtiger Schritt zur Erreichung dieses Ziels wurde im Jahr 2019 eine CO2-Steuer eingeführt, die bis 2030 auf 30 US-Dollar pro Tonne CO2 steigen soll. In ihrer Forschungsarbeit hat sich Agatha Majcher intensiv mit den Auswirkungen dieser CO2-Steuer auf die Bevölkerung auseinandergesetzt. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen zeigen, dass insbesondere Haushalte mit geringem Einkommen am stärksten von der CO2-Steuer betroffen sind. Dabei spielen horizontale Faktoren wie der Wohnort, die ethnische Zugehörigkeit und die Energieversorgung eine Rolle bei den Unterschieden in der Belastung. Um diese Ungleichheiten anzugehen, hat Agatha Majcher verschiedene Rückverteilungsszenarien simuliert, darunter Pauschalzahlungen, Steuererleichterungen und gezielte Subventionen. Ihre Forschungsarbeit trägt dazu bei, ein umfassendes Verständnis der Auswirkungen der CO2-Steuer in Südafrika zu gewinnen und Lösungsansätze für eine sozial gerechte Transformation zu entwickeln. Sie liefert wichtige Erkenntnisse für politische Entscheidungsträger und Stakeholder, um effektive Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen zu planen und gleichzeitig soziale Ungleichheiten zu berücksichtigen.

Reingard Hesse, 3. Preis (Preisgeld 750 Euro) - Besser Umnutzen als Abreißen

„Umnutzung statt Abriss - Transformation eines Kirchenensembles zum Begegnungszentrum“ so der Titel der Abschlussarbeit von Reingard Hesse, die Architektur an den der TU Berlin studiert hat. Es ist es gängige Praxis, Gebäude abzureißen und Neubauten an deren Stelle zu setzen. Obwohl die graue Energie, die in Bestandsgebäuden enthalten ist, also die gebündelte Energie, die für Bau, Herstellung und Transport aufgewendet wurde, bei einem Abriss unumgänglich verloren geht. Zudem ist für das mengenmäßig größte Abrissmaterial wie Betonschutt, Ziegel und Steine kein echtes Recycling üblich. Die evangelische Zuversichtskirche in Berlin mit Wohnhaus und Kita aus den 60 Jahren litt seit längerem unter sinkenden Mitglieder*innenzahlen. Zudem waren die Gebäude bauphysikalisch und barrieretechnisch nicht mehr zeitgemäß. Dennoch sollte der soziale, kulturelle und kreative Begegnungsraum, den die Gemeinde über Jahrzehnte dort etabliert hat, dem umliegenden Quartier erhalten bleiben. Somit entschied sich die Gemeinde das Ensemble komplett abreißen zu lassen und beauftragte die Planung eines Neubaus mit Saal, Kita, Gruppenräumen und Inklusionsbetrieb.

Der Schwerpunkt dieser Masterarbeit war das Transformieren des Kirchenensembles, sodass der Bestand weitestgehend erhalten bleibt und dennoch das geforderte Raumprogramm sowie aktuelle bauphysikalische Anforderungen zum Tragen kommen. Zudem wurden die beiden Entwurfsszenarien in Bezug auf Bauteilkosten, Treibhauspotenzial, Masse und Umweltkosten miteinander methodisch verglichen. So zeigte sich, dass die Umnutzung in allen Vergleichsparametern deutlich besser abschneidet. Der Bestand bietet somit ein enormes Potenzial, welches ideell, ökologisch und ökonomisch viel mehr ausgeschöpft werden kann und muss, um die zukünftigen Herausforderungen der Klimakrise im Bereich des Bausektors zu meistern.

Julia von Vietinghoff, 3. Preis (Preisgeld 750 Euro) - Über den Zustand der Bäume in historischen Parkanlagen 

Der Klimawandel beeinträchtigt auch die historischen Parkanlagen, deren kulturelles und biodiverses Erbe in Gefahr ist. Julia von Vietinghoff hat Landschaftsarchitektur an der TU Berlin studiert und in ihrer Abschlussarbeit mit dem Titel „Zustand der Bäume in historischen Parkanlagen - nach Jahren mit Extremwettersituationen“ bilanziert sie die Schäden an Bäumen in historischen Parkanlagen, welche als Folgen des Klimawandels identifiziert werden können. Die Gartendenkmalpflege ist bereits mit zahlreichen Maßnahmen zur Erhaltung und Stabilisierung der Anlagen beschäftigt. In großen Anlagen existieren in der Regel Baumkataster, welche Daten wie den botanischen Namen der Pflanzen, ihre Standorte und eine Beurteilung der Vitalität beinhalten. Diese Kataster werden in bestimmten Rhythmen aktualisiert und können somit wertvolle Hinweise liefern, wie und ob der Klimawandel die Gärten beeinträchtigt. Bisher fehlt jedoch eine umfassende Dokumentation und Auswertung dieser Daten und die daraus resultierenden Rückschlüsse. Weder kann die Gesamtsituation objektiv beurteilt werden, noch ist ein Vergleich der Entwicklungen über die Jahre hinweg zu leisten. Bislang ist auch unklar, welche Arten von Bäumen besonders geschädigt wurden. Ziel der Arbeit von Julia von Vietinghoff ist einerseits die exemplarische Auswertung von Katasterdaten aus dem Stadtpark Rotehorn in Magdeburg, dem Großen Garten in Dresden und dem Schlosspark Charlottenburg in Berlin. Zudem analysiert sie, ob die sowohl von den Parkverwaltungen als auch den Medien als dramatisch geschilderte Situation, insbesondere in Folge der Jahre 2017, 2018 und 2019, in welchen der Klimawandel besonders durch Trockenheit und Stürme sichtbar wurde, belegbar ist.

Die Auswertung zeigt, dass die Daten unterschiedliche Qualitäten aufweisen, dass sie keine Zeitreihen wiedergeben können und dass deren Bewertungsskalen voneinander abweichen. Die Daten zeigen auch, dass die Gehölze nicht vital sind. Neben der Datenanalyse hat Julia von Vietinghoff Interviews mit den Verwaltungen und Pflegepersonal der jeweiligen Parkanlagen geführt. Sie ergaben, dass die Protagonist*innen in höchster Alarmbereitschaft sind und mit großem Know-How und Motivation alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel, welche jedoch teilweise sehr knapp sind, einsetzen, um die Parkanlagen für die Zukunft zu erhalten.

Texte von Bettina Klotz (TU Berlin, Pressestelle).

Preisträgerinnen 2022

Wir gratulieren den Preisträgerinnen sehr herzlich und wünschen Ihnen viel Erfolg in ihrem weiteren Werdegang.

Der 1. Preis (3000,00 Euro) geht an Josefine Gottschalk.

Die Abschlussarbeit mit dem Titel „Scratching below the surface: Is the Maritime Spatial Planning of the European Union ready for Adequate Marine Conservation?“ ist von außergewöhnlich hoher Qualität und thematisiert dabei ein Kernproblem nachhaltiger Entwicklung unserer Meere.

Die Arbeit ist der praxisbezogen und bezieht unterschiedliche Studienrichtungen mit ein.
Frau Gottschalk war ehrenamtlich im Bereich Sport, im Bereich Klima und in einer Studierendeninitiative, die sich für einen weltweit gerechteren Zugang zu Bildung einsetzt, aktiv.
 

Der zweite Preis (1500,00 Euro) wird dieses Jahr doppelt vergeben an Elizaveta Klioner und Xhorxhina Taraj.

Die Abschlussarbeit von Elizaveta Klioner mit dem Titel „Georeferencing for ADCS Monitoring: A Proof of Concept for the TUBiX20 Satellite Platform“ beschäftigt sich mit der Erweiterung der Lagebestimmung für den am Fachgebiet Raumfahrttechnik entwickelten und gestarteten TUBIN-Satelliten unter Nutzung von georeferenzierten Satellitenbildern.

Elizaveta Klioner engagierte sich hochschulintern.

In ihrer Abschlussarbeit mit dem Titel “Online Crowdsourcing in Healthcare: A structured Empirical Analysis“ hat Xhorxhina Taraj effizient zur Datenanalyse einer renommierten medizinischen Plattform und zur Entwicklung von Crowdsourcing-Literatur aus der Perspektive des Information System Managements beigetragen.

Xhorxhina Taraj hat sich im Studierendenwohnheim engagiert und sich im während der Pandemie um Aktivitäten gekümmert, die der mentalen Gesundheit der Mitbewohner*innen geholfen haben.

Der dritte Preis (750,00 Euro) geht an Ela Brezina

In ihrer Abschlussarbeit mit dem Titel „Techno-ökonomische Analyse eines regenerativen Wasserstoffsystems in dezentralen Energiekonzepten“ widmet sich Ela Brezina aus ingenieurstechnischer Perspektive der dezentralen Versorgung und Speicherung von Energie mit einem Batterie- und Wasserstoffspeichersystem durch photovoltaische Stromerzeugung.

Ela Brezina war in diversen Hochschulgremien aktiv und engagiert sich ehrenamtlich u.a. in einer Anlaufstelle für geflüchtete Frauen.

Clara von Simson

Der Name des Preises nimmt Bezug auf die Wissenschaftlerin und Politikerin Dr. Clara von Simson, die 1951 als erste Frau im Fach Physik der TU Berlin habilitierte und als Privatdozentin die erste Grundordnung der TU Berlin vonseiten des Mittelbaus mitgestaltete. Später war sie Leiterin der Lette-Schule, setzte sich schon sehr frühzeitig für die Förderung von Mädchen in natur- und technikwissenschaftlichen Berufen ein, war als Abgeordnete im Berliner Abgeordnetenhaus und in der Landespolitik auch frauenpolitisch aktiv und bekam 1966 die Ehrensenatorinwürde des Akademischen Senats der Technischen Universität Berlin verliehen.

Mit der Stiftung des Clara von Simson-Preises ehrt die Technische Universität Berlin diese bemerkenswerte Wissenschaftlerin, die bis heute unvergessen ist. Es gibt nur wenige Berlinerinnen, die nach dem Zweiten Weltkrieg am demokratischen Aufbau der Stadt und einiger ihrer Institutionen in vergleichbarer Weise beteiligt waren, wie Clara von Simson. Sie war es auf Universitäts- und Fachschulebene, auf partei- und frauenpolitischem Gebiet ebenso wie auf wissenschaftlichem und wissenschaftspolitischem Terrain.

In der Person Clara von Simsons finden sich eine Reihe von Talenten und Fähigkeiten vereint, die sie in die Lage versetzten, über ihre eigenen Interessen hinaus den Gesamtzusammenhang der Dinge zu erkennen und entsprechend zu handeln. Sie darf mit Fug und Recht „eine der ungewöhnlichsten Frauen“ im Nachkriegs-Berlin genannt werden.