Schneewehen auf dem Mars

Studie von TU Berlin und DLR untersucht winterliche Eisbedeckung

Der Winter auf dem Mars sorgt auf riesigen Flächen für Eis- und Schneedicken von bis zu vier Metern. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung von Wissenschaftler*innen der Technischen Universität Berlin, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und weiteren Forschungseinrichtungen aus Europa, den USA, Japan und China.

„Das ist ein enormes Volumen, wenn man die zusätzlichen Schnee- und Eismassen des Winters zusammenrechnet“, erklärt Haifeng Xiao vom Institut für Geodäsie und Geoinformationstechnik an der TU Berlin. Xiao hat die Dicke der jahreszeitlich schwankenden Schnee- und Eisbedeckung gemessen und jetzt als Erstautor mit einem internationalen Team in zwei Artikeln im Fachjournal JGR Planets veröffentlicht.

„Das dürften knapp zehn Billionen Kubikmeter vor allem gefrorenes Kohlendioxid, aber auch Schneeflocken und Eiskristalle von Wasser sein, die zusätzlich zu den permanenten Polkappen gebunden sind“, ergänzt Dr. Alexander Stark vom DLR-Institut für Planetenforschung und Co-Autor der beiden Publikationen. Das entspricht fast dem Rauminhalt des Oberen Sees an der Grenze zwischen Kanada und den USA, dem mit zwölf Billionen Kubikmeter Volumen zweitgrößten Süßwassersee der Erde – oder mehr als zweihundert Mal dem Inhalt des Bodensees.

Für ihre Studien werteten die Forscher*innen einen schon länger existierenden Datensatz neu aus: Die Daten stammen von der NASA-Raumsonde Mars Global Surveyor (MGS), die den Mars zwischen 1997 und 2006 umkreiste und das Laser-Altimeter MOLA (Mars Observer Laser Altimeter) an Bord hatte. Aus der Laufzeit der vom Marsboden reflektierten Laserschüsse lässt sich damit die Entfernung zwischen Orbiter und Marsoberfläche berechnen.

Erstaunlich ist, dass die saisonale Schnee-und Eisbedeckung viel weiter in die gemäßigten Breiten vordringt als auf der Erde. „Läge Berlin auf dem Mars wie auf der Erde am 52. nördlichen Breitengrad, wäre die Stadt vom Spätherbst und über den sechsmonatigen Marswinter von einer dünnen Schneeschicht bedeckt“, sagt Haifeng Xiao.

Das DLR hat zu den Forschungsergebnissen ein Webfeature mit Bild- und Videomaterial erstellt.

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Einrichtung Fachgebiet Planetengeodäsie