Stabsstelle Kommunikation, Events und Alumni

Plädoyer: Wir brauchen offene Hardware!

Von: Dipl.-Ing. Robert Mies, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet für Qualitätswissenschaft am Institut für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb der TU Berlin

Freie und offene Software war für den Aufbau des Internets maßgeblich. Professionelle Entwickler*innen haben auf freier Basis zusammengearbeitet, um dies zu ermöglichen. Aus dieser Idee heraus ist später offene Hardware entstanden. Anfangs sind das Leute gewesen, die gemeinsam Elektronik mit offenen Schaltbildern gebaut haben.

Schnell wurden aber auch Designs und Bauanleitungen für Hardware in vielen Bereichen entwickelt, etwa in der Robotik, Kunst oder Medizintechnik, und über Plattformen wie GitHub oder GitLab geteilt. Wir stellen mit unserem von der BUA geförderten Projekt Open.Make die Frage, was offene Hardware, die aus der Forschung heraus entsteht, für die Zukunft bedeuten kann; wie sie die Forschung selbst und auch Innovation und Nachhaltigkeit voranbringen kann.

Dafür haben wir mehrere Initiativen analysiert, darunter eine in den USA entwickelte und unabhängig in Berlin produzierte Technologie, die Schädeloperationen bei Versuchstieren für Messungen von Hirnfunktionen schonender gestaltet als bisher. Durch den Open-Source-Ansatz tun sich ganz neue Möglichkeiten auf. Denn jede Forscher*in kann diese Maschine jetzt weiterentwickeln, etwa für die potenzielle Anwendung bei Hirn-OPs am Menschen, und eine weltweit verteilte Community tauscht Wissen dazu aus. Innerhalb der Forschung entsteht sehr viel Hardware.

Normalerweise ist es so, dass die Rechte daran geschützt sind und in Start-ups und Unternehmen überführt werden, denen es nicht primär darum geht, übergeordnete gesellschaftliche Probleme zu adressieren. Wir müssen uns aber Gedanken machen, wie wir die Technik von morgen gestalten wollen – sollte zum Beispiel eine Technik, die über Leben und Tod in der Medizin entscheidet, wirklich durch ein Oligopol beherrscht werden? Forscher*innen müssen frei entscheiden können, wie die von ihnen entwickelte Hardware genutzt wird. Im Moment gibt es zu viele Barrieren für den offenen Weg.

Die Leitfäden der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) oder der Europäischen Kommission berücksichtigen nicht, dass Hardware, die mit öffentlicher Finanzierung entsteht, auch zum Wohle der Gesellschaft verwertet werden sollte. Es braucht eine neue Wertschätzung für offene Hardware; sie muss als Output von Wissenschaft anerkannt werden. An den Universitäten müssen TechnologietransferExpert*innen zu den Chancen offener Hardware beraten, die Bibliotheken müssen sicherstellen, dass die Baupläne zugänglich sind, und Forschende, die diesen Weg gehen, müssen sichtbarer gemacht werden.

Es geht nicht darum, dass alles offen sein muss, aber wir müssen offenere Möglichkeiten der Verwertung und Verbreitung von vornherein mitdenken. Das ist auch eine Frage der Forschungsqualität; denn Qualität und Vertrauen in Wissenschaft entstehen auch durch ihre Reproduzierbarkeit. Wenn wir Forscher*innen ermöglichen, sich frei über Hardwareentwicklungen auszutauschen, dann ist am Ende auch das Forschungsergebnis besser.

Originalpublikation

Der Text ist erschienen in der Broschüre "Wir/Vier - Die TU Berlin in der Berlin University Alliance".