Technische Universität Berlin

Gemeinsame Pressemitteilung von TU Berlin und Wissenschaft im Dialog | 16. Juni 2020 | rb

Verkehrslösung oder Technikhype? Mehrheit der Deutschen lehnt Lieferdrohnen und Flugtaxis ab

Technische Universität Berlin und Wissenschaft im Dialog (WiD) veröffentlichen im Rahmen des Projekts „Sky Limits“ die bisher umfangreichste Datensammlung zu Einstellungen der deutschen Bevölkerung gegenüber Transportdrohnen

Steigende Einwohnerzahlen, überfüllte Straßen und ein hohes Versandaufkommen stellen Großstädte weltweit vor logistische und verkehrspolitische Herausforderungen. Abhilfe könnte die Entwicklung des Luftraums zu einer „dritten Verkehrsebene“ schaffen. Mit den Chancen, Herausforderungen und Risiken einer Nutzung des urbanen Luftraums beschäftigt sich deshalb das gemeinsame Forschungsprojekt „Sky Limits“ von Technischer Universität Berlin und Wissenschaft im Dialog.

Eine im Auftrag des Projektteams durchgeführte repräsentative Bevölkerungsumfrage zu Einstellungen gegenüber Transportdrohnen und zur individuellen Nutzungsbereitschaft der Technologie zeigt, dass eine Mehrheit der Deutschen den Einsatz von Lieferdrohnen (55 Prozent) und Flugtaxis (62 Prozent) ablehnt und damit auch die Erschließung des städtischen Luftraums für Transportzwecke. Ausgenommen von der mehrheitlichen Skepsis gegenüber Transportdrohnen sind medizinische Notfälle: Hier stimmen knapp zwei Drittel der Befragten dem Einsatz zu.

Aspekte wie Sicherheit und Umweltfreundlichkeit sind ausschlaggebend

Für die von forsa durchgeführte Umfrage wurden im Herbst 2019 zunächst fünf Fokusgruppen in Berlin, Stuttgart und Erfurt befragt, um einen ersten qualitativen Einblick in die Einstellung der Bevölkerung zu erhalten. Im Anschluss erfolgte vom 20. bis 29. Januar 2020 eine telefonische Umfrage mit 1.000 Befragten.

Ausschlaggebend in der Bewertung von unbemannten Luftfahrzeugen sind für die meisten Befragten Aspekte wie Sicherheit und Umweltfreundlichkeit. 75 Prozent der Befragten befürchten „eher“ oder „voll und ganz“, dass Lieferdrohnen zu Unfällen führen könnten, bei denen Menschen verletzt werden.

Bei Flugtaxis glauben dies 81 Prozent. 79 Prozent der Befragten geben an, dass es ihnen wichtig ist, dass Lieferdrohnen umweltfreundlich sind, für Flugtaxis sehen dies 83 Prozent der Befragten als wichtig an.

Ein Mehrwert der Drohnentechnologie für die Lieferung von Paketen und für den Personenverkehr wird von zwei Dritteln der Befragten bezweifelt. 21 Prozent der Befragten können sich vorstellen, selbst Lieferdrohnen zu nutzen. 18 Prozent wären bereit, Flugtaxis für ihre individuelle Mobilität zu nutzen.

Große Bedenken rufen insbesondere durch Lieferdrohnen und Flugtaxis verursachter Lärm und Stress sowie potenzielle Jobverluste hervor. Insgesamt zeigt sich, dass unter den Befragten die angenommenen Nachteile von Transportdrohnen gegenüber möglichen Vorteilen überwiegen.

Auch Geschlecht und Alter spielen eine Rolle in der Bewertung von Lieferdrohnen und Flugtaxis: So sind Frauen durchschnittlich skeptischer gegenüber Transportdrohnen als Männer. Befragte der Altersgruppe zwischen 30 und 39 Jahren würden dreimal so häufig Flugtaxis für ihre persönliche Mobilität nutzen wie Befragte über 60 Jahren.

„Auffällig war, dass die Akzeptanz im Vergleich zu Ergebnissen vorheriger Studien in den letzten Jahren noch weiter abgenommen zu haben scheint.“

Die Ergebnisse des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Innovations- und Technikanalyse (ITA) geförderten Forschungsprojekts „Sky Limits“ beruhen auf einer zweistufigen Einstellungsforschung, in der die Einstellung gegenüber der Technologie und die individuelle Nutzungsbereitschaft von Transportdrohnen im Fokus standen. „Während Hersteller*innen und Politik derzeit auf eine baldige Einführung von Transportdrohnen drängen, zeigt unsere Studie, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung gegenüber der Technologie mehrheitlich nicht gegeben ist“, so Nico Dannenberger, Projektleiter von „Sky Limits“ bei Wissenschaft im Dialog.

„Auffällig war, dass die Akzeptanz im Vergleich zu Ergebnissen vorheriger Studien in den letzten Jahren noch weiter abgenommen zu haben scheint. Überraschend war zudem das Ausmaß, wie wichtig der Bevölkerung bei dieser neuen potentiellen Verkehrsart der Faktor Umweltfreundlichkeit wäre“, so Projektkoordinator Robin Kellermann vom Fachgebiet Arbeitslehre/Technik und Partizipation der TU Berlin.

Über Sky Limits

Sky Limits ist ein gemeinsames Projekt von Wissenschaft im Dialog und der Technischen Universität Berlin, in dem Chancen und Herausforderungen durch Transportdrohnen systematisch erfasst und aufgedeckt werden sollen. Es verbindet Literaturanalysen, Einstellungsforschung und die Durchführung partizipativer Formate mit Expertinnen und Experten sowie der Bevölkerung. Das interdisziplinäre Forschungsteam bewegt sich dabei im Schnittfeld von Technikfolgenabschätzung, Zukunftsforschung und sozialwissenschaftlicher Mobilitätsforschung. Ziel ist es, die Grundlage für eine öffentliche Auseinandersetzung zu schaffen und konkrete Handlungsempfehlungen für Politik, Wirtschaft und Planung zu entwickeln.

Kontakt

Nico Dannenberger
Projektleitung „Sky Limits“
Tel.: +49 (0)30 2062295-24
E-Mail: nico.dannenberger(at)w-i-d.de

Robin Kellermann
Technische Universität Berlin
Fachgebiet Arbeitslehre/Technik und Partizipation, Cluster Mobilitätsforschung
Verbundkoordination „Sky Limits“
Tel.: +49 (0)30 31424373
E-Mail: robin.kellermann(at)tu-berlin.de

Dorothee Menhart
Wissenschaft im Dialog
Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49 (0)30 2062295-55
E-Mail: dorothee.menhart(at)w-i-d.de