Fakultät IV - Elektrotechnik und Informatik

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    „Das ist eine erhebliche Erweiterung unserer Erkenntnisse über das Gehirn“

    Interview mit Prof. Dr. Fatma Deniz über die Frage, ob Lesen besser ist als Hören, die Verarbeitung von Sprache im Gehirn je nach konkretem Zusammenhang und ihren ERC-Grant zur Erforschung des Sprachenlernens

    Wie und an welchen Stellen werden gehörte und gelesene Informationen im Gehirn repräsentiert? Spielt es eine Rolle, ob Proband*innen in der Hirnforschung einzelne Wörter oder Sätze lesen – wie das bisher geschah –, oder die Wörter und Sätze eingebettet sind in ganze Geschichten? Und wie können Antworten auf diese Fragen helfen bei der Verbesserung der Kommunikation von Menschen mit Sprachbehinderung, für das Erlernen von Fremdsprachen und die Verbesserung von Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI) wie ChatGPT? 

    Darüber spricht Fatma Deniz im Interview.

    Fatma Deniz plädiert dafür, den allgemeinen Trend zum Hören statt Lesen – vor allem auch bei Jugendlichen – gelassener zu sehen, und stellt eine erhebliche Erweiterung unserer Erkenntnisse über das menschliche Gehirn vor: „Schon seit den 1990er Jahren wurden einzelne Worte und später auch Sätze dahingehend untersucht, wo sie im Gehirn Aktivität auslösen. Auf diese Weise konnten verschiedene Zentren der Sprachverarbeitung lokalisiert werden. Wir haben allerdings herausgefunden, dass diese sehr künstliche Situation, wenn dem Gehirn nur ein einziges Wort präsentiert wird, sehr wenig mit der natürlichen Sprache zu tun hat. Je nach Kontext kann hier ein Wort auch ganz woanders verarbeitet werden.“ Fatma Deniz hat ihre Erkenntnisse über Versuche mit menschlichen Proband*innen in einem Magnetresonanztomographen gewonnen.

    Ab dem 1. April 2024 wird Prof. Dr. Fatma Deniz auch Vizepräsidentin der TU Berlin für Digitalisierung und Nachhaltigkeit sein.