Institut für Angewandte Geowissenschaften
Institut für Angewandte Geowissenschaften

Historische Entwicklung der Geowissenschaften an der TU Berlin

Mit der Gründung der Königlichen Bergakademie im Jahr 1770 durch den preußischen König Friedrich II wurde die geowissenschaftliche Forschung und Lehre auf institutioneller Ebene in Berlin etabliert. Dieser Zeitpunkt kann auch als Start der Geowissenschaften an der Technischen Universität Berlin angesehen werden, da die Königliche Bergakademie eine der Vorläuferinstitutionen der TU Berlin ist. Die Königliche Bergakademie war fast 150 Jahre lang eigenständig und wurde, im Vergleich zu anderen preußischen Akademien, erst relativ spät, im Jahr 1916 in die Technische Hochschule zu Berlin eingegliedert, die wiederum aus dem Zusammenschluss der Bauakademie und Gewerbeakademie im Jahr 1879 hervorgegangen ist. Aus der Technischen Hochschule zu Berlin heraus wurde im Jahr 1946 die Technische Universität Berlin gegründet. Die Geowissenschaften an der TU Berlin können somit auf eine 250 Jahre lange Tradition mit wechselvoller Geschichte zurückblicken.

Die ersten 200 Jahre sind in der Chronik „Von der Bergakademie zur Technischen Universität Berlin, 1770-1970“ von Hugo Strunz beschreiben (Herausgeber: Förderer der Berliner Fakultät für Bergbau und Hüttenwesen e.V., Berlin). Auf unserer Webseite Von der Bergakademie Berlin zu den geowissenschaftlichen Instituten der Technischen Universität Berlin, die die ehemalige Kustodin unserer Mineralogischen Sammlung Dr. Susanne Herting-Agthe zusammengestellt hat, werden einige prägende Personen dieser Zeit vorgestellt.

Der jüngere Abschnitt umfasst die Jahre von 1970 bis 2020. Im Zuge der Umstrukturierung der Fakultäten fanden die Geowissenschaften in diesen 50 Jahren immer wieder eine neue akademische Heimat an der TU Berlin. Bis in die 1990er Jahre entstanden viele Lehrstühle in neuen Geo-Instituten. Diese Entwicklung spiegelt den hohen Stellenwert der Geowissenschaften in Berlin und darüber hinaus wider. Schließlich haben die Geowissenschaften in dieser Zeit mit der Etablierung der Plattentektonik ein ganz neues Weltbild offenbart. Hinzu kam die rasante Entwicklung in den analytischen Methoden, die es erlaubten, Prozesse auf der mikro- und nano-Skala zu beobachten, und die Etablierung von experimentellen Hochdruck-Hochtemperatur-Methoden zur Simulierung dieser Prozesse. Damit bekamen Geologen, Mineralogen und Kristallographen völlig neue Einblicke in die physikalisch-chemischen Eigenschaften von Mineralen und Gesteinen. Ein weiterer Aspekt für die Geo-Expansion an den Universitäten war die zunehmende Bedeutung der Rohstoffforschung. Die Verfügbarkeit von Metallerzen, fossilen Brennstoffen, technischen Mineralen, Steine und Erden waren entscheidend für die Sicherung des Wohlstandes. Dazu benötigte man das Wissen, wo man diese Rohstoffe findet, welche Mengen und Qualitäten in den verschiedenen Lagerstätten erwartet werden konnten und wie man diese abbauen kann. Fragen der Verfügbarkeit von Wasser rückten in die öffentliche Wahrnehmung - wissenschaftlicher Nachwuchs war gefragt! Im Verbund mit den anderen Universitäten und geowissenschaftlichen Forschungseinrichtungen im Großraum Berlin waren die Geowissenschaften der TU über viele Jahre an mehreren DFG-Forschergruppen und zwei Sonderforschungsbereichen beteiligt.

Nach diesem Boom der Geowissenschaften an den deutschen Universitäten wurde seit Mitte der 90 Jahre ein Abschwung eingeleitet. Solidarpakte sollten die deutschen Universitäten finanziell auf gesundere Füße stellen. Diese Mittelkürzungen hatten zur Folge, dass viele Fachgebiete nicht nachbesetzt oder neue Fachgebiete gar nicht erst etabliert wurden. Diese Entwicklung betraf insbesondere die so genannten 'kleineren Fächer'. An der TU Berlin ist diese Entwicklung sehr deutlich zwischen den Jahren 1998 und 2005 zu sehen. Von ehemals 15 Fachgebieten waren nur noch 6 Fachgebiete übriggeblieben, man konzentrierte sich in Abstimmung mit anderen Einrichtungen in Berlin auf die Angewandten Geowissenschaften, die mit den Ingenieurfächern der TU - wie Bauingenieurwesen, Technischer Umweltschutz, Bodenkunde, Materialwissenschaften - gute Kooperationsmöglichkeiten hatten. Heute im Jahr 2020 sind nur noch 4 Fachgebiete (Angewandte Geochemie, Angewandte Geophysik, Hydrogeologie und Ingenieurgeologie) vorhanden, die den wissenschaftlichen Nachwuchs im Bachelor- und im Masterstudiengang Geotechnologie ausbilden. Durch gemeinsame Berufungen, insbesondere mit dem Deutschen GeoForschungsZentrum in Potsdam, gelang es in den letzten Jahren weitere Fachgebiete zu etablieren. Auf der Seite Geowissenschaften an der TU Berlin – Die Jahre von 1970 bis 2020 ist diese Entwicklung im Detail dargestellt. An dieser Stelle vielen Dank an Ole Schröder, der für die Recherche viele Stunden im Universitätsarchiv verbracht hat. Großen Dank auch an Dagmar Spies vom Universitätsarchiv der TU Berlin und an Christoph Roesrath (Leiter Fakultäts-Service-Center der Fakultät VI) für den Zugang zu den verschiedenen Schriften.

In den letzten Jahren haben die Geowissenschaften wieder deutlich an Bedeutung gewonnen. Themen wie Klimawandel, nachhaltige/umweltfreundliche Energieversorgung, sauberes Wasser für Alle, sichere Deponien für radioaktive Abfälle, intensive Nutzung des Untergrundes für Infrastrukturprojekte und die nachhaltige Versorgung mit kritischen Rohstoffen, stellen unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen. All dies sind Kernthemen heutiger geowissenschaftlicher Forschung.

Text: Thomas Neumann