Stellungnahme und Definition von Machtmissbrauch

Gegen Machtmissbrauch an unserer Universität

Machtmissbrauch in der Wissenschaft hat viele Gesichter und Ausprägungen. Nicht immer ist den Macht-Innehabenden oder auch den Betroffenen bewusst, dass bestimmte Verhaltensweisen und Vorfälle in den Bereich Machtmissbrauch fallen. Umso wichtiger ist es, dass wir alle offen darüber reden. Die Formen des Machtmissbrauchs sind vielfältig: Angefangen bei explizit oder implizit eingeforderter Mehrarbeit (z. B. halbe Stellen bei voller Arbeit); Stipendien, die den Mindestlohn umgehen; impliziter oder expliziter Drohung befristete Verträge nicht zu verlängern; Dienstreisen oder Autor*innenschaften unangemessen einzuschränken; Gutachten zu verzögern; bis hin zu Dauerstellen, die als persönliches „Geschenk“ von Professor*innen an ausgesuchte Wissenschaftler*innen aus dem eigenen Team vergeben werden. Aber Machtmissbrauch gibt es nicht nur im wissenschaftlichen Mittelbau – auch andere Statusgruppen sind betroffen. Davon ist die TU Berlin auch nicht verschont.

Die TU Berlin hat den Anspruch, Strukturen, die den Machtmissbrauch begünstigen, zu hinterfragen und funktionierende, transparente Strukturen zum Umgang mit Machtmissbrauch bereitzustellen. Wir haben bereits viele Anlaufstellen, wir sind aber noch weit von einer diskriminierungsfreien Universität entfernt.

Prof. Dr. Geraldine Rauch

Präsidentin der TU Berlin

Definition Machtmissbrauch in der Wissenschaft der TU Berlin

Machtmissbrauch ist der Gebrauch von Macht, z. B. durch eine Führungskraft, für den eigenen Nutzen oder den einer Gruppe, der man angehört, auf Kosten von anderen. Je gravierender die Konsequenzen für die Betroffenen sind, umso schlimmer ist die Ausprägung des Machtmissbrauchs.

Wir verstehen Machtmissbrauch in der Wissenschaft als missbräuchliche Nutzung eines Abhängigkeitsverhältnisses insbesondere in einer hierarchischen Struktur. Machtmissbrauch hat verschiedene Facetten und Ausprägungen, die von sexualisierter Diskriminierung und Gewalt über Drohungen und wissenschaftliches Fehlverhalten reichen können. Dabei vermischt sich Machtmissbrauch häufig auch mit anderen Diskriminierungsarten wie Rassismus oder Sexismus.
 

Beispiele

Die Erkennung von Machtmissbrauch ist nicht immer einfach. Es kommt nicht nur auf die Art der Vorfälle, sondern auch auf deren Häufung oder Systematik an. So ist nicht jeder ausgelaufene Vertrag ohne Verlängerung als Machtmissbrauch zu verstehen, wohl aber ist das offen in Frage stellen einer Vertragsverlängerung verknüpft mit Leistungsdruck kritisch zu bewerten. Bei einigen Beispielen kann man bei einmaligem Vorkommen noch nicht von Machtmissbrauch sprechen. So kann es bei einer einzelnen Publikation durchaus auch berechtigt zu Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Autor*innenreihenfolge kommen. Wenn jedoch ein*e Promovierende regelmäßig in der Autor*innenreihenfolge benachteiligt wird, kann das anders bewertet werden. Folgende Beispiele sollen dabei helfen, mögliche Formen von Machtmissbrauch zu erkennen:

  • Ausbeutung, z. B. die Aufforderung, Arbeiten für die Promotion ausschließlich in der Freizeit zu machen,
  • übermäßiges Kontrollverhalten,  
  • sexualisierte Belästigung, Diskriminierung und Gewalt,   
  • korrupter Umgang mit Geldern,  
  • Diebstahl von Ideen,
  • Blockade von Konkurrent*innen im Rahmen von Begutachtungsverfahren,
  • Erwerb von Autor*innenschaften durch gegenseitige Gefälligkeiten / qua Machtposition bzw. unangemessene Einschränkung von Autor*innenschaften,
  • Absichtliche Verzögerung von Gutachten,
  • Dauerstellen als persönliches „Geschenk“ von Professor*innen,
  • Mobbing / Schikane / Demütigung,   
  • regelmäßiges unter Druck setzen,
  • diskriminierende Nachrichten,
  • Drohung, Arbeitsverträge nicht zu verlängern, um ein bestimmtes Resultat zu erwirken,
  • unverhältnismäßige Verhinderung von Teilnahme an Konferenzen/Dienstreisen,
  • Stipendien, die Beschäftigungsverhältnisse ersetzen sollen,  
  • explizit oder implizit eingeforderte Mehrarbeit (volle Arbeit bei halber Stelle) oder
  • Stipendien, die den Mindestlohn umgehen.

Anlaufstellen für alle TU-Mitglieder

Zentrale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte

Die Zentrale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte ist gewählte Vertreterin der weiblichen Mitglieder der Universität und setzt sich für die Beseitigung der bestehenden Nachteile für Frauen sowie für Chancengleichheit und Diskriminierungsfreiheit ein. Sie ist ansprechbar für Studierende und Beschäftigte und berät vertraulich und unabhängig.

Themen:
- sexualisierte Diskriminierung, Belästigung und Gewalt
- Gleichstellungsfragen
- Diskriminierung aufgrund des Geschlechts

Nebenberufliche Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte

Die dezentralen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten sind Ihre Ansprechpersonen in den Fakultäten und Einrichtungen für ein gleichberechtigtes, offenes und diverses Arbeits-, Forschungs- und Bildungsumfeld. Wir beraten und unterstützen Sie, gerne auch anonym.

Themen:
- sexualisierte Diskriminierung, Belästigung und Gewalt
- Gleichstellungsfragen
- geschlechtsspezifische Diskriminierung

Ombudspersonen und Kommission für wissenschaftliches Fehlverhalten

Die Ombudspersonen sind Ansprechpartner*innen für gute wissenschaftliche Praxis an der TU Berlin. Sie können sie ansprechen, wenn Sie wissenschaftliches Fehlverhalten vermuten. Die Ombudspersonen werden versuchen, den Fall durch Schlichtung zu lösen und ihn ggf. an die Kommission zur Untersuchung wissenschaftlichen Fehlverhaltens weiterleiten, die die Vorwürfe prüft, bewertet und dem Präsidium einen Beschlussvorschlag vorlegt.

Themen:
- wissenschaftliches Fehlverhalten

Externe Anlaufstellen

Metooscience

Metooscience bietet Betroffenen von sexualisierter Gewalt im wissenschaftlichen Kontext ein Sprachrohr und Schutz durch Solidarität und Anonymität. Außerdem bieten sie Unterstützung für Betroffene, Bystander*innen, Institutionen.

Themen:
- sexualisierte Gewalt im wissenschaftlichen Kontext

Weitere Anlaufstellen finden Sie auf der Webseite Beratungsangeboten und Beschwerdestellen an der TU Berlin.