Technische Universität Berlin

Das Weekly Bulletin

Einmal wöchentlich schreibt der Präsident der Technischen Universität Berlin seine Gedanken zur derzeitigen Situation auf und sendet diese an alle Beschäftigten der Universität.

 

Ihr Feedback zum Weekly Bulletin

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Weekly Bulletin Nr. 11

Weekly Bulletin des Präsidenten der TU Berlin, Nr. 11
Mittwoch, 1.7.2020

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Beschäftigte der TU Berlin,

in den vergangenen Wochen haben wir bedingt durch die besonderen Umstände in diesem Sommersemester eine Diskussion erlebt, die sich um die Bewältigung der Pandemie und die Zukunftsgestaltung unserer Universität gleichermaßen drehte. In meinem Weekly Bulletin hatte ich dazu aufgerufen, mir Ihre Vorstellungen und Erfahrungen mitzuteilen. Mehr als 100 sehr ausführliche Schreiben erreichten mich. Nicht mit eingerechnet ist die intensive Korrespondenz zwischen Ihnen und dem Krisenstab, dem Präsidenten- und den Büros der Vizepräsident*innen.

Ich habe Ihnen versprochen, Ihre Anregungen, Hinweise, Zukunftsvorstellungen in meine Planungen für die TU Berlin aufzunehmen. Und dieses Versprechen möchte ich jetzt einlösen. Ich löse es ein mit einem Zukunftsplan für unsere Universität, der nicht erst in einem Jahr kommt, sondern jetzt, der nicht ein Detail betrachtet, sondern eine gesamte Entwicklungslinie eröffnen soll. Ich habe diese Planungen im Präsidium, im Akademischen Senat und im Kuratorium in Auszügen vorgestellt. Ich möchte sie hier im Weekly Bulletin, meinem persönlichen Schreiben an Sie alle, erstmals ausführlich und schriftlich mitteilen. Das ist mir sehr wichtig, sehr geehrte Beschäftigte!

Das Programm „tubstart2020“

Unsere Ausgangsfragen waren: Wie wollen wir künftig arbeiten; im Homeoffice, vor Ort auf dem Campus, mobil und/oder flexibel?

Welche Arbeitsweisen haben sich in der Krise bewährt? Welche Rolle spielt Präsenz in Forschung, Lehre und Verwaltung?

Welche Entwicklungen können und sollen in den wissenschaftsunterstützenden Bereichen angestoßen werden?

Welche Rechtsgrundlagen müssen an flexible Arbeitsmodelle angepasst werden?

Was müssen wir ändern, um die TU Berlin als Teil des öffentlichen Dienstes, als internationale Forschungsuniversität und als attraktive Arbeitgeberin gleichermaßen weiterzuentwickeln?

Von diesen Fragen ausgehend, möchte ich eine neue Entwicklungsperspektive für die TU Berlin eröffnen und mit konkreten Maßnahmen unterlegen. Ziel des Programms „tubstart2020“ ist es, allen Mitarbeiter*innen in Lehre, Forschung und Verwaltung eine flexible Arbeitsweise zu ermöglichen. Dies soll auch positive Auswirkungen auf Lehre und Studium und damit auf unsere Student*innen haben.

Mit dem Programm „tubstart2020“ wollen wir schnell und effektiv auf unterschiedlichen Ebenen handeln, um die Krise zu bewältigen, Bewährtes aus der Pandemiezeit zu verstetigen und moderne wie neue Arbeitsweisen rechtssicher einzuführen. Dafür bin ich bereit, rund 3,5 Millionen Euro in den nächsten Jahren zu investieren.

Damit dies universitätsweit eingeführt werden kann, müssen Voraussetzungen geschaffen werden. Hierzu zählen rechtliche Rahmen, Datenschutz-Regelungen, technische Voraussetzungen und Dienstvereinbarungen mit den Personalvertretungen über Arbeitsmodelle. Unbenommen davon stehen wir vor der übergeordneten Aufgabe, einen Kulturwandel herbeizuführen, der uns neue Möglichkeiten für die TU Berlin und neue Perspektiven für jede*n Einzelne*n eröffnet.

Wir möchten außerdem kompensatorische Maßnahmen zur Aufarbeitung der inzwischen aufgelaufenen Rückstände aus dem Notbetrieb definieren.

Die TU Berlin will noch im Jahr 2020 die Herausforderungen annehmen, die Handlungsstränge verknüpfen und dadurch einen weiteren wesentlichen strategischen Entwicklungsschritt initiieren.

Ich möchte das für unsere einzelnen Handlungsfelder konkret beleuchten:

 

Zum Bereich Studium und Lehre:

An dem Wert von Präsenzlehre wird sich nichts ändern, die TU Berlin wird auch weiterhin eine große Präsenzuniversität bleiben. Wir waren in der Pandemiezeit, die ja immer noch anhält, jedoch gezwungen, Alternativen in Form von digitaler Lehre anzubieten. Das haben wir getan. Aber: Was planen wir für die Zeit nach der Pandemie?

Momentan nehmen wir ganz unterschiedliche Bedürfnisse aus den Fächerkulturen wahr. Die einen benötigen Präsenzveranstaltungen für den Lernerfolg, die anderen halten digitale Vorlesungen bereit, die zeitlich flexibel genutzt werden können und bei denen nicht wie früher mehr als 1000 Student*innen gleichzeitig um 8 Uhr ins Audimax strömen. Beide Seiten tragen ihre Argumente überzeugend vor.

Ich sehe eine Verpflichtung unserer Universität darin, den Dozent*innen und Student*innen eine hohe Flexibilität für die Vermittlung von Wissen und für das Lernen anzubieten. Wir müssen gute Rahmenbedingungen für Präsenzveranstaltungen UND für digitale Lehre bieten. Letztlich werden unsere Dozent*innen und Student*innen entscheiden, welche Methode sie bevorzugen, sie haben die Wahlmöglichkeit. Und diese wollen wir dauerhaft schaffen, nicht nur für die momentane Pandemie-Situation. Darin sehe ich eine echte Weiterentwicklung. Ich sehe sie nicht in der Konkurrenz von Präsenz und Digital, sondern im Miteinander und im Nebeneinander. Das macht eine moderne Universität aus, das möchten wir fördern, und das soll unser Weg sein. 

 

Zum Bereich Verwaltung:

Hier unterscheiden wir zwischen Verwaltungsvorgängen an sich und der Tätigkeit in der Verwaltung. Für Letzteres wollen wir die Möglichkeit des flexiblen Arbeitens schaffen. Dafür benötigen wir nichts Geringeres als einen Paradigmenwechsel. Mein Wunsch ist es, dass wir, wo es vernünftig geht, wegkommen von der reinen Ableistung von Arbeitszeit in einem Büro. Wir sollten in unserem Denken und unserem Management verstärkt ein ergebnisorientiertes Arbeiten ansteuern. Wir sollten nicht mehr fragen, von wann bis wann hast du gearbeitet, sondern: Was hast du geschafft?

Jetzt werden viele stocken und überlegen: Wie soll das gehen? Die*der eine sagt: Geht nicht. Die*der andere: Genau das will ich.

Ich stelle mir vor, dass wir gemeinsam mit Ihnen und den Personalvertretungen Arbeitsmodelle entwickeln, die einen Mix aus Homeoffice, mobilem Arbeiten und Büroarbeit darstellen. Ich selbst hatte den Vorschlag eingebracht, dass man an drei Tage Büroarbeit und zwei Tage Homeoffice denken könnte. Auch unsere Beschäftigten in der Verwaltung sollen asynchron arbeiten dürfen. Warum muss man zehn Vorgänge zwischen 9.00 und 17.23 Uhr erledigen, dafür eine Stunde Anfahrt und eine Stunde Abfahrt in Kauf nehmen? Warum kann man nicht definierte Arbeitsvorgänge von zu Hause aus in der Zeit und Dauer erledigen, die der Person passt. Mobiles Arbeiten soll den gleichen Rang besitzen wie Büroarbeit. Es wird auch Aufgaben geben, die nicht im Homeoffice umzusetzen sind. Es wird Zeiten geben, in denen sich das Team im Büro trifft. Das verlangt auch eine neue Führungskultur. Mein Ziel ist eine hohe Flexibilität gepaart mit gegenseitigem Vertrauen und Verpflichtungen.

Schauen wir in den Bereich Forschung: Hier ist kein Paradigmenwechsel notwendig. Das „Geschäft“ der Forschung basiert auf Kreativität, Innovation und Kooperation. Kreativ ist man nicht auf Knopfdruck pünktlich um 8.30 Uhr. Das kennen unsere Forscher*innen. Flexibilität wird von ihnen bereits seit vielen Jahren gelebt. Wir können von dieser Arbeitsweise lernen. Unser Vorteil: Wir haben sie im Haus, sie gehört zu unserer DNA. Das sollten wir nutzen.

Um den wissenschaftsunterstützenden Bereich, also die Verwaltung in der Zentrale und den Fakultäten, weiterzuentwickeln, müssen wir Kernprozesse weiter digitalisieren. Mit unserem SAP-Projekt ernten wir jetzt nach einer langen schwierigen Zeit erstmals Früchte, beispielsweise bei der Immatrikulation unserer Student*innen zu Beginn dieses Sommersemesters mitten in der Corona-Zeit. Darauf können wir stolz sein und aufbauen, insbesondere mittelfristig bei Personal- und Finanzprozessen. In den Abteilungen, Teams, Laboren und an den Fakultäten und Fachgebieten müssen begleitend dazu neue digitale Tools der Zusammenarbeit ermöglicht werden. Das müssen wir organisieren.

Die Übersicht über den Maßnahmenkatalog finden Sie weiter unten.

Die Flexibilisierung durch Digitalisierung in den wesentlichen Bereichen und die Entwicklung neuer Arbeitsmodelle wird unsere Universität viel attraktiver machen. Das wird auch dem Klimaschutz und der Nachhaltigkeit dienen, beide sind uns genauso wichtig wie der beschriebene Prozess.

Es lohnt sich, neu zu denken! Ich lade Sie ein, diesen Prozess mit dem Präsidium gemeinsam zu gestalten.

Ich werde Sie kontinuierlich über weitere Entwicklungen in dieser für die Universität wichtigen Phase unterrichten.

 

In eigener Sache

Erlauben Sie mir noch eine Anmerkung: Ich freue mich jetzt – wie einige von Ihnen auch - auf meinen Urlaub, den ich am Montag angetreten habe. In dieser Zeit wird es (leider) keine Weekly Bulletins geben. Ende Juli melde ich mich wieder bei Ihnen.

Ich wünsche Ihnen einen guten, restlichen Verlauf dieses denkwürdigen und außergewöhnlichen Sommersemesters.

Ich bedanke mich sehr für Ihr Engagement! Sie alle und unsere TU Berlin zusammen haben Großartiges geleistet.

Bleiben Sie gesund, genießen Sie sicher den Sommer und erholen Sie sich!

Christian Thomsen
Präsident der TU Berlin

 

Maßnahmenkatalog für das Programm „tubstart2020“

Was heißt das konkret? Welche Maßnahmen haben wir im Programm „tubstart2020“ vorgesehen?

Für die nächsten zwei Jahre wollen wir insgesamt in zwei Maßnahmenpakete rund 3,5 Millionen Euro investieren. 

 

Maßnahmenpaket 1

Wir müssen den Berg an Vorgängen abbauen, der sich während des Präsenznotbetriebs und dem eingeschränkten Präsenzbetrieb in der Verwaltung angestaut hat. Das ist eine Last für jede*n Beteiligte*n. Hier müssen wir schnell agieren. Dazu sind wir bereit, mit Personal und Finanzen. Als erstes wollen wir vorgezogene Einstellungen umsetzen. Weitere Maßnahmen werden in den Gesprächen mit den Abteilungsleitungen erörtert.

Wir möchten eine Verlängerung von Stipendien und kritischen Drittmittel-Verträgen, z.B. für bis zu drei Monaten, ermöglichen.

Wir streben den Ausbau von Laborplätzen und Praktika zur Abarbeitung des Rückstaus in diesen Lehrformaten an. Dies bezieht sich auf Ad-hoc-Maßnahmen zur schnellen Umsetzung.

Diese Maßnahmen sollen helfen, die durch den Lockdown und das Digitalsemester entstandenen Rückstände und Nachteile in Lehre, Forschung und Verwaltung wenigstens teilweise zu kompensieren.

 

Maßnahmenpaket 2

Die weiteren Maßnahmen dienen der strategischen und strukturellen Positionierung der TU Berlin im oben beschriebenen Sinne:

Die Rechtsgrundlagen für flexibles Arbeiten sind nicht klar. Wir erarbeiten momentan eine entsprechende Vereinbarung für mobiles Arbeiten mit dem Personalrat. Das konkrete Ziel ist eine Dienstvereinbarung für mobiles Arbeiten.

Wir haben unsere Beschäftigten ad hoc in das Homeoffice schicken müssen. Künftig geht das nicht ohne finanzielle Unterstützung. Für die reguläre Nutzung von Homeoffice benötigen wir eine Ausstattung. Dazu gehören Laptop, Internetanschluss und Stuhl. Hierfür werden wir uns einen Finanzplan überlegen, wie wir finanziell unterstützen können.

Es wird an der TU Berlin zusätzliche Videokonferenzräume geben müssen, da wir auch aus Klimaschutzgründen die große Anzahl an Dienstreisen zu Kongressen, Messen und Tagungen minimieren wollen. Unser Ziel ist, in der TU Berlin eine attraktive Infrastruktur für Videokonferenzen anzubieten, um damit eine gesunde Mischung aus Präsenztagung und Videotagung zu ermöglichen. Hier werden wir investieren.

Wir wollen weitere Lizenzen für VPN-Tunnel und Konferenztools bereitstellen.

Wir streben eine dauerhafte Etablierung von digitaler Lehre an. Daher werden wir in geeignete und datensichere Tools investieren.

Unser Ziel ist die Digitalisierung der Personalvorgänge, ein Teil davon wird das e-Recruiting und die Digitalisierung der Personalakte (in SAP) sein.

Wir wollen die schnellere Einführung von e-Rechnungen (in SAP) vorantreiben.

Die Digitalisierung der baulichen und technischen Infrastruktur (Netze für Strom, Wärme, Kälte, Wasser und Abwasser etc.) ist unser Ziel und wird verfolgt.

Wir sehen die dringende Notwendigkeit einer vereinheitlichten IT-Struktur sowie einer dauerhaften, erweiterten Homeoffice-Möglichkeit (VPN-Tunnel, Software-Zugriff in PC-Pools, Einführung einer Software zum gemeinsamen Arbeiten etc.).

Parallel dazu streben wir eine diesen Prozessen angepasste Weiterbildung für unsere Beschäftigten an.

Weekly Bulletin Nr. 10

Weekly Bulletin des Präsidenten der TU Berlin, Nr. 10
Freitag, 19.6.2020

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe TU-Mitglieder,

ich möchte mich heute noch einmal dem Thema Präsenzveranstaltungen und digitale Lehrformate widmen. Uns treibt alle die Frage um: Wie halten wir es im Wintersemester 2020/2021 mit diesen beiden Formaten? Wir wollen alle, dass es kein reines digitales Semester wird, wie wir es jetzt im Sommer durchgeführt haben. Und doch ist uns bewusst, dass die Pandemie weiterhin unser Handeln beeinflussen wird. Das zeigen erst recht die aktuellen, lokal begrenzten Beispiele in Berlin, Göttingen oder NRW mit zum Teil sehr hohen Neuinfektionen.

Deshalb ist es für mich klar und meine Bitte an alle Dozent*innen auch: Bereiten Sie Ihre Lehre digital vor. Damit erreichen wir eine Flexibilität im Handeln, die uns bei einer möglichen 2. oder 3. Welle der Virusausbreitung die Durchführung des Studiums und den Schutz der Gesundheit ermöglicht.

Trotzdem sollten wir im Wintersemester dort, wo es geht, Präsenzveranstaltungen anbieten. Dies betrifft Prüfungen, Praxisformate oder sogar kleinere Seminare unter den definierten Hygienebedingungen. Wir werden im Krisenstab auch Pläne erarbeiten, wie unser Verwaltungsbereich Schritt für Schritt zu einem Normalbetrieb unter Pandemiebedingungen geführt werden kann.

Besonders unseren Erstsemestern gegenüber haben wir die Verpflichtung, ihnen die Türen in die TU Berlin und zu ihrem Studium zu öffnen. Das kann digital geschehen, ist aber vor Ort und auf dem Campus besser, zielführender und auch individueller. Dies trifft besonders auch auf diejenigen neuen Student*innen zu, die aus dem Ausland kommen. Eins steht jedoch fest: Eine zentrale Erstsemesterbegrüßung mit mehr als 3000 Personen, wie sie es seit Jahren bei uns und anderen Hochschulen gute Tradition ist, wird es leider nicht geben können.

Wir wollen auch unseren aktuellen und künftigen Student*innen das Signal geben, dass sie nach Berlin kommen sollen. Wenn es aufgrund von Corona-bedingten Restriktionen nicht gehen wird, können sie bei uns digital studieren. Auch das ist ein Vorteil der digitalen Vorbereitung und Durchführung der Lehre.

Und: Bitte vergessen Sie nicht, Mund- und Nasen-Schutz auf dem Campus und in den Häusern der TU Berlin zu tragen. Das ist wichtig. Sie schützen andere und sich selbst. Vielen Dank dafür!

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende. Bleiben Sie gesund!

Wie immer freue ich mich über Ihre Anregungen: feedback(at)uni.tu-berlin.de

Ihr

Christian Thomsen
Präsident der TU Berlin

Weekly Bulletin Nr. 9

Weekly Bulletin des Präsidenten der TU Berlin, Nr. 9
Freitag, 12.6.2020

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe TU-Mitglieder,

mich beschäftigt seit einiger Zeit die Frage, wie sich die Corona-Pandemie auf die Geschlechter auswirkt. Da gibt es viele Facetten. Eine davon interessiert mich besonders: Wie wirken sich Homeoffice, Homeschooling, Care at Home usw. auf die beruflichen Aktivitäten und Karrieren von Frauen und Männern aus?

In meinem Artikel, der in dieser Woche in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) erschien, beschreibe ich diesen Umstand, eingebettet in Überlegungen über die Digitalisierung unserer Welt, hier am Beispiel unserer digitalen Lehre.

Erlauben Sie mir noch einen Hinweis, der mir wichtig ist: Bitte vergessen Sie nicht, einen Mund- und Nasenschutz auf dem Campus zu tragen. Das ist nicht nur eine Pflicht an der TU Berlin, sondern vor allem bedeutet es Rücksicht gegenüber der Gesundheit anderer TU-Mitglieder. Vielen Dank!

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende. Bleiben Sie gesund!

Wie immer freue ich mich über Ihre Anregungen: feedback(at)uni.tu-berlin.de

Ihr

Christian Thomsen
Präsident der TU Berlin

 

Die Publikationslücke der Frauen (erschienen in leicht gekürzter Form in der FAZ vom 10.6.2020)

Einiges haben wir Hochschulen in der Corona-Krise gelernt. Zum Beispiel, wie schnell wir in der Lage sind, in einer Notsituation zu reagieren, in der es eben einfach nicht anders ging. Innerhalb weniger Wochen stellten die Universitäten und Hochschulen Deutschlands den gesamten Vorlesungsbetrieb auf „digital“ um. Die Universitäten gingen in einen Präsenznotbetrieb und ihre Beschäftigten in das Homeoffice. Bei allen regionalen Verschiedenheiten ist es uns gelungen, unter hohem organisatorischen Aufwand und persönlichem Einsatz der Mitarbeiter*innen einen Beitrag zur Eindämmung des Virus zu leisten. Denn allein die 200.000 Studierenden Berlins, wenn sie täglich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs wären und in Hörsälen säßen, würden ein erhebliches Verbreitungsrisiko darstellen. Keine Hochschule ist - zum Glück bislang - als Hotspot der Corona-Verbreitung aufgefallen.

Nun hatte diese zügige Umstellung auch ihren Preis: Die Digitalisierung ist in unseren verschiedenen Lebensbereichen in Vor-Corona-Zeiten unterschiedlich weit vorangeschritten und präsent gewesen. Beim Thema Schulen wird viel über Förderpakte geschrieben, es ist aber gefühlt wenig dort angekommen. Schon die Frage der erlaubten Plattformen für die Kommunikation von Lehrkräften mit Schüler*innen oder auch Studierenden war lange ungeklärt. In der universitären Lehre waren es bislang überwiegend Pilotprojekte, die den digitalen Lehrbetrieb erhellten. Von Digitalisierung im Verwaltungsbereich ist bislang – jedenfalls in Berlin – gar nichts zu merken. Und entsprechend anstrengend ist die Umstellung auch gewesen. Homeoffice und Homeschooling waren bis vor Kurzem fast unbekannte Begriffe, die technischen Voraussetzungen dafür in den öffentlichen Verwaltungen von Bildungseinrichtungen nicht standardisiert. Mitarbeiter*innen mussten ihre eigenen Laptops oder Computer und privat bezahlte Internetverbindungen nutzen, wenn überhaupt etwas funktionieren sollte. Studierende, die in einem kleinen Zimmer in einer Wohngemeinschaft leben, haben nicht immer einen Internetzugang zu den digital angebotenen Lehrveranstaltungen. Freies WLAN steht ihnen kaum, jedenfalls nicht ausreichend zur Verfügung. Wir sind in eine Lage hineingeschlittert, wo wir alle nur mit Glück und Improvisation einigermaßen und auch nur in Teilen reüssieren konnten.

Es hätte auch besser gehen können. Ein paar Stichpunkte aus dem oft zitierten, aber selten nachgeahmten durchdigitalisierten Estland: Jede*r hat Zugang zum Internet, fast das ganze Land ist mit einem kostenlosen WLAN-Netz abgedeckt, wer keinen eigenen Rechner hat, darf gratis an zahlreichen öffentlichen Terminals arbeiten. Außerdem sind alle Bildungseinrichtungen online. Nun mag sich das bei gerade einmal 1,3 Mio. Einwohner*innen als Umsetzungsproblem anders darstellen, als bei einer sechzigmal größeren Bevölkerung und damit viel komplexeren Situation bei uns. Aber, hätte es nur einen Teil dieser Konnektivität in Deutschland gegeben, wäre einiges fließender und weniger holprig in der Corona-Krise zugegangen. Lehrende und Lernende hätten sich schon daran gewöhnt, digital zu unterrichten und zu lernen, sie hätten verschiedene didaktische Methoden evaluiert und Erfolgreiches als best practice verbreitet. Und, digitale Prüfungen wären sowohl „ausgeklagt“ als auch didaktisch durchdacht. Den Menschen gegenüber wäre es gerechter gewesen und die quasi über Nacht erzwungene Digitalität in allen Lebensbereichen hätte vermieden werden können. Und damit auch die Belastungen, die viele der Mitarbeiter*innen jetzt gleichzeitig erfahren mussten, bei der plötzlich geforderten simultanen Wahrnehmung von Homeschooling, Kinderbetreuung und möglicherweise Pflege von nahen Angehörigen und das noch unter Wegfall der Unterstützung durch Mitglieder der Familie und des Freundeskreises.

Es ist nicht überraschend, dass gerade Mütter von jungen Kindern am meisten unter dem plötzlichen Übergang in die Digitalität gelitten haben. Sie mussten sich überlegen, wie sie ihre Lehre auf die Schnelle für ihre Studierenden zugänglich machen, und gleichzeitig die Kontakte mit und unter den Studierenden aufrechterhalten. Lernen ist immer auch noch eine soziale Leistung, die gemeinsam mit Kommiliton*innen stattfinden muss. Sie mussten am Vormittag meist das Homeschooling betreuen, d.h. die teilweise bemühten, aber auch noch unbeholfen wirkenden elektronischen Erläuterungen der Lehrer*innen begleiten. Nur konsequent ist die wissenschaftliche Arbeit insbesondere von jungen Wissenschaftlerinnen in der Corona-Krise zum Erliegen gekommen, wie die drastisch gesunkene Anzahl der von Frauen eingereichten Publikationen bei Verlagen belegen, während die von Männern in dieser Zeit anstiegen. Das legen zumindest die Untersuchungen von Einreichungen auf den astrophysikalischen Preprint-Servern nahe. Dieser Corona-Publication-Gap verstärkt den ohnehin schon vorhandenen Gender-Publication-Gap, wie er erst kürzlich in einer Studie der Royal Society of Chemistry nachgewiesen wurde. Empfehlungen von gebildeten und im Vergleich zur arbeitenden Bevölkerung überalterten „Expertenkreisen“ führen daher auch nur zu Empfehlungen, die in ihren Auswirkungen antiquiert sind. Dazu zählt die schnell über Ostern zusammengeschusterte ad hoc Stellungnahme der Leopoldina, in der es heißt, dass „…die Kitas für die jüngeren Jahrgänge bis zu den Sommerferien weiterhin im Notbetrieb bleiben [sollten]“.  Ein Durchschnittsalter von 64 Jahren, zwei Frauen unter 26 Mitgliedern der Arbeitsgruppe können, bei aller Wissenschaftlichkeit, gesellschaftlich nur an der Wirklichkeit junger Menschen vorbeiempfehlen.

Neben dem Tablet in jeder Schultüte und bei jeder Immatrikulation an einer Hochschule sind es auch der freie Zugang zu WLAN überall und datenschutzgerechter Umgang mit unseren Daten, die sich Deutschland, ja Europa auf die Fahnen schreiben muss, damit geregeltes Homeoffice und daraus folgend mobiles Arbeiten Teil einer neuen Arbeitswirklichkeit werden kann. Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen sind auch ganz ohne Corona Teil dessen geworden, was junge Frauen und Männer zusätzlich zu ihrer Arbeit integrierbar leisten können sollten, wenn sie das wollen. Wir sollten ihnen diese work-life-balance ermöglichen. Schon dieser Aspekt stellt eine hinreichende Anforderung an die Digitalisierung zum Wohl unserer Gesellschaft dar.

Der Vorschlag eines Programms „Digitalisierung der Lehre“ im Rahmen eines Konjunkturpakets enthält da die richtigen Forderungen. Erweitert werden müsste es um die Ermöglichung von digitaler Arbeit auch in universitärer Verwaltung, denn es geht um das digitale Wohl aller Beschäftigten, nicht nur der an Hochschulen Forschenden, Lernenden und Lehrenden. Unsere Verwaltung funktioniert sicher und gut mit Präsenz und Papier. Wir müssen jedoch weiterdenken. Der öffentliche Dienst muss sich mit hohem Druck von der Stelle bewegen und flexibel werden. Die Hochschulen sind für solche Veränderungen und eine adäquate Reaktion auf die Lebenswirklichkeit der richtige Ort. Jetzt müssen wir, die Politik, die Beschäftigten und die Personalvertretungen mutig das in der Krise Bewährte verstetigen.

Prof. Dr. Christian Thomsen, Präsident der Technischen Universität Berlin

Weekly Bulletin Nr. 8

Weekly Bulletin des Präsidenten der TU Berlin, Nr. 8
Freitag, 5.6.2020

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe TU-Mitglieder,

heute möchte ich mich besonders an diejenigen von Ihnen wenden, die Lehre anbieten. In Pandemie-Zeiten ist es schwer, belastbare Zukunftspläne zu schmieden. Und doch müssen wir bereits jetzt in das Wintersemester 2020/2021 schauen. Auch dieses Semester wird ein besonderes werden. Noch können wir nicht sagen, in welcher Form es konkret ablaufen wird, ob es eine zweite oder gar dritte Viruswelle im Winter geben wird und wie sich unsere ausländischen Partner*innen und Student*innen verhalten werden.

Daher ist meine Botschaft, hinter der auch das Präsidium steht: Bitte bereiten Sie Ihre Lehre für das Wintersemester digital vor. Wir hoffen alle, dass wir auch wieder vermehrt zu Präsenzveranstaltungen kommen können. Diese werden jedoch – solange es keinen wirksamen Impfstoff gibt – vermutlich die Ausnahme bleiben. Unser Bestreben besteht darin,

  1. das Angebot für unsere Studierenden zu sichern,
  2. auch denjenigen, die bei uns studieren wollen, jedoch durch Restriktionen nicht mobil sein können (Reiseverbot, Visa etc.), eine Teilhabe am Studium zu ermöglichen,
  3. und bewährte Formen der digitalen Wissensvermittlung auch im Wintersemester anzubieten, um bspw. eine flexible Zeiteinteilung unseren Dozent*innen und Student*innen durch asynchrone Angebote zu ermöglichen.

Diese drei Ziele können wir durch digitale Angebote sichern.

Unbenommen davon sind wir bestrebt,

  1. aktive Austausch- und Kommunikationsangebote gerade für unsere zahlreichen Erstsemester zu schaffen,
  2. bewährte Präsenzlehrformate und Präsenzprüfungsformate, die unter strikter Einhaltung der Hygiene- und Schutzmaßnahmen der TU Berlin durchgeführt werden können, auch im Wintersemester anzubieten.     

Bitte verstehen Sie diesen Appell als internen Aufruf an all unsere Dozent*innen.

In der Berliner Landeskonferenz der Rektoren und Präsidenten, deren Vorsitz ich momentan innehabe, stimmen wir uns zu einem einheitlichen Signal an unsere Studierenden ab. Das ist nach außen wichtig, denn auch die rund 190.000 Berliner Student*innen wollen und brauchen Planungssicherheit. Wir wollen eine abgestimmte Sprachregelung, die auch die Besonderheiten der unterschiedlichen Hochschultypen berücksichtigt und uns die Freiheit lässt, auf die mögliche Ausbreitung des Virus zu reagieren.

Unsere Devise besteht darin: noch ein volles Digitalsemester, wo möglich und nötig mit Präsenz ergänzt.

Damit bleiben wir flexibel in der Reaktion auf die Pandemieentwicklung.

Gern können Sie mir schreiben: feedback(at)uni.tu-berlin.de

Ich wünsche Ihnen allen ein erholsames Wochenende und bleiben Sie gesund!

Ihr

Prof. Dr. Christian Thomsen
Präsident der TU Berlin

Weekly Bulletin Nr. 7

Weekly Bulletin des Präsidenten der TU Berlin, Nr. 7
Freitag, 29.5.2020

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe TU-Mitglieder,

ich beschäftige mich intensiv mit Ihren Vorschlägen zu unseren Überlegungen, was lernen wir aus der Krise, und wie wollen wir unsere Arbeitswelt in der Zukunft gestalten. Sie geben mir Einblicke in Ihre konkrete Situation und das sind zugleich Anregungen, über die Zukunft nachzudenken.

Daher möchte ich Ihnen Ausschnitte aus den Mails zitieren. Wir haben die Zitate anonymisiert und die Bitten nach Vertraulichkeit beachtet.

Am Montag war ich im Wissenschaftsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses und stand Politiker*innen Rede und Antwort. Dabei ging es auch um die Frage: Wie schaffen wir das Digitalsemester und welche Lehren ziehen wir daraus? Es gibt einen zusammenfassenden Bericht des Tagesspiegels.

Wer noch mehr Interesse an Lesestoff und Videobeiträgen hat: Viele werden es bereits bemerkt haben: Am 27. Mai 2020 wurde unser neuer zentraler Internetauftritt freigeschaltet. Auf der Projektwebseite finden Sie einen Videobeitrag, der Ihnen den neuen Auftritt näher vorstellt.

Und hier noch ein interessanter aktueller Beitrag im Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb 24) über Forschung zu Covid-19 aus der TU Berlin:

Ich wünsche Ihnen erholsame Pfingsten und bleiben Sie gesund.

Ihr Christian Thomsen
Präsident der TU Berlin

E-Mail-Adresse für Ihr Feedback: feedback@uni.tu-berlin.de 

Auszüge aus den Feedbacks zu den Weekly Bulletins

„…Die Umstellung der Lehre auf ein reines Online-Format lief für mich zumindest deutlich reibungsloser, als ich vorab gedacht hätte und ich hoffe darauf, dass wir (unabhängig von Corona) in Zukunft auch in eine vernünftige Online-Lösung für die Prüfungsanmeldung an der Technischen Universität Berlin finden werden…“

Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Fakultät IV, 25.05.2020

„…   Als sehr positiv empfinde ich, dass Home Office nicht mehr als negativ angesehen wird und ich hoffe, das wird so bleiben. Für mich ist Home Office eine Chance, Familie und Beruf besser und effizienter zu vereinbaren. Durch die Umstellung auf Telefon- und Videokonferenzen habe ich die Möglichkeit, an wesentlich mehr Gremiensitzungen aktiv teilzunehmen. Ich würde mir daher wünschen, dass auch in Zukunft bei allen Gremiensitzungen die Möglichkeiten geschaffen werden, auch per Video/Telefon daran teilnehmen zu können.“

Fachgebietsleiterin, Fakultät V, 25.05.2020

„Natürlich sind die Aufgaben und die Bearbeitung der E-Mails in dieser Krise anders und teilweise absolutes ‘Neuland‘ aber, wir wachsen ja mit unseren Aufgaben. Man ‘fuchst‘ sich eben ein. Wenn das alles mal vorbei ist und der ‘Alltag‘ uns wiederhat, kann und möchte ich dem Home-Office nur zustimmen.“

Mitarbeiter, ZUV, Abteilung IV, 25.05.2020

„In meinem Team sind wir sehr froh, dass jeder Einzelne gesehen wird und dass diejenigen, die derzeit aus verschiedenen Gründen weniger leisten können, trotzdem mitgenommen werden und Teil des Teams sind. Bei uns funktioniert das gut, denke ich.“

und „Sie gehen oft auf diejenigen ein, die wegen Kindern, Home Schooling, fehlender Technik etc. weniger oder nicht arbeiten können, die trotzdem belastet sind. Keine Frage. Was ist mit denen, die so viele Dinge auffangen innerhalb der TU? Die viele Stunden mehr als das normale Maß arbeiten (obwohl sie das nicht dürfen)?“

Teamleiterin, Abteilung I, 25.05.2020

„An der HTW z.B. ist es [Homeoffice] bereits gang und gäbe und war bereits ein Grund für mich, mich dort zu bewerben, dann habe ich mich aber doch entschieden, der TU Berlin treu zu bleiben, weil natürlich auch alles andere rundherum stimmen muss.“

Sekretärin, Fakultät II, Mo, 25.05.2020

„Förderung von digitalen Meetings statt Dienstreisen: Um einen Beitrag für den Schutz des Klimas zu leisten, würde ich mir wünschen, dass das Thema Reduzierung von Dienstreisen per Flugzeug auf die Agenda der TUB kommt bzw. bleibt.“

Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Fakultät VII, 25.05.2020

„Bei uns im Team machen wir im Moment jeden Morgen um 9 Uhr eine Videokonferenz, die zwischen 15 und 60 Minuten dauert. Das funktioniert großartig, da wir nun die Möglichkeit haben, jeden Tag unseren Chef zu sprechen, der im normalen Büroalltag nicht immer zu erwischen ist.“

Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Fakultät VI, 22.05.2020

„Mein Fazit ist: In der gegebenen Situation war die angeordnete Arbeitsweise das einzig Richtige und Vernünftige. […] Auf die Länge der Zeit wünsche ich mir persönlich jedoch einen deutlich geringeren Anteil von Digitalisierung in meiner Lehre genauso wie in der Kommunikation mit meinen Mitarbeitern und meinen Kolleginnen und Kollegen.“

Fachgebietsleiter, Fakultät II, 23.05.2020

„Die ersten 3-4 Wochen waren sehr hart für uns alle. Mittlerweile aber hat sich Vieles eingependelt und verbessert und die meisten kommen nun gut im Homeoffice zurecht. Geholfen hat dabei ein reger Austausch aller, so gab es oft unkonventionell schnelle Hilfe bei vielen Problemen.“

Sekretärin, Fakultät VI, 22.05.2020

„Die Kommunikation in unserem Team hat sich etabliert. Interessant ist dabei, dass aus meiner Sicht unsere Webkonferenzen effektiver sind, als Meetings im Büro. Wir müssen alle fokussierter sein und das tut dem Miteinander überraschend gut.“

Mitarbeiterin, Abteilung II, 20.05.2020

„[Es] sollten individuelle Lösungen möglich sein auch in Abhängigkeit von den örtlichen und sonstigen Gegebenheiten, der familiären Situation, von den digitalen Möglichkeiten bei der Arbeitserledigung und den Anwesenheitserfordernissen im Büro. Am Ende sollte das Ziel/das Ergebnis das Entscheidende sein und nicht der Arbeitsort oder eine feste Arbeitszeit.“

Mitarbeiterin, Stabsstelle des Präsidenten, 22.05.2020

„Ich würde mir wünschen, dass nach den guten Erfahrungen mit dem Homeoffice mehr Kolleg*innen unkompliziert ermöglicht wird, einige Tage pro Woche im Homeoffice zu arbeiten. Für mich selbst kann ich mir das nicht vorstellen, meine Arbeit ist an persönliche Beratung gebunden. Hilfreich wäre aber, wenn ich ab und zu, z.B. für die Anfertigung eines umfangreichen Protokolls, von zu Hause aus arbeiten könnte, ohne das Gefühl zu haben, dies sei - wenn überhaupt - nur so halb zulässig.“

Sachbearbeiterin, Prüfungsausschuss, 22.05.2020

„Noch mehr als das [Homeoffice] empfinde ich die Digitalisierung der Verwaltung als äußerst positiv. Teilweise sind die Bearbeitungsdauern von Vorgängen um 60-70 % gesunken. Alle Kolleginnen und Kollegen dort sind äußerst hilfsbereit und praxisorientiert. Sicher können wir nicht dauerhaft Scans durch die Gegend schicken, sondern die Vorgänge müssen digital beispielsweise im SAP abgebildet werden. Aber grundsätzlich ist die Richtung absolut wünschenswert und es würde das Arbeitsklima deutlich verbessern, wenn unsere Verwaltung nicht wie in den letzten zwei Jahren immer am Anschlag und darüber hinaus arbeitet.“

Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Fakultät V, 22.05.2020

„Ich fühle mich gut, wenn mir das Vertrauen entgegengebracht wird, dass ich meine Arbeit unter Berücksichtigung der Bedürfnisse meiner Kunden und meines Teams selbstständig gestalten kann. Ich ziehe diese Arbeitsweise der Kontrolle durch Stechuhr usw. vor. Sie spornt mich an.“

Anonym, 22.05.2020

„Grundsätzlich finde ich es nicht in Ordnung, dass von uns Verwaltungsangestellten mit E 6 erwartet wird, die privaten Rechner für die Arbeit zu verwenden. Das technische Equipment hätte von der TU gestellt werden müssen.“

Sachbearbeiterin, Fakultät I, 22.05.2020

„Gerade für die Arbeit an einer Promotion oder an Fachartikeln hat sich das ungestörte Arbeiten außerhalb des Büros als Segen erwiesen […] Ebenso sollten Veranstaltungen wie Ringvorlesungen vermehrt gestreamt werden. Im Zuge dessen sollte auch überlegt werden, ob nicht auch genau diese Digitalisierung von Inhalten verstärkt für nicht-akademisches Publikum zugänglich gemacht und beworben werden sollte, um verstärkt in den Dialog mit allen potentiell Interessierten zu treten.“

Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Fakultät V, 22.05.2020

„Vorher saß jeder in seinem Büro und wenn man etwas mit einem Kollegen besprechen wollte, musste man da erst hinlaufen und richtig zusammen arbeiten konnte man dann auch nicht. Jetzt haben wir einen gemeinsamen Chatbereich und Videokonferenzen, man kann deutlich effizienter arbeiten als vorher…“.

Mitarbeiter, ZUV, 22.05.2020

Weekly Bulletin Nr. 6

Das weekly bulletin des TU-Präsidenten

Freitag, 22. Mai 2020

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe TU-Mitglieder,

vor einem Monat startete unser „Digitalsemester 2020“, und am 18. Mai 2020 – quasi vor einer Woche – sind wir in den eingeschränkten Präsenzbetrieb übergegangen. Das sind zwei Anlässe, die ich gern aufgreifen möchte.

Da wir eine verkürzte Arbeitswoche haben, fällt mein weekly bulletin auch etwas kürzer aus. Ich illustriere das, was wir als TU Berlin im ersten Monat „Digitalsemester 2020“ geleistet haben, in Zahlen:

Seit April 2020 wurden von unseren Lehrenden 7.816 Videos (1.439 GB) in 759 verschiedenen Kursen hochgeladen. Alle Videos zusammen haben eine Länge von 3.696 Stunden.

Seit dem Vorlesungsbeginn gab es insgesamt 802.846 Zugriffe auf Videos (ca. 125 TB Traffic).

Täglich besuchen ca. 18.000 unterschiedliche Nutzer*innen das zentrale E-Learning-System ISIS. Wöchentlich sind es 25.000 unterschiedliche Nutzer*innen.

Dass sich die Kommunikation verlagert hat, zeigt die Anzahl der Beiträge in den Diskussionsforen: Seit dem Semesterbeginn gab es schon 39.943 neue Beiträge, im gesamten vergangenen Sommersemester waren es 29.725.

Und hier die Nutzungszahlen für Zoom:

20.04. bis 27.04.2020:
Meetings: 4.907, Meeting Minutes*: 3.224.807, Participants: 91.582

27.04. bis 04.05.2020:
Meetings: 5.958, Meeting Minutes: 3.964.562, Participants: 64.937

04.05 bis 11.05.2020
Meetings: 7.808, Meeting Minutes: 5.025.788, Participants: 76.637

11.05. bis 18.05.2020:
Meetings: 9.560, Meeting Minutes: 5.892.084, Participants: 86.918

18.05. bis 20.05.2020 (14:30 Uhr)
Meetings: 3.808, Meeting Minutes: 2.369.682, Participants: 34.961

* „Meeting Minutes“ gibt an, wie viele Minuten alle Teilnehmer*innen zusammen in
Meetings verbracht haben.

Danke, für diese beeindruckende Leistung!

Aus diesen Zugriffszahlen lässt sich natürlich noch nicht ableiten, wie effektiv und erfolgreich unsere Lehre im Digitalsemester war. Das werden unsere Untersuchungen, Umfragen und Rückmeldungen im Laufe des Semesters noch ergeben, und ich werde Sie darüber informieren. 

Schaut man zurück auf die erste Woche im eingeschränkten Präsenzbetrieb, so werden unsere Regelungen verantwortungsvoll umgesetzt. Das ist wichtig und ein sehr gutes Signal, auch nach außen, denn viele beobachten, wie wir diese Schritte gehen, und nehmen sich ein Beispiel an uns.

Für unsere aktuelle Arbeitswelt wurde mehrfach der Wunsch an mich herangetreten, die Erwartungshaltung an unsere Arbeitsleistung zu definieren. Viele fragen sich: Werden jetzt wieder alle Personalvorgänge, alle Bestellung und alle Rechnungen bearbeitet usw. usf.

Die Antwort ist nicht einfach. Wir befinden uns in einem Zwischenzustand, der durch viele Faktoren definiert wird. Wer kann zu 100 Prozent arbeiten, wer nicht? Wer muss Zuhause seine Kinder betreuen? Wer kann aufgrund von Krankheit nicht arbeiten oder gehört zu einer Risikogruppe? Wie läuft der Präsenzbetrieb in den Abteilungen und den Sekretariaten der Fachgebiete? Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Unsere Beschäftigten in den wissenschaftsunterstützenden Bereichen – egal ob es eine Abteilung in der ZUV ist, ein Sekretariat in einem Fachgebiet, ein Fakultätsservicecenter, der Personalrat oder das Hygienelager - geben ihr Bestes, die neuen Bedingungen umzusetzen. Sie organisieren ihre Arbeit zwischen Büro und Homeoffice und beginnen bereits, liegengebliebene Vorgänge aus dem Präsenznotbetrieb aufzuarbeiten. All das unter einen Hut zu bringen, ist nicht leicht. Das weiß ich. Um die Unsicherheit zu minimieren, werden wir in der kommenden Woche konkret zusammenstellen, was wir an Arbeitsleistung bspw. aus der ZUV erwarten können. Diese Klarheit ist für uns alle wichtig.

In diesem Zusammenhang wiederhole ich meine Botschaft: Ich gehe nicht davon aus, dass jede und jeder von uns zu 100 Prozent leistungsfähig ist. Das verlangen wir nicht, weder von Beschäftigten noch von Vorgesetzten. Wir müssen zusammen diese Zeit meistern, dafür braucht es Verständnis füreinander und Toleranz gegenüber der*dem anderen, ihrer*seiner Arbeitsleistung und ihren*seinen Lebensumständen. Mein großes Ziel ist, dass wir alle gemeinsam gesund und als TU Berlin gestärkt aus dieser Krise hervorgehen. Ein achtsamer Umgang miteinander ist dafür jetzt unabdingbar, darum bitte ich Sie herzlich.

Ich wünsche Ihnen allen schöne freie Tage und Erholung. Lassen Sie es sich gut gehen und bleiben Sie gesund!

Ihr

Christian Thomsen
Präsident der TU Berlin 

PS:
Dankbar bin ich für die sehr vielen Mails, die Sie mir auf das letzte weekly bulletin geschickt haben. Die Einblicke, die Sie in Ihre Arbeitswelt geben, Ihre Meinung zu meinem Vorschlag „3 Tage im Büro, 2 Tage im Homeoffice“ sind für mich sehr spannend und nützlich. Sie werden mit in meine Überlegungen, wie sich unsere Arbeitswelt ändern sollte, einfließen. Sie können mir Ihre aktuellen Erfahrungen und Vorschläge zu einer Weiterentwicklung der TU Berlin nach wie vor senden: 

Ich freue mich auf Ihre Zuschrift.

Weekly Bulletin Nr. 5

Das weekly bulletin des TU-Präsidenten

Freitag, 15. Mai 2020

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe TU-Mitglieder,

ein weiterer wichtiger Schritt für unsere TU Berlin steht an: Am 17. Mai 2020 werden wir den Präsenznotbetrieb beenden und am 18. Mai 2020 in den eingeschränkten Präsenzbetrieb, jedoch ohne Präsenzlehre, übergehen. Auf diese dritte Phase haben viele gewartet. Es war eine lange Zeit, immerhin zwei Monate, in der wir in einem Ausnahmezustand nicht nur ein Digitalsemester vorbereitet und begonnen, sondern uns alle auch im Homeoffice eingerichtet haben.

Ab 18. Mai 2020 wird ein Arbeiten auf dem Campus wieder möglich sein, die Lehre wird weiterhin digital angeboten. Im Detail haben wir Ihnen diesen Schritt im Informationsschreiben vom 14. Mai 2020 (www.tu-berlin.de/?214509) erläutert.

Zwei Dinge sind mir zusammen mit den neuen Regelungen wichtig:

  1. Wir möchten in dieser Phase – und das ist eine ganz klare Botschaft von mir – auch weiterhin so viel Homeoffice für alle TU-Beschäftigten in Forschung und Verwaltung wie möglich. Die Lockerungen bedeuten nicht, dass alle Beschäftigten am Montag vor den Türen der TU Berlin stehen sollen. Das wäre nicht das richtige, sondern ein fatales Signal. Das leitet mich zu meinen zweiten Punkt über:

  2. Ich appelliere an alle Vorgesetzten mit diesen Lockerungen im beschränkten Präsenzbetrieb verantwortungsvoll und zum Wohle aller umzugehen. Sie werden die Einsatzpläne für Ihr Team oder Ihr Fachgebiet schreiben, bei sich hinterlegen und gemeinsam mit Ihren Mitarbeiter*innen umsetzen. Nur so können Sie die TU-Gebäude wieder betreten. Wir haben bewusst keine Prüf- und Genehmigungsprozesse eingeführt und bauen stattdessen auf Ihre Verantwortung für Ihre Mitarbeiter*innen. Stichproben behalten wir uns vor. Ich bitte Sie alle um aktive Mithilfe. Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, werden wir diesen wichtigen Übergang vom Präsenznotbetrieb in den eingeschränkten Präsenzbetrieb an der TU Berlin gut hinbekommen.

Mit diesem neuen Schritt werden wir noch nicht zu unserem bekannten Alltag, wie wir ihn vor Corona hatten, zurückkehren. Die Rahmenbedingungen der dritten Phase erlauben es nicht, schon jetzt wieder mit vollem Einsatz an unseren Themen zu arbeiten. Berücksichtigen Sie das bitte bei Ihrer Erwartungshaltung an die verschiedenen Bereiche der Universität. Es bleibt die Gefahr einer zweiten Infektionswelle in Berlin und Deutschland, die wir mit unserem Maßnahmenkatalog im Informationsschreiben vom 14. Mai 2020 und Ihnen allen gemeinsam verhindern wollen. Halten Sie sich daher bitte daran, einen Rückschritt in den Präsenznotbetrieb wollen wir alle nicht.

Einen solchen Rückschritt könnten wir uns auch nicht leisten, weil wir einen Berg an Aufgaben und Fragen angehen und lösen müssen. Dieser wächst von Tag zu Tag. Wie gestalten wir das Wintersemester, die nachzuholenden Prüfungen, die Bewerbungsfristen? Wie gehen wir mit den Wünschen und Bedürfnissen ausländischer Student*innen um, die im Wintersemester zu uns kommen wollen? Wie holen wir das auf, was in Forschung und Verwaltung liegenbleiben musste? Das sind nur einige von vielen Fragen, Sie kennen aus Ihrem Arbeitsbereich sicher noch viele mehr, auf die wir in der nächsten Zeit Antworten finden müssen. Daran arbeiten wir alle sehr hart.

Wenn wir in die fernere Zukunft, in eine Phase von mehr Normalität schauen, wollen wir vielleicht nicht alles wieder in den früheren Zustand zurückdrehen, da wir gerade jetzt die Erfahrung machen, dass einige der neuen Arbeitsweisen uns in kurzer Zeit lieb geworden sind. Einige Dozent*innen fragen, ob sie auch das Wintersemester hauptsächlich digital anbieten können. Viele wollen den Austausch innerhalb und mit der Verwaltung verstärkt elektronisch fortführen. Die Telefon- und Videokonferenzen sparen uns Zeit und Anfahrtswege. Das begrüßen viele, auch wenn die sozialen Kontakte darunter gelitten haben. Natürlich wollen wir alle persönliche Treffen zurückhaben. Ich vernehme aber auch, dass Präsenz gerne gemischt sein kann mit einem digitalen Arbeiten und Austausch, egal ob in der Verwaltung, in der Forschung oder in der Lehre.

Es ist noch zu früh, konkrete Pläne aufzustellen und Konsequenzen zu ziehen. Aber, was denken Sie über eine 3-Tage-Woche im Büro und die 2 Tage im Homeoffice? Können Sie sich das vorstellen? Wie wäre es, wenn sich das Team einmal in der Woche trifft und ansonsten verteilt und digital arbeitet? Müssen wir an festen Arbeitszeiten festhalten? Oder sind nicht doch Arbeitsergebnisse wichtiger? Wie kann man das an einer staatlichen Universität organisieren? Wie sollte eine gute digitale Lehre aussehen, die den Bedürfnissen der Dozierenden und der Student*innen gerecht wird? Wie können wir ein Wir-Gefühl unter Mitarbeitenden und Studierenden aufrechterhalten – im Kleinen wie im Großen?

Ich möchte gerne die Krise nutzen. Die TU Berlin soll daraus gestärkt und noch attraktiver als früher hervorgehen. Fangen wir jetzt damit an, unsere Arbeitswelt der Zukunft gemeinsam zu denken und zu modellieren! Die Tür ist offen. Der Anlass, die Corona-Pandemie, war und ist traurig. Wir hatten bisher nicht den Mut, die Vorstellungskraft und den Druck, die Schritte, die wir in den vergangenen zwei Monaten gegangen sind, von allein aus zu planen und konsequent umzusetzen.

Wann, wenn nicht jetzt, sollten wir den Mut haben, neu zu denken und zwar alle zusammen an dieser wunderbaren Universität. Ich verspüre den Mut, und ich möchte auch Sie dazu ermutigen!

Schreiben Sie mir Ihre Gedanken und Vorstellungen. Was haben Sie an guten und schlechten Erfahrungen in der bisherigen „Corona-Zeit“ gemacht? Wie stellen Sie sich Ihre Arbeitswelt der Zukunft vor? Wie könnte eine gute Arbeitsgeberin TU Berlin in dieser Hinsicht für Sie aussehen? Die Zuschriften werde ich auf Wunsch vertraulich behandeln.

Mailadresse:  

Haben Sie vielen Dank, und bleiben Sie gesund!

Ihr
Christian Thomsen
Präsident der Technischen Universität Berlin

Und hier noch etwas zum Lesen und Hören:

Videostatement zum Übergang in den beschränkten Präsenzbetrieb: www.tu-berlin.de/?214510

Interview mit dem Kulturradio über das Digitalsemester: https://www.rbb-online.de/rbbkultur/radio/programm/schema/sendungen/rbbkultur_am_vormittag/archiv/20200512_0905/wissen_0910.html

TU-Beilage im Tagesspiegel: www.tu-berlin.de/?214309

Weekly Bulletin Nr. 4

Das weekly bulletin des TU-Präsidenten

Freitag, 24. April 2020

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder der TU Berlin,

wir befinden uns in der fünften Woche im Homeoffice, im Präsenznotbetrieb, in einer Ausnahmesituation. Nach wie vor! An manches hat man sich gewöhnt, anderes bleibt fremd. Es gibt Erfolgserlebnisse, sicherlich, aber es gibt eben auch Dinge, die nicht klappen. Der Wechsel zwischen WebEx und Zoom, zwischen Telefon und Laptop, zwischen Küche und Wohnzimmer, zwischen Homeoffice und Homeschooling belastet und zerrt an den Nerven. Der Kraftakt, das digitale Semester zu starten, ist gelungen, hinterlässt aber auch Spuren. Ich habe aus meinen vielen Gesprächen, die ich über das Telefon oder über Videochats führe, nun oft das Signal bekommen, dass nach der Anfangseuphorie „Das packe ich schon!“ jetzt die Mühen der Ebene kommen. Der Stress und die Überlast steigen, die Geduld ist schneller am Ende, die eingesparte Anfahrtszeit zur Uni ist nicht mehr zu merken. Bei manchen liegen die Nerven blank, ein anderer ignoriert die Probleme. Das zeichnet kein Gesamtbild, aber der Zustand unserer Gesellschaft drückt uns zunehmend aufs Gemüt.

Gerade jetzt empfinde ich meine und unsere Verantwortung für unsere Beschäftigten als sehr groß und gewichtig.

Schneller, weiter, höher – dieser Leitspruch unserer Gesellschaft aus Vor-Corona-Zeiten hat abgedankt. Andere Werte rücken nun in den Mittelpunkt.

Dazu zählt die Hilfsbereitschaft. Man kauft Gutscheine beim Lieblingsrestaurant für die Nach-Corona-Zeit, man besorgt den Einkauf für die Nachbar*innen, man singt ein Geburtstagsständchen vor dem Balkon in Zeiten der „sozialen“ Distanz. Vor Ostern hatte ich an alle Hochschullehrer*innen einen Spendenaufruf geschickt, um unseren Student*innen zu helfen. Auch sie sind von den Umständen getroffen, Nebenjobs fallen weg, aber auch neue Initiativen gegen die Virusausbreitung entstehen bei ihnen. Das finde ich beachtlich. Innerhalb weniger Tage kamen 25.000 Euro zusammen. Da die Bundesregierung für jeden Spendeneuro einen Euro dazugibt, verfügen wir jetzt schon über 50.000 Euro, die in Deutschlandstipendien fließen werden. Im Herbst vergeben wir sie an unsere Student*innen. Wer ebenfalls spenden möchte, kann das tun. Wir sammeln von 10 bis 1800 Euro oder mehr. 1800 Euro umfasst ein Deutschlandstipendium. Sie können das Geld auf das Konto unserer Gesellschaft von Freunden e.V. überweisen, ich und unserer Student*innen würden das sehr hoch schätzen: www.tu-berlin.de/?213918.

Zu den wieder entdeckten Werten zählt auch die Rücksichtnahme. Und diese sollten wir in unserer Universität, in unserem Miteinander walten lassen. Das sage ich auch und vor allem als Präsident und möchte an alle Vorgesetze der TU Berlin appellieren, die Situation ihrer Teammitglieder wahrzunehmen und darauf adäquat zu reagieren. Es ist klar und Konsens, dass Alleinerziehende momentan nicht die volle Arbeitsleistung erbringen können, es ist verständlich, wenn Mutter oder Vater zwischen Homeoffice und Homeschooling nicht immer einsatzbereit ist, es wird akzeptiert, wenn der*die Mitarbeiter*in eine Überlastung durch zusätzliche Pflege bewältigen muss. Wir als Universitätsleitung möchten, dass wir alle angepasst reagieren, dass wir Bedürfnisse realistisch einschätzen, dass wir Leistungen nicht erzwingen, dass wir miteinander reden und Freiräume geben, dort, wo es angebracht und notwendig ist.

Das verstehe ich unter Rücksichtnahme und bitte alle Vorgesetzten darum. Ich weiß, auch sie haben eine neue Last zu tragen, denn ein Team vom Homeoffice aus zu führen, ist nicht einfach. Wir konnten das nicht proben. Deshalb bitte ich auch hierfür um Verständnis. Für uns alle ist die Situation neu. Nur wenn wir jetzt besonnen miteinander umgehen, kommen wir gut und gesund aus der Krise. Wir müssen mit unseren Kräften haushalten. Darum bitte ich Sie alle.

Rücksichtnahme verstehe ich auch noch auf eine andere Weise. Wir werden behutsam Ausnahmeregelungen zum weiterhin bestehenden Präsenznotbetrieb genehmigen. Darüber haben wir im Infobrief vom 23. April 2020 informiert. Um dies gut und verantwortungsbewusst umzusetzen, sind jetzt viele gefragt. Alle Verantwortlichen, die eine Ausnahmeregelung für ihr Lehr- oder Forschungsprojekt bekommen, müssen Rücksicht gegenüber anderen nehmen. Oberste Priorität bei all unserem Handeln hat der Schutz unserer Gesundheit. Berücksichtigen Sie deshalb unbedingt die vorgegebenen Hygieneregeln! Berücksichtigen Sie bitte auch, dass wir für manche Fragen noch keine Antworten, dass wir für bestimmte Fälle noch keine Lösungen haben. Wir arbeiten mit Hochdruck daran. 

Gegenseitige Rücksicht ist in diesen Tagen der Kitt, der uns als Gemeinschaft, der uns als TU Berlin zusammenhält. Schauen wir gemeinsam nach vorn.

Wenn Sie Anregungen, Hinweise und Tipps haben, dann schreiben Sie mir über 

Bleiben Sie gesund!

Ihr

Prof. Dr. Christian Thomsen
Präsident der Technischen Universität Berlin

Weekly Bulletin Nr. 3

Das weekly bulletin des TU-Präsidenten

Freitag, 10. April 2020

Sehr geehrte TU-Mitglieder,

wir befinden uns seit drei Wochen im Präsenznotbetrieb und kurz vor Ostern. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, Ihnen allen erholsame Feiertage zu wünschen. Ich hoffe sehr, dass Sie und Ihre Familie gesund sind und bleiben, dass Sie Erholung finden, wenn auch nicht am Strand oder in einem Urlaubsort, so doch im Kreise Ihrer Lieben.

In den letzten Tagen habe ich eine Menge an Hilfsbereitschaft aus der TU Berlin erfahren. Am 9. April 2020 konnten wir durch eine große Spendenaktion sehr viel Schutzmaterial an den Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin übergeben. Der Verband wird die 77.500 Einmalhandschuhpaare und zahlreiche Schutzmasken an soziale Einrichtungen und Organisationen aus seiner Mitgliedschaft verteilen, die sich vor allem um obdachlose Menschen und Menschen mit Suchterkrankungen kümmern. 

An anderer Stelle werden Schutzmasken in der TU Berlin gefertigt, Verfahren zur Prüfung dieser Masken entwickelt, Apps programmiert, oder TU-Mitglieder helfen in den Berliner Laboren, damit viele Tests durchgeführt werden können.

Heute habe ich zunächst alle Hochschullehrer*innen aufgerufen, für ein Deutschlandstipendium zu spenden. Unser Ziel ist, unsere engagierten TU-Student*innen, die auch in der Krisenzeit helfen, finanziell zu unterstützen.

Für uns alle werden die Feiertage nicht so sein wie früher. Sehr viele von Ihnen bereiten ihre Online-Lehre vor, andere helfen in der Verwaltung mit hohem Engagement. Wir alle suchen nach Lösungen, versuchen uns abzustimmen und auf die neue Situation einzustimmen.

Für all Ihre Anstrengungen und auch die kritische Begleitung unserer Arbeit, sage ich an dieser Stelle: Danke! 

Vielleicht haben Sie die Gelegenheit, jetzt etwas zu entspannen. Ich wünsche Ihnen das. Bleiben Sie Zuhause und gesund.

Ihr

Prof. Dr. Christian Thomsen
Präsident der TU Berlin

Weekly Bulletin Nr. 2

Das weekly bulletin des TU-Präsidenten

Donnerstag, 02. April 2020

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe TU-Mitglieder,

wir haben nun zwei Wochen Homeoffice hinter uns. Es ist nicht einfach, das merken wir sicherlich alle – obwohl einiges besser und effektiver läuft, auch das muss man feststellen. Die komplette Verlagerung der Arbeit in den privaten Kosmos und das in der Quantität, wie wir sie erleben, hat uns schon jetzt verändert. In manchen Stunden wird der Arbeitsplatz in der Uni zum Sehnsuchtsort, dann wieder ist er weit weg und fast schon fremd geworden. Wäre ich ein Soziologe, würde ich unsere neue Situation als interessantes Forschungsfeld wählen.

Unsere Universität hat nun ihre Fixpunkte temporär nicht mehr am Ernst-Reuter-Platz in Berlin-Charlottenburg oder im Wedding, in Schöneberg und im ägyptischen El Gouna. Digital vernetzt sitzen wir – immerhin rund 8000 TU-Beschäftigte – derzeit über ganz Berlin und die nationalen und internationalen Landesgrenzen hinweg in Arbeitszimmern, WG-Küchen und auf Balkonen (wer einen hat, kann sich glücklich schätzen). In dieser Situation heißt es für uns alle: Wie können wir gut zusammenarbeiten, und wie halten wir den Kontakt zu unserer TU Berlin?

Heute möchte ich Ihnen zwei neue Beispiele vorstellen, die wir für Sie entwickelt haben:

  • Kampagne #TUgetherAtHome – online und in den Social Media für Sie gemacht
  • Sonderausgabe von „TU intern“ zum Präsenznotbetrieb - als e-Paper für Sie produziert

Unter dem Titel „#TUgetherAtHome“ zeigen wir Ihnen den virtuellen Campus und bringen Ihnen die TU Berlin nach Hause. Wir befragen Wissenschaftler*innen zu ihren Forschungsthemen, machen gemeinsam Sport, rufen zu Challenges auf, geben Ihnen die neuesten Informationen des Krisenstabs oder zeigen, wie Online-Lehre funktionieren kann. Besuchen Sie unserer Homepage, und für diejenigen, die eigene Social-Media-Accounts nutzen: Rufen Sie den Hashtag #TUgetherAtHome auf oder folgen Sie der TU Berlin auf den unterschiedlichen Kanälen wie Instagram, Twitter, Facebook und Youtube. Schauen Sie vorbei und machen Sie mit. Überall steckt TU Berlin drin: www.tu-berlin.de/?212824 

Ein anderes Medium ist Ihnen sicherlich sehr vertraut: unsere Hochschulzeitung „TU intern“. Diesmal senden wir Ihnen eine digitale Sonderausgabe, komplett im Homeoffice produziert, also eine Premiere in der mehr als 35-jährigen Geschichte der Zeitung. Wir zeigen Ihnen, wie wir den Präsenznotbetrieb auf die Beine gestellt haben, was unsere Abteilungen in der ZUV dazu beitrugen, wie sich unsere Fakultäten und Forscher*innen darauf vorbereiteten und wie sie mit der aktuellen Situation umgehen. Wir geben Ihnen einen detaillierten und gewohnt interessanten Einblick in unsere nun anders funktionierende TU Berlin. Das e-Paper können Sie aufrufen unter: http://archiv.pressestelle.tu-berlin.de/tui/20apr/ 

Beides hilft, sollten Sie Sehnsucht nach Ihrer, unserer TU Berlin haben … halten Sie durch!

Für Feedback, Anregungen und Tipps schreiben Sie mir gerne unter: .

Für diese Woche wünsche ich Ihnen alles Gute, passen Sie auf sich und Ihre Mitmenschen auf, und bleiben Sie alle gesund!

Ihr

Prof. Dr. Christian Thomsen
Präsident der Technischen Universität Berlin

Weekly Bulletin Nr. 1

Das weekly bulletin des TU-Präsidenten

Freitag, 27. März 2020

Liebe Mitglieder der TU Berlin,

heute möchte ich mich mit diesem neuen weekly bulletin an Sie wenden. Ich will darüber mit Ihnen in Kontakt bleiben. Das ist mir sehr wichtig in Zeiten von Homeoffice, Quarantäne und Ausgangsbeschränkungen.

Vor einer Woche haben alle Berliner Hochschulen flächendeckend den sogenannten Präsenznotbetrieb eingeführt. Obwohl ich für unsere Universität bereits am 2. Februar 2020 den Krisenstab einberufen hatte, standen wir vor Aufgaben, an die wir bisher nicht einmal dachten. Wir betraten Neuland. In kurzer Zeit haben wir sehr vielfältige Probleme gelöst. Wir zogen alle an einem Strang und standen zusammen. Das macht eine tolle Universität aus.

Deshalb gilt mein erstes Hauptanliegen Ihnen allen: Ich war und bin sehr beeindruckt von Ihrem Engagement und von dem, was Sie in dieser schwierigen Zeit auf die Beine gestellt haben. Einen Präsenznotbetrieb aus dem Stand zu organisieren und umzusetzen, das verlangt Können, Toleranz und Durchhaltevermögen. Und das haben wir. Als Präsident dieser wunderbaren Universität bedanke ich mich bei Ihnen allen dafür sehr!

Ich weiß, was es heißt, im Homeoffice, ohne örtliche Präsenz, seiner Arbeit nachzugehen. Die Kinder müssen Zuhause beschult und bespielt werden – und das fast durchgehend. Der*die Partner*in arbeitet nebenan im Homeoffice, das Smartphone klingelt, der Telefonempfang bricht ab, die E-Mailbox füllt sich, die nächste TelKo steht an und beim Interview mit der Radiojournalistin rufen die Kinder in den Livemitschnitt hinein. Diese Situationen sind für uns zwar unterschiedlich, aber in der Summe für jede*n herausfordernd. Dabei spielt sich die wahre und große Tragödie vor unserer Haustür und in der ganzen Welt ab.

Deshalb gilt mein zweites Hauptanliegen uns allen: Bitte halten Sie durch, halten Sie die Regelungen der Bundes- und Landesregierung ein. Nur so können wir als Einzelne*r und damit als Gemeinschaft der Virusausbreitung die Stirn bieten. Das ist wichtig! Das ist das Gebot der Stunde. Dazu gehört auch, dass wir solidarisch handeln. Dass wir helfen. Dass wir uns um unsere Familie, Nachbar*innen und Kolleg*innen kümmern. Sei es der Einkauf, der Anruf und eben eine E-Mail zur Aufmunterung. Es gibt auch Ideen aus der TU Berlin. Mich erreichte eine schöne von einem unserer Hochschullehrer: Kann ich nicht von meinem Gehalt etwas für Student*innen spenden, die jetzt keinen Job haben? Wir sind dabei, einen Weg dafür zu finden. Wir als Universität haben ad hoc 10 Arbeitstage bei Lohnfortführung für Eltern mit Kita- und Schulkindern bereitgestellt. Eine weitere TU-Initiative bündelt Firmen und Projekte für 3D-Druck, die eventuell Komponenten für Schutzmasken und Ähnliches drucken können. TU-Student*innen entwickelten eine Idee, um in der Landwirtschaft zu helfen. Außerdem kommt aus mindestens zwei Fachgebieten personelle Hilfe für Diagnostik und Corona-Tests.        

Mein drittes Hauptanliegen betrifft den Präsenznotbetrieb: Ihn zu organisieren ist das Eine, ihn aber in der Praxis durchzuhalten, ist eine andere Sache. Daran müssen wir nun alle miteinander arbeiten. Darum bitte ich Sie herzlich. Unsere TU Berlin ist zurzeit eine Universität, die von rund 8000 Mitgliedern in ihren Wohnungen oder Homeoffices organisiert wird, quasi ein intelligentes verteiltes Netzwerk. Das ist neu für uns alle – für Vorgesetzte, für Mitarbeiter*innen oder für ein festgefügtes Team. Wie lange dieser Zustand dauern wird, kann ich Ihnen heute noch nicht sagen. Was ich aber weiß: Sie alle sind mit Hochdruck und Kreativität an die Sache gegangen. So hat der Personalrat schnell eine Sondersitzung einberufen, um so viele Vorgänge wie möglich zu beraten. So haben unsere Abteilungen Dienste für den Notbetrieb organisiert. So wurden Fristen verlängert und Hilfe organisiert.

Darüber hinaus sind jetzt alle Dozent*innen aufgerufen, digitale Lösungen für ihre Lehre zu entwickeln. In dieser Woche verkündeten die Berliner Hochschulen, dass wir am Sommersemester 2020 festhalten und die digitale Lehre ausbauen. Dafür wurde ein neues 10-Millionen-Euro-Programm in Berlin aufgelegt. Ich bitte Sie, stellen Sie sich der Aufgabe, versuchen Sie alles, damit wir im Sommersemester Lehrinhalte digital anbieten können. Sie tun das für unsere Student*innen. Unser InnoCampus und das Team Onlinelehre der Zentraleinrichtung Wissenschaftliche Weiterbildung und Kooperation stehen als Ansprechpartner*innen für Sie zur Verfügung.

Nach dieser aufregenden Woche wünsche ich Ihnen nun ein schönes und erholsames Wochenende.

Bleiben Sie bitte Zuhause und gesund.

Arbeiten Sie weiterhin mit uns allen an unserer tollen Universität – auch und besonders in solchen schwierigen Zeiten!

Ich melde mich in einer Woche wieder.

Wenn Sie Anregungen, Hinweise und Tipps haben, dann schreiben Sie mir über

Ihr

Prof. Dr. Christian Thomsen
Präsident der Technischen Universität Berlin