Architekturtheorie

Laufende Forschungsprojekte

Architecture Research Stage (ARS)

Die Architecture Research Stage (ARS) ist ein experimentelles DFG-Forschungsprojekt im Verbund von TU Berlin und UdK Berlin. Ziel des dreijährigen Pilotprojektes sind Aufbau, Erprobung und Evaluierung einer Open-Access-Publikationsplattform für die Vernetzung von Ergebnissen, Daten und Kontexten einer kollaborativen Architekturforschung zwischen akademischen Fachdisziplinen, forschungsorientierter Lehre und außerakademischer Praxis.

Architekturforschung zeigt sich heute als ein heterogenes Feld unterschiedlicher und voneinander getrennter Akteure. Dabei zielen die fachdisziplinäre akademische Einzelforschung, forschungsorientierte akademische Lehre und außerakademische praxisorientierte Forschung mit ihren je verschiedenen Vermittlungsformen auf Experten, Studierende oder die interessierte Öffentlichkeit. Das Potential der Architekturforschung liegt jedoch – wie bei der Architekturpraxis auch – gerade darin, das Wissen aus den unterschiedlichen Fachdisziplinen, aus der Humboldtschen Verbindung von Forschung und Lehre und der berufsorientierten Praxis zu synthetisieren. Die Architecture Research Stage konzipiert für eine solche kollaborative Architekturforschung ein übergreifendes Modell und eine aktiv vernetzende Infrastruktur. Erstmalig werden nicht nur Ergebnisse und Daten, sondern auch Kontexte der Architekturforschung auf einer webbasierten Plattform generiert, vernetzt und sichtbar gemacht. Nicht nur bestehende Verbindungen zeigen sich so, sondern auch mögliche Fragestellungen, wertvolle Quellen, spannende Themenverbindungen oder mögliche Partnerschaften werden sichtbar.

Das Projekt wird von Prof. Dr. Jörg Gleiter (TU Berlin) und Prof. Dr. Norbert Palz / Prof. Dr. Susanne Hauser (UdK Berlin) geleitet und mit einem interdisziplinären Forscherteam und der Beteiligung von Kooperationspartnern aus dem weiteren akademischen und außer-akademischen Bereich in Berlin-Brandenburg durchgeführt.

Website: architectureresearchstage.de

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Dr.-Ing. Michael Dürfeld.

michael.duerfeld@tu-berlin.de

Doktorandenkolloquium/ Lunchtime Lecture

Doktorandenkolloquium/ Lunchtime Lecture

Im Rahmen des Doktorandenkolloquiums und der Reihe "Lunchtime Lectures“ werden Vorträge von Referenten gehalten, die über die Arbeit an ihren Dissertationen bzw. Forschungsprojekten berichten. 

Das Doktoranden- bzw. Forschungskolloquium ist öffentlich und richtet sich an alle Interessierten. Die Veranstaltung besteht aus Vorträgen und anschließenden Diskussionen.

Alle weiteren Informationen sind den jeweiligen Ankündigungen zu entnehmen.

Abgeschlossene Forschungsprojekte

JeBe – The Jerusalem Berlin Platform for Urbanism and Theory

JeBe – The Jerusalem Berlin Platform for Urbanism and Theory

Jerusalem and Berlin are two cities that incorporate ultimate manifestations of current urbanism in their own specific ways. Converging and diverging in many aspects, they condense past and present, prospect and conflict, deep scars and grand attempts at reconciliation. Both cities are homes for diverse communities that have been rooted and uprooted; carrying with them stratified histories, intertwined with local and remote times and places. Both cities struggle with narratives whose traces surface occasionally, shattering habitual everyday life. In an ever-globalizing world, Berlin and Jerusalem abound in lifestyles and lifeworlds (Husserl’s Lebenswelten) embedded in their physical tissues, resembling palimpsests. As such, the cities are potentially rich laboratories, perfectly suited to the study of urbanisms with a lower-case “u”:  metamorphosing urbanisms in flow.

JeBe – The Jerusalem-Berlin Platform for Urbanism and Theory – sets out to explore public life in the spaces and places of the two cities. It adopts the position of urban design, which is defined as an ongoing, creative activity whose aim is to decipher, interpret and intervene in urban public space. Although “public space” may be understood as the entire range of social space, ranging from somewhat fixed city centers to alternative events by “counter-publics”, and from corporate commercial hotspots to publicly owned infrastructures, the Platform chooses to emphasize community-space at an intermediate scale, as interpreted and used by the community involved. The core of this approach is the conviction that juxtaposing lifeworld, i.e. the experienced space in context, with theoretical investigation, will contribute to advancing an understanding of urban-life forms, and will shed light on  practical and theoretical domains of urban design.

JeBe is a research and pedagogical platform, initiated as a collaborative effort between students and researchers from the Faculty of Architecture and Town Planning, Technion, I.I.T., Haifa and the Institute of Architecture, Technische Universität, Berlin. Its framework includes graduate-student architectural and urban design studios, lecture courses, applied and theoretical research, conferences and workshops, and educational visits to Berlin and Jerusalem. Faculty and students from other departments and universities are invited to participate and contribute from their own fields of knowledge. Work is undertaken in collaboration with people from local communities: social activists, artists, NGO representatives, local municipal authorities, as well as architects, planners and designers involved in local projects. Studio and research results are presented to the community and to the public at large.

www.jebe-cities.com

Architectural Research Group Berlin-Milano

Architectural Research Group Berlin-Milano

The end of criticality has been declared more than once in the architectural discourse of the late 20th C. This regards both: Architectural Practice and the Critique of Architecture itself. More recently the status of criticality has been restored after the era proclaimed post-critical has passed its peak. Criticality has increasingly turned into a medium of resistance set against an economic system of unified standards in the architecture world globally. Focussing on history and political critique of architecture today means therefore to seek anew for a contemporary relation of architectural theory to practice, and of architectural practice to the real (or realpolitik). 

With the emphasis on history and political critique, the research group Berlin-Milano aims to contribute a specific perspec- tive to the revitalisation of criticality in architecture. The widespread myth that architecture is inevitably political does not keep us from questioning if and how architecture‘s critical-political scope was dealt with historically and why and how this scope ought not to stay on the verge of the architectural discourse today. 

www.berlinmilano.com

Geschichtswerkstatt

Geschichtswerkstatt

Die Geschichtswerkstatt des Instituts für Architektur wurde im Jahr 2017 von den Fachgebieten Architekturtheorie (Prof. Dr. Jörg H. Gleiter), Bau- und Stadtbaugeschichte (Prof. Dr. Hermann Schlimme) und Historische Bauforschung und Baudenkmalpflege (Prof. Dr. Thekla Schulz-Brize) gegründet. Die Geschichtswerkstatt versucht die kritische Aufarbeitung der wechselvollen Geschichte des Instituts für Architektur. Die Motivation ist, dass ohne Kenntnis der Vergangenheit die Beantwortung der Fragen der Zukunft nicht möglich ist. Das Verständnis der Geschichte und die Möglichkeit zu ihrer kritischen Rekonstruktion sind Voraussetzung für Souveränität und Selbstbestimmung unserer Institution und unserer Studierenden und Lehrenden.

Zusammen mit den Studierenden der Architektur möchte die Geschichtswerkstatt einen Beitrag zum besseren Verständnis der Geschichte nicht nur des Instituts für Architektur, sondern auch der Technischen Universität Berlin leisten. Als Teil der TU Berlin hat das Institut für Architektur eine lange Tradition. Sie geht bis auf die Gründung der preußischen Bauakademie 1799 zurück. Damit ist das Institut für Architektur die älteste Architekturfakultät Deutschlands. Aus der Bauakademie wurde 1879 die Königliche Technische Hochschule zu Berlin, die 1946 als Technische Universität Berlin neu gegründet wurde.

Die Gründung der Bauakademie stellt den eigentlichen Gründungsakt der TU Berlin dar. Es ist die Architektur, auf der alles aufbaut. So gehen die meisten der heutigen Fachgebiete der Universität auf die Architektur als die Mutter der Künste zurück, was alle Künste und damit auch Technik und Naturwissenschaften einschließt. Die Architektur ist die im eigentlichen Sinne enzyklopädische Kunst. Oft ist nicht bewusst, dass gerade die exakten Wissenschaften ihre Modelle für Ordnung und System den Vorstellungen von Klarheit in den Künsten, aus denen sie sich herausentwickeln, verdanken.

 Seit der Gründung der Bauakademie hat sich das Institut für Architektur und seine Vorgängerinstitutionen unter den jeweiligen kulturellen und politischen Einflüssen vielfältig verändert. Zu den Einflüssen gehören die Neuordnung Preußens nach den napoleonischen Kriegen 1815 wie auch die Gründung des zweiten deutschen Kaiserreichs 1871, die Ausrufung der Republik 1918, die Gesetze zur Gleichschaltung 1933, der Neuanfang 1946 unter der britischen Militärverwaltung, die Studentenunruhen 1968, der Fall der Mauer 1989 und die Entscheidung für Berlin als Hauptstadt des wiedervereinigten Deutschlands. All dies hatte vielfältigen Einfluss auf die Ausbildungsmodelle, die Besetzung der Lehrstühle und die Forschungsinhalte des Instituts für Architektur.

Im Zentrum der Arbeit der Geschichtswerkstatt stehen die ehemaligen Studierenden und Lehrenden des Instituts für Architektur und seiner Vorgängerinstitutionen. Neben vielen anderen gehören dazu Persönlichkeiten wie David und Friedrich Gilly, Karl Friedrich Schinkel – erst Schüler, später Direktor der Bauakademie –, aber auch Hans Poelzig, Heinrich Tessenow, Hans Scharoun, Otto Königsberger, Bernhard Hermkes, Hinrich Baller, Julius Posener und Oswald Mathias Ungers. Die Geschichtswerkstatt wird sich aber auch mit den weniger ruhmvollen Zeiten beschäftigen wie mit dem nationalkonservativen Chauvinismus und Imperialismus im Kaiserreich, mit der Rolle der Professorenschaft im 1. Weltkrieg wie auch mit der Zeit der NS-Diktatur. Wie wir wissen, war Albert Speer an der TU Berlin Assistent von Heinrich Tessenow. Das wirft viele Fragen auf, auch die nach der Geschichte und dem persönlichen Lebensweg der jüdischen Studierenden und Absolventen, die ab 1933 aus der Hochschule und zur Emigration gedrängt, verfolgt und ermordet wurden. Ein wichtiges Forschungsfeld wird auch die neuere Geschichte nach der Neugründung der TU Berlin 1946 sein, was die Studentenproteste und -streiks 1968 oder 1988 wie auch die Brüche und die damit ausgelösten Diskontinuitäten einschließt. Diese wirken bis heute unterschwellig, aber mit keineswegs zu vernachlässigender Energie im Institut der Architektur nach. 

Schritt für Schritt möchte sich die Geschichtswerkstatt ein kritisches Bild von der wechselvollen Geschichte des Instituts für Architektur machen. Die Arbeitsformen dafür sind Seminare und Lehrforschungsprojekte, aber auch Bachelor- und Masterarbeiten. Es sind die Studierenden, die die Arbeit der Geschichtswerkstatt leisten. Die Geschichtswerkstatt bietet ihnen die Möglichkeiten, sich einerseits unter Anleitung mit dem wissenschaftlichen Arbeiten auf den Gebieten der Theorie, Geschichte und Bauforschung vertraut zu machen. Andererseits können sie durch die Konzeption von Ausstellungen, Publikationen und Internetauftritten ihre gestalterischen Fähigkeiten erweitern.

Die Ergebnisse der Geschichtswerkstatt werden über diverse Medien wie Vorträge, Podiumsdiskussionen, Ausstellungen, Bücher und Websites allen Studierenden und Mitarbeitern des Instituts für Architektur zugänglich gemacht. Wir verbinden damit die Hoffnung, den Grad der Identifikation der Studierenden mit der akademischen Institution zu stärken, in der sie entscheidende Jahre ihrer persönlichen Entwicklung verbringen. Die Arbeit der Geschichtswerkstatt soll aber auch nach innen wirken, profilbildend sein und einen Beitrag zur Identität des Instituts leisten. Sie will zur größeren Souveränität des Instituts für Architektur über die eigene Entwicklung beitragen. Es bedarf dazu der Überwindung der historischen Gleichgültigkeit, was so viel bedeutet, wie die Emanzipation der akademischen Lehre und Forschung aus den Zwängen einer zunehmend durchökonomisierten, instrumentellen Vernunft.