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Kaum messbare Fortschritte

Transformationsprozess muss global sein

Spätestens mit dem EU Green Deal und dem „Fit for 55“-Maßnahmenpaket hat die EU ihren klaren Kurs zur Klimaneutralität deutlich gemacht. Für sie führt kein Weg am internationalen Klimaschutz vorbei. Doch klar ist auch: Wirksamer Klimaschutz in Deutschland und Europa allein kann die globale Erwärmung noch nicht aufhalten. Dafür muss die ganze Welt ambitionierten Klimaschutz betreiben – doch seit Jahrzehnten bleibt die internationale Klimapolitik hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Auch eine kurze Euphorie nach Abschluss des Paris-Abkommens, der Wiedereinstieg der USA in das Klimaabkommen nach der Ära Trump oder der kurzfristige Rückgang der CO2-Emissionen durch die Corona-Pandemie sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass es trotz mühsamer Debatten um Wettbewerbsfähigkeit und Kompensationen für Klimaschäden bis- her kaum messbare Fort- schritte gibt. Im Gegenteil, die globalen Emissionen steigen weiter.

Doch angesichts der Herausforderung, vor der wir stehen, können wir uns das jetzt nicht mehr erlauben. Aus meiner Sicht sollte nun eine „Klima-G3“ aus China, den USA und Europa zusätzlich zu den Bemühungen der Klima-Rahmenkonvention den notwendigen Transformationsprozess einleiten und zwar durch die wirksame Bepreisung der Emissionen kombiniert mit der Entlastung ärmerer Haushalte. So sollte die internationale Debatte auch verstärkt über wirksame Instrumente, allen voran die CO2-Bepreisung, geführt werden statt wie bisher über Ziele und theoretische Ambitionen.

Wichtig ist mir auch: Klimaschutz ist nicht eine große Herausforderung. Viele Transformationsprozesse in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik müssen angegangen werden. Es ist daher entscheidend, Erfahrungen aus der ganzen Welt zu nutzen und Lernen zu ermöglichen. Beispiele gelungener Klimapolitik, etwa in Kanada, wo die Einnahmen der CO2-Bepreisung an die Bürger*innen zurückgegeben wurden, sollten wir gezielt auswerten. Eine solche Pro-Kopf-Rückerstattung wäre auch in Deutschland und der EU denkbar und könnte im Schnitt sogar zu einer Netto-Entlastung armer Haushalte führen.

Zu einer solchen wissenschaftlichen Auswertung errichtet die TU Berlin gemeinsam mit der Universität der Künste, der Charité, der Universität Potsdam sowie dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung ein Klimazentrum, das Climate Change Center, das selbst Reallabore kreiert. Mit der Beteiligung von Partnern wie dem Indian Institute of Technology, dem MIT und UN Habitat bieten sich hervorragende Möglichkeiten, die Erkenntnisse international zu vergleichen.  

 

Autor: Ottmar Edenhofer

Der Autor ist Direktor am Potsdam- Institut für Klimafolgenforschung und Professor für die Ökonomie des Klimawandels an der TU Berlin.

Originalpublikation

Der Text ist am 31. Juli 2021 in der Sonderbeilage des Climate Change Centers in Der Tagesspiegel erschienen.